Festplatte voll

Er vergisst schnell, sie reagiert schnell.

Steven Schneider: Ich öffne die Krimskrams-Schublade in der Küche, wühle ein bisschen herum, da läuft im Radio ein Song von Milow. Welch fantastischer Musiker!
Sofort tauchen Bilder auf vom vergangenen Herbst, als wir den belgischen Sänger in Basel live gehört haben. Ich war sehr beeindruckt. Auch von seiner Band. Grossartig, wie gut die spielten!
Während ich weiter in die Schublade starre, frage ich mich, wie jemand so begabt sein kann: texten, komponieren, eine Band leiten und sich dann auch noch gleich selber vermarkten ...
Der ist gut, richtig gut! Ausserdem sieht er sympathisch aus und hat kaum Haare, wie ich.
Schreiber zückte damals gleich ihr iPhone, um ihn zu fotografieren. Witzig. Früher hielten wir an den Konzerten brennende Feuerzeuge in die Höhe, heute sind es Handys. Ich wühle weiter.
Unsere Schublade ist proppenvoll. Was sich da ansammelt! Was ist denn das? Ich greife nach einer kleinen neuen Taschenlampe. Leuchtet sie? Ich drücke auf einen Knopf. Tatsächlich. Ich drücke erneut und das Licht beginnt zu blinken.
Alarmiert höre ich Schreiber rufen: «Hast du es gefunden?» Gefunden?
Mist. Ich habe keine Ahnung mehr, wonach ich überhaupt suche.

Sybil Schreiber: Wirr stöbert Schneider in unserer Alltagsschublade herum. Ich gebe ihm einen Tipp: «Die liegen hinten links, unter den Batterien.»
«Die? Was die?» Schneider blickt erstaunt. «Na, die Juniorkarten!», erinnere ich ihn.
«Schon vergessen? Wir fahren im Zug mit den Kindern ein paar Dörfer weit und wandern am Fluss zurück. Du wolltest die Abos suchen, während ich den Rucksack packe.»
Er stutzt, erinnert sich und sagt: «He, weiss ich doch!»
«Dann bin ich ja beruhigt!» Bin ich in Wahrheit aber nicht, denn in letzter Zeit vergisst er dauernd was. Muss ich mir Sorgen machen? Ist seine Vergesslichkeit alarmierend?
Auf dem Weg zum Bahnhof fällt mir plötzlich ein: Ich habe das Taschenmesser daheim liegen lassen! Dabei hielt ich es schon zwischen den Fingern. Wer ist da schon wieder vergesslich? Ich oder er?
In diesem Augenblick sagt Schneider: «Mist, ich habe die Wanderkarte vergessen. Muss nochmals zurück. Meine Festplatte ist einfach zu voll.» Kenn ich.
Beiläufig sage ich: «Dann bring doch das Taschenmesser bitte mit. Es liegt auf dem Tisch.
Er schaut mich erleichtert an, und bevor er losspurtet, meint er: «Du denkst aber wirklich auch an alles!»

(Coopzeitung Nr. 05/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 28.01.2013, 00:00 Uhr

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