DAB für Deppen

Sie leitet an, und er ist bedient.

Steven Schneider: Ich rege mich fürchterlich auf: Das neue Radio hat einen mieseren Empfang als das alte! Was hat mir dieser Typ im Laden bloss verkauft? Einmal mehr bewahrheitet sich: Sonderangebote lohnen sich letztlich nie! Und einmal mehr bin ich darauf reingefallen! Wenn bloss Schreiber nicht dahinterkommt, denn ihr predige ich andauernd, sie solle die Finger von Aktionen lassen.
Und jetzt bin ich es, der eine Menge Zeit verliert, um das Ding umzutauschen.
Als ob Schreiber meine Gedanken lesen könnte, sagt sie: «Langsam, langsam», greift in die Schachtel und erklärt: «Hier ist sie, die Bedienungsanleitung.»
Bedienungsanleitung? Ich kann ja wohl noch ein Radio einstöpseln, ohne dass ich nachlesen muss, was der Stecker ist, oder? Ich drücke weiter an Knöpfen, als Schreiber sich neben mich drängt und sagt: «Darf ich?»
Widerwillig weiche ich, schaue zu, wie sie – was sich als hoffnungslos erweisen wird, – ebenfalls wahllos Knöpfe drückt.
Dann passierts: kein Rauschen mehr, kein Schnarren, nur noch glockenheller Klang.
«Das Radio war im UKW-Modus», sagt sie, lächelt, reicht mir die Gebrauchsanleitung und säuselt: «Jetzt ist es DAB. Kannst alles hier drin nachlesen.»

Sybil Schreiber: Schneider steht in der Küche, vor ihm liegt eine Kartonschachtel. Er grinst, reisst forsch die Verpackung auf und verkündet stolz: «Das ist ein DAB-Radio.»
«Ein was?»
Schneider gibt keine Antwort, sondern reicht mir einen Umschlag: «Die Garantiezettel sammelst du doch jeweils.» Stimmt, im Gegensatz zu ihm hebe ich sie jahrelang auf.
Dann steckt er das Radio, ruckzuck, ein.
Es bleibt still.
Mein Mann murmelt vor sich hin, hebelt an Schaltern, das Radio rauscht nun immerhin und Schneider seufzt.
«Hat das Ding keine Antenne?», frage ich. Schneider würdigt mich keines Blickes, zieht die Antenne heraus, richtet sie nach links, nach rechts und drückt erneut auf die Knöpfe.
In der Ferne der Funkwellen höre ich etwas wie eine Melodie. Dann haut Schneider auf den Tisch und faucht: «Im Laden haben sie behauptet, der Klang sei kristallklar!» Seine Stimme kratzt: «Blödes Billigteil!»
Habe ich richtig gehört? Billig? Schneider kauft doch stets nur Qualität – behauptet er zumindest.
Ich freu mich still in mich hinein. Ruhig und mit dezent lehrerhaftem Unterton sage ich, was ich in solchen Fällen immer sage: «Versuch es doch mal mit der Bedienungsanleitung!»

(Coopzeitung Nr. 04/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Donnerstag 24.01.2013, 18:32 Uhr

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