Die Vase aus Prag

Sie plädiert für Respekt, was ihm gleich nützt.

Sybil Schreiber: Beim letzten Vortrag über Erziehungsfragen, den ich besucht habe, ging es um Freiraum, Grenzen, Liebe: Drei Zutaten, die eine gute Erziehung ausmachen. Sehr einleuchtend.
Damit auch Schneider davon profitiert, erzähle ich ihm anderntags davon: «Also, stell dir vor, eine Freundin kommt zu Besuch. Sie passt nicht auf und schmeisst die alte blaue Vase aus Prag vom Tisch. Was dann?»
«Die Vase zerspringt.»
«Logisch. Aber wie reagieren wir?»
«Wie? Nun, äh, normal halt.»
Ich nicke: «Genau. Normal. Ich würde zu ihr sagen: «Ach, ist nicht so schlimm, kann jedem passieren.» Und jetzt nochmal die gleiche Situation, aber diesmal mit unseren Kindern. Wie reagierst du dann?»
Er denkt nach. Ich helfe ihm: «Du lächelst nicht wie bei meiner Freundin, sondern du schimpfst.»
«Das würdest du aber auch machen», sagt er.
«Stimmt», beschwichtige ich ihn und ziehe Bilanz: «Man sollte öfter mit den Kindern so reden wie mit einer guten Freundin. Wenn die meine Lieblingsblumenvase aus Versehen kaputt macht, dann brülle ich sie ja auch nicht an und sage: «Echt, du bist so ein Schussel!»
Er blickt mich an, zögernd fragt er: «Und zu welcher Kategorie zählen Männer? Freund oder Kind?»

Steven Schneider: Schreiber bildet sich erziehungstechnisch gerne weiter. Sie kommt stets ganz angeregt von Vorträgen nach Hause und wir tragen dann die Konsequenzen. Nach ihrem: «Sicherheit im Netz»-Workshop verschlüsselte sie den Internet-Zugang derart sicher, dass ich nicht mal mehr die Sportresultate lesen konnte ohne Eingabe eines Passwortes. Und sie hatte natürlich vergessen, mir dieses mitzuteilen.
Diesmal ging es im Vortrag um Liebe, Anteilnahme und Respekt.
Find ich gut. Es ist hilfreich, neue Anstösse von aussen zu bekommen.
Schreiber doziert: «Natürlich ist das ganze Respekt-Thema auch zwischen Erwachsenen eine wichtige Sache. Ist der Respekt mal weg, ist vieles kaputt. Da sollte man schon achtgeben.»
«Und deshalb sollte man vieles auch nicht so ernst nehmen», ergänze ich.
«Vor allem sich selber nicht», lächelt sie.
«Es wird längst nicht alles so heiss gegessen, wie es gekocht wird», zitiere ich eine Redensart.
«Genau, meist ist alles nur halb so schlimm», lächelt Schreiber.
Ich räuspere mich: «Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um dir zu sagen, dass mir dein Fotoapparat runtergefallen ist und die Linse einen Sprung hat. Tut mir leid, war ein Versehen.»

(Coopzeitung Nr. 08/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Donnerstag 14.02.2013, 17:16 Uhr

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