Verlockendes Glitterzeugs. «Was wohl passiert, wenn ichs fresse?» Nichts Gutes!

«Gut gemacht Spike!»

Ein Teenager bringt einen Kater in die Praxis. Das Tier hat Magenprobleme und seine junge Halterin kein Geld, um die Behandlung zu bezahlen – denn das braucht sie für andere Dinge.

Mit meiner Katze stimmt etwas nicht.» Der Teenager schaute mich kritisch an. Auf dem Tisch schnüffelte ein schöner, aber frecher Kater herum, das Mädchen streichelte ihn liebevoll. «Spike ist sonst immer so lebhaft und verfressen, jetzt liegt er nur rum und frisst schlecht». Ich untersuchte die Katze und fand nichts. Keine Halsschmerzen, kein Fieber, die sie so müde machen könnten. Beim Palpieren des Bauches hatte ich das Gefühl, dass es Spike unangenehm war. Doch der Teenager meinte, Spike lasse sich nie gerne am Bauch anfassen. «Er will respektvoll behandelt werden. Er würde beissen, wenn …» Und schon war es passiert. Ich rieb meine Hand. Nein, Spike mochte es definitiv nicht, ungefragt am Bauch angefasst zu werden.

«Um Spike genauer abklären zu können, müsste ich sein Blut anschauen und ihn eventuell sogar röntgen.» Dann sprachen wir über allfällige Kosten. Das Mädchen machte grosse Augen. «Ich muss Spike mit meinem Sackgeld durchfüttern.» Spike rieb sich an seiner Besitzerin. Man merkte, dass die beiden gut miteinander auskamen. «Neben meinem Handy, meinen Kleidern und dem Ausgang reicht es kaum für sein Futter. Weitere Kosten sind unmöglich!» Ich sprach noch mit ihr über die Notwendigkeit, bei einem Haustier etwas Erspartes zu haben, doch da ich auf taube Ohren stiess, schickte ich den Teenager mit einem unterstützenden Medikament für Spike nach Hause. Und dem Rat, das finanzielle Problem irgendwie zu lösen.

Am nächsten Tag hörte ich eine verweinte Stimme am Telefon: «Spike gehts schlechter! Jetzt frisst er gar nichts mehr!» Mir war es gar nicht wohl. Ich erklärte dem Teenager, was Spike jetzt brauchte und schlug eine Ratenzahlung vor. «Abzahlen?», antwortete sie. «Geht nicht, ich bin Ende Monat immer blank. Auf etwas verzichten? Nein, ohne Handy und ohne Ausgang kann ich nicht leben!» – «Und ohne Spike?», fragte ich etwas gereizt.

Ich hörte ein paar Tage nichts mehr von Spike. Dann kam wieder ein Telefon. «Spike hat gestern begonnen, sich zu erbrechen. Dabei sah ich, dass er Lametta erbrach. Er muss vom Weihnachtsschmuck etwas erwischt haben!» Mir fiel ein Stein vom Herzen. Der Teen-ager erzählte weiter: «Jetzt ist er wieder fit! Und ich muss beginnen, etwas auf die Seite zu legen. Spike hat es verdient, dass ich ihm helfen kann, wenn es ihm schlecht geht!»

«Gut gemacht Spike!», dachte ich. Was hast du deinem Teenager alles beigebracht! Respekt und den Umgang mit Geld. Ganz zu schweigen von dem Gefühl der Geborgenheit.

(Coopzeitung Nr. 06/2013)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 04.02.2013, 00:00 Uhr

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