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Tierfriedhof Wisenberg

Auf vier Pfoten in den Himmel

Für immer Abschied nehmen vom geliebten Vierbeiner. Das ist einer schwierigsten Momente für Frauchen und Herrchen.

Mit dem Verlust um das treue Büsi oder Hundi stellen sich auch wichtige Fragen: Was passiert eigentlich mit meinem Tier? Kann ich das Wesen, das mir so ans Herz gewachsen ist, würdevoll bestatten? Wie und wo geht das überhaupt? Darüber sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen, auch wenn die Beerdigung von Hund und Katz' meist noch immer ein Tabuthema in der Schweiz ist. Im ersten Teil der Artikelreihe „Auf vier Pfoten in den Himmel“ stellen wir den ersten Tierfriedhof der Schweiz vor, im nächsten Artikel folgen hilfreiche Adressen und Tipps.

Ein echtes Tier-Paradies

Ein buntes Windrad dreht sich flüsternd. Daneben ein kleiner Teich, der ringsum mit Seerosen bewachsen ist. Kieswege schlängeln sich durch die grüne Oase am Wisenberg, in der es im Sommer so herrlich duftet. Denn überall wachsen üppige Rosenstöcke in allen Formen, Farben und Grössen. Das traumhaft schöne Idyll, in dem Marlies Mörgeli arbeitet, ist buchstäblich ein Paradies: Hier finden Heimtiere ihre letzte Ruhe. Wer genau hinsieht, entdeckt ovale Holzschildchen, die in kleinen, mit Blumen bepflanzten Beeten stecken: „Charlie Brown“, „Lumpi“, „Samba“, „Pixi“ und viele weitere Vierbeiner ruhen hier. Der Tierfriedhof am Wisenberg, einer ehemaligen Industriebrache, ist zugleich der grösste Rosengarten in der Region um Läufelfingen in Basel-Land. In dem kleinen Biotop, das die Mörgelis in tausenden von Arbeitsstunden geschaffen haben, finden inzwischen auch seltene Tierarten wie die Geburtshelferkröte und kleine Eidechsen ein geschütztes Zuhause. „In diesem Stückchen Natur sind der Tod und das neue Leben ganz nah beieinander“, beschreibt Marlies Mörgeli ihr Lebenswerk. Vor fast zwölf Jahren hat sie mit ihrem Mann Urs den ersten Tierfriedhof in der Schweiz gegründet.

„Dankeschön für eine schöne Zeit“

„Zwei Jahre lang dauerte die Vorarbeit, dabei haben wir uns auch den ältesten Tierfriedhof der Welt in Paris angesehen und Dutzende in Deutschland, wo es schon lange Tierfriedhöfe gibt“, erzählt Mörgeli. Der Tod ihres eigenen Hundes brachte die Baselerin und den Züricher auf die ungewöhnliche Idee: „Als unser Seppli im Jahr 2001 starb, stand für uns fest, dass er wird nicht einfach zusammen mit gefährlichen tierischen Abfällen geschreddert, gekocht und zu Tiermehl verarbeitet wird. Wir wollten ihn auch nicht kremieren, sondern an einem schönen Ort beisetzen“, erinnert sie sich und ergänzt: „immerhin war Seppli 15 Jahre lang Mitglied unserer Familie, mit ihm haben wir stundenlange Wanderungen im Wallis und im Berner Oberland gemacht.“ So bekam der kleine Yorkshire einen Ehrenplatz mit einem kleinem Denkmal - „als Dankeschön für eine schöne Zeit“.

Im Körbchen oder im Sarg

Mittlerweile ruhen rund 1000 Vierbeiner in der Nachbarschaft von Seppli. Drei Viertel davon sind Büsis, gefolgt von Hunden und Kleintieren wie Frettchen und Kaninchen; sogar ein Schweinchen und ein Pony sind dabei. „Von unseren rund 100 Beerdigungen im Jahr wünschen die Tierhalter zu 98 Prozent eine Erdbestattung“, berichtet Marlies Mörgeli. In einem Einfachgrab wird der kleine Liebling zur letzten Ruhe in sein Körbchen oder seine Lieblingsdecke gebettet. Ein solches Grab kostet für Hunde je nach Grösse zwischen 470 und 1.010 Franken, inklusive Holzschild und drei Jahre Miete für die Grabstätte. Die Preisliste auf der Website weist keine Gewichtsklassen aus: „Bei uns gibt es keine Angaben in Kilogramm, da geht es doch um ein Hundi oder Büsi und nicht um ein Stück Fleisch wie beim Metzger“, betont die Tierbestatterin. Bei einem Exklusivgrab wird das Tier in einem Holzsarg beigesetzt. Auf dem Wisenberg gibt es auch Anonym- und Urnengräber.

Auch Gräber für Herrchen und Hund

Sogar drei Mensch- und Tier-Gräber sind im Paradies von Mörgelis zu finden – bislang eine Einzigartigkeit in der Schweiz. „Es gibt Menschen, die sich eine naturnahe, freie Art der Bestattung wünschen“, weiss Marlis Mörgeli. Das seien meist Menschen, die sich mit dem Tabu-Thema Tod auseinander gesetzt hätten. Dank der liberalen Gesetzgebung in der Schweiz sei dies - im Gegensatz zum Nachbarn Deutschland – hierzulande auch möglich. „Man kann zu Lebzeiten bestimmen, wo die Asche einmal beigesetzt werden soll: auf dem öffentlichen Friedhof, im eigenen Garten, in einem Friedwald oder eben auf unserem Tierfriedhof in Läufelfingen - zusammen mit seinen geliebten Vierbeinern“, informiert sie. Ein Platz, den man sich schon zu Lebzeiten aussuchen und reservieren kann, ist ab 4.900 Franken zu haben.

Bewusst Abschied nehmen ist wichtig

Die Mörgelis tragen aber nicht nur Sorge für ihren Friedhof, sondern begleiten Herrchen oder Frauchen auf Wunsch auch zum Tierarzt, wenn der letzte Gang ihres Vierbeiners bevorsteht, und organisieren die gesamte Bestattung. Wer noch einmal in Ruhe Abschied von seinem Tier nehmen will, kann das in einem kleinen Trauerraum tun, in dem das Heimtier aufgebahrt wird. „Sich auf diesem Weg zu verabschieden, ist vor allem für Kinder und Jugendliche wichtig, für die das Tier ein wichtiger Begleiter in der Kindheit und Jugend war“, betont Marlies und fügt hinzu: „Kleine Rituale, wie zum Beispiel einen Brief zu schreiben oder ein Bild zu malen, das man dem Tier ins Körbchen legt, erleichtern die Trauer.“

Ein Ort der Trauer und der Begegnung

Wer mag, kann anschliessend im liebevoll eingerichteten Kaffeestübchen verweilen, einer ehemaligen Transformatoren-Station, bevor er sich auf dem Rückweg macht – in einen anderen Schweizer Kanton, nach Deutschland oder nach Frankreich. Viele der Herrchen und Frauchen, die für ihren Liebling ein Grab am Wisenberg haben, kommen oft und gerne wieder, lernen dort andere Tierbesitzer kennen und kommen ins Gespräch. So ist der erste  Tierfriedhof der Schweiz auch ein Ort der Begegnung, an dem auch Hunde herumtollen dürfen.

Mehr über den Tierfriedhof am Wisenberg gibt es unter:

www.tier-friedhof.ch

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Susanne Reininger

Tierexpertin

Foto:
zVg
Veröffentlicht:
Donnerstag 14.02.2013, 09:11 Uhr

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