«Komm meiner Pfote ja nicht zu nahe, sonst setzt es Hiebe!»

Pfote? Nichts da!

Eine Katze hat eine entzündete Pfote. Doch natürlich will sie von einer Behandlung nichts wissen. Sie muss quasi mit Nachdruck zu ihrem Glück gezwungen werden.

Die fauchende Katze hielt ihre rechte Vorderpfote hoch. Aber nicht, um sie mir zu zeigen. Sie war dick geschwollen. Ich versuchte vorsichtig zu schauen, was los war, doch das Tier liess mich nicht. Sofort schlug es mir die Krallen der gesunden Pfote in meine Hand. Auch weitere Versuche, die Pfote zu untersuchen sowie Fieber zu messen, scheiterten. Der Besitzer konnte sie ebenfalls weder beruhigen noch anfassen. So versuchte ich sie in Narkose zu setzen. Auch dies war nicht so einfach und endete damit, dass wir die nun wirklich böse gewordene Katze in einen kleinen Käfig sperrten, um ihr die Spritze durch die Gitter zu setzen.

Während der Narkose hatte ich genügend Zeit, die Pfote anzuschauen. Sie war dick geschwollen und eitrig. Die Katze hatte versucht, sich mit Lecken zu heilen, doch davon waren nur die Haare ausgefallen. Ich fand weder eine Abszesshöhle, die ich spalten konnte, noch eine offene Wunde oder einen Fremdkörper. So band ich die Pfote dick mit einer Spezialsalbe ein. Da ich ahnte, dass sie nicht gerne Tabletten schlucken würde, erhielt sie eine Antibiotikaspritze.

Am nächsten Tag war der Verband weg und die Pfote immer noch dick. Nichts hatte geholfen. Die Pfote sah noch schlimmer aus, denn die Katze hatte sich beim Versuch, den Verband abzunehmen, noch weiter verletzt. «Eigentlich sollte man diese Pfote täglich baden und sie ohne Verband lassen können, doch ich glaube, sie wird die Baderei nicht akzeptieren.» Zur Bestätigung meiner Worte fauchte sie mich mit funkelnden Augen an.

Also musste sie täglich vorbeikommen, um in Narkose ihre Pfote behandeln zu lassen. Jedes Mal gab es zuerst den kleinen Käfig, dann die Narkose. Am dritten Tag hatte der Besitzer Mühe, sie einzufangen. Ich behielt sie in der Praxis, was uns eine tägliche Raubtiernummer bescherte, wenn wir sie für ihre Spritze in den kleinen Käfig sperrten. Aber die Pfote wurde nicht besser. Doch es zeichnete sich ein Abszess ab, den wir spalten und spülen konnten.

Dann endlich schwoll die Pfote ab und die Katze belastete sie wieder. Einzig die offene Wunde über dem alten Abszess musste noch immer gereinigt werden. «Ich gebe sie Ihnen nach Hause», sagte ich zum Besitzer. «Sie müssen einfach versuchen, ihre Pfote immer wieder zu baden und ihr auf alle Fälle die Medikamente geben. Täglich eine Tablette.» Der Besitzer schaute mich unsicher an. Auch er hatte Mühe mit seiner Katze gehabt.

Nach einer Woche erhielt ich ein Telefon. «Die Pfote ist wieder gut. Endlich!» Ich fragte nach den Tabletten und dem Pfötchenbaden. «Die ersten zwei Tage liess sie sich verarzten. Dann hatte ich keine Chance mehr. Die Katze verschwand immer oder liess das Futter mit dem Medikament stehen!» Zum Glück konnte man sie erst dann absolut nicht mehr behandeln, als sie geheilt war!

(Coopzeitung Nr. 03/2013)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Gettyimages
Veröffentlicht:
Montag 14.01.2013, 00:00 Uhr

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