Aktionismus

(K)eine Schnäppchenjagd zum Jahresbeginn.

Sybil Schreiber: Unser nettes, kleines Radio hat den Geist aufgegeben. Ein unschöner Zustand, denn mir fehlen die vertrauten Stimmen der Moderatoren, die Musik und die Nachrichten.
Das Radio steht in der Küche und leistet mir im Alltag oft Gesellschaft. Doch jetzt herrscht totale Funkstille. Alt war das Gerät nicht.
Wie ärgerlich, dass heute alles schneller kaputtgeht. Ich stamme aus einer Familie, in der die Geräte über Jahrzehnte im Einsatz waren und immer wieder repariert wurden – unsere Waschmaschine, der Geschirrspüler, diverse Bohrmaschinen.
Aber diese Zeiten sind wohl vorbei und ich werde uns ein neues Radio kaufen. «Nein, das tust du nicht», sagt Schneider. – «Ach, ja?» – «Du schaust wieder nur auf den Preis! Aber ich will was Gescheites, kein Billigangebot!»
«Der Herr versteht etwas von Radios?»
«Ich kümmere mich drum!», schliesst Schneider.
Später erzählt mir die Grössere aufgebracht: «Der Papa hat richtig geschimpft, weil du immer behauptest, dass auch billige Sachen etwas wert sind.» – «Stimmt das, Mama?», fragt die Kleinere.
«Aber ja, Liebes», sage ich und behalte für mich, dass Schneider schon oft Dinge gekauft hat, die teuer, aber trotzdem rein gar nichts wert waren.

Steven Schneider: Erstaunlich, wie sehr man sich an Stimmen gewöhnt. Es erscheint mir ganz seltsam, in einer mucksmäuschenstillen Küche zu stehen, in der kein Radio läuft.
Und jetzt, da das von Schreiber besorgte alte Gerät – sofern fünf Jahre reichen, um alt zu sein – nur noch schnarrt statt schön klingt, muss ich unbedingt vor Schreiber ein neues Gerät beschaffen.
Denn wenn sie, die Schnäppchenjägerin, irgendwo ein Sonderangebot sieht, schlägt sie zu.
Stets in der Illusion, dass sich der billige Preis trotzdem in hoher Qualität, Robustheit und Langlebigkeit niederschlägt. Blödsinn. Im Preis runtergesetzt werden Ladenhüter. Und ich will keine Ladenhüter.
«Kann ich Ihnen helfen?» Ich blicke den Verkäufer an und erkläre ihm mein Anliegen. Sein Fachwissen scheint mir sehr gross zu sein, denn ich verstehe so gut wie gar nichts von dem, was er sagt. Immerhin macht er mir klar, dass alle Geräte in meinem Budgetrahmen absolut geeignet seien für Küchen.
«Sagen Sie mir doch einfach, welches Sie nehmen würden», bitte ich ihn schliesslich. «Ganz klar: dieses Teil hier», er zeigt auf eines im hübschen Holzdekor-Stil.
«Und das Beste», fährt er fort: «Es ist grad in Aktion!»

(Coopzeitung Nr. 03/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 11.01.2013, 11:11 Uhr

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