Die Solistin

Sie hat eine Liste, die ihm die Lust

Sybil Schreiber: Ich gehe die Liste im Kopf durch: Skiausrüstung – ja, Fotoapparat – ja; Kochutensilien – ja. Aber Bücher, Spiele und Hausapotheke fehlen.
Noch eine Stunde bis zur geplanten Abreise. Das wird knapp. Und was für ein Aufwand wegen ein paar Tagen im Schnee!
Da sehe ich auf einmal, wie Schneider den Müllsack zuschnürt und hinausträgt. Auch das noch! Grundregel Nummer eins lautet: Als Letzter verlässt der Müllsack das Haus! Weiss er das nicht?
Wir haben so komplett verschiedene Strategien, es könnte jederzeit krachen. Es knistert schon gewaltig. Doch dafür ist gar keine Zeit.
Der Hausschlüssel muss noch zu den Freunden, die sich um die Kater und Mäuse kümmern. Oh, wir haben ja kein Futter mehr. «Kinder, könnt ihr rasch einkaufen gehen?»
Unterdessen beginnt Schneider das Wohnzimmer staubzusaugen und pfeift, was mich noch nervöser macht. Dabei muss ich unbedingt eine Geburtstagskarte für eine Freundin schreiben.
Hoppla, schon halb zwölf. Das wird eng. Mein Endspurt durchs Haus beginnt: Rollläden runter, Zeitschaltuhr an, Stecker raus, Heizung auf Ferienmodus.
Um halb eins sitzen wir endlich im Auto. «Geschafft», sage ich. Und meine damit vor allem – mich.

Steven Schneider: Schreiber besteht darauf, die Ferienabreise zu koordinieren. Dabei tut ihr das gar nicht gut: Sie rast durchs Haus, schnaubt hier, schimpft dort, schreibt hektisch einen Brief und sucht noch hektischer nach dem passenden Couvert.
Es ist wie immer: Sie erledigt alles auf den letzten Drücker. Und wenn ich bis zur Abfahrt noch nicht ferienreif bin, bin ich es garantiert danach.
«Wieso machst du keine Liste?», frage ich. «Ich habe eine Liste.»
«Kann ich die sehen?»
«Die ist in meinem Kopf!»
Warum, frage ich mich, notiert sie nicht am Tag zuvor alle Dinge, die zu erledigen sind? Mit klaren Einsatzanweisungen verliefe alles in geordneten Bahnen. Hätten wir ein System, führen wir gut gelaunt in die Ferien.
Stattdessen zieht Schreiber ein Soloprogramm ab, sagt mal nichts, mal das, gegenüber mir zudem in zunehmend schärferem Ton, was zu noch schlechterer Laune führt.
Ausserdem gibt sie mir das Gefühl, alles falsch zu machen. Mein Projekt zum Beispiel, den Müll rechtzeitig rauszutragen, quittiert sie mit einem wütenden Blick.
Das Beste wäre, ich würde gar nichts machen – dann kann ich auch nichts falsch machen. Nur: Dann bekämen wir erst recht richtig Krach.

(Coopzeitung Nr. 06/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 04.02.2013, 00:00 Uhr

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