Der hungrige Hundeblick: Wer kann ihm widerstehen?

Ein Toast für den Hund

Je grösser der Hund, umso grösser ist auch sein Appetit. Wenn ein Hund allerdings so gross ist, dass er auf die Tischplatte schauen kann, muss man das Essen manchmal in Sicherheit bringen.

Wie jeden Morgen, wenn ich vor den Kindern zur Arbeit musste, stellte ich für sie Toast mit Konfitüre und ein Glas Milch auf den Tisch. Wie jeden Morgen sass unser Hund Tasso im Gang, als ich ging, und versprach, auf alle aufzupassen. Beim gemeinsamen Morgenessen hatten wir eine kleine Gewohnheit angefangen: Blieb ein Toast übrig, so durfte der Hund diesen Toast mit etwas Butter drauf essen. Da er wegen seiner Grösse aber direkt auf den Tisch herabsehen kann, ist sein Platz, während die Menschen essen, vor dem Esszimmer in seinem Bettchen. Niemand mag es, wenn ein Hund direkt über der Tischplatte seinen Menschen anbettelt. Schliesslich entstand ein kleines Spielchen daraus.

Sobald wir fertig waren mit dem Essen, wurde der Toast in seinen Napf gelegt. Erst auf Befehl durfte er den Toast nehmen. Dieses Warten auf das Fressen dient dazu, dass der Toastüberbringer seine Finger rechtzeitig wegnehmen kann. Denn Tasso mag Toast sehr gerne und frisst so schnell, dass er manchmal dem, der ihn füttert, in den Finger zwickt. Seltsamerweise wusste er genau, wenn wir ihm seinen Toast bereit machten. Dann stand er auf und wedelte freudig mit dem Schwanz. Wir konnten nicht herausfinden, wieso er wusste, wann wir uns und wann wir ihm einen Toast strichen. So freute sich unser Hund auf jedes gemeinsame Morgenessen. Und blieb mal kein Toast übrig, kamen wir in Versuchung, ihm extra eine Brotscheibe zu rösten.

Dieses Warten auf seinen Toast schien für ihn ebenso spannend zu sein wie Spazieren oder Spielen. So ging das längere Zeit, als meine Tochter eines Tages fragte, wieso ich, wenn ich früher zur Arbeit musste, ihr keinen Toast mehr machen würde. «Der Tisch ist leer, hie und da steht ein Glas Milch drauf, meistens aber nur ein leeres Glas!» Wir schauten beide Tasso an. Er lag in seinem Bettchen und erwiderte unseren Blick ganz besorgt. «Tasso, was machst du morgens, wenn ich das Haus verlasse und das Toastbrot für die Kinder auf dem Tisch lasse?» Beim Wort «Toast» stand er sofort auf, setzte sich vor mich hin und rannte danach zu seinem Napf in die Küche. «Der nächste Hund wird so kurze Beine haben, dass er nicht auf den Tisch gucken kann», meinte ich lachend, während Tasso vor seinem leeren Napf stand und wartete.

(Coopzeitung Nr. 02/2013)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Donnerstag 03.01.2013, 11:31 Uhr

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