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Sie will ihn retten – doch ihm geht es bestens

Sybil Schreiber: Was macht man mit einem Mann, der 2000 Kilometer entfernt in Schottland flach liegt?
Retten!
Ich muss zu ihm, so schnell wie möglich. Er sagte vor ein paar Stunden am Telefon, dass noch abgeklärt wird, was er genau habe. Sitzen könne er gar nicht, nur knapp gehen und am besten wäre liegen. Der Ärmste! Ich muss ihn holen: Hinten in unserem Van könnte ich ein Matratzenlager für ihn einrichten. Bei Google-Map schaue ich mir rasch die Strecke an. Bad Zurzach– Flodygarry: 23 Stunden im Auto.
Ups!
Ich suche Flüge heraus, doch bereits beim Gedanken ans Abheben flattern meine Nerven vor Flugangst. Also, fliegen tu ich wirklich nur im Notfall. Was ja jetzt der Fall wäre ... Nein, es muss doch eine andere Lösung geben. Ich könnte einen Krankenwagen organisieren, der ihn zurück in die Schweiz bringt. Genau! Bloss, wenn ich daran denke, dass Schneider vor Jahren mal die Achillessehne zusammennähen lassen musste und die Ambulanz ins zehn Minuten entfernte Spital 400 Franken gekostet hätte, dann wird das unbezahlbar. Wir haben damals ein Taxi für 20 Franken genommen, das uns die Kasse dann nicht bezahlt hat.
Taxi?
Ich hole meinen Liebsten zurück! Koste es, was es wolle!

Steven Schneider: Vollgepumpt mit Morphium, liefert man mich im winzigen Krankenhaus von Portree auf der Hebrideninsel Skye ein. Die beiden gut gelaunten Pfleger fahren mich auf einer rollenden Bahre ins Notfallzimmer. Dort checkt mich eine fröhliche Krankenschwester durch, bevor mich der freundliche Arzt eingehend untersucht. Kein Bandscheibenvorfall, Gott sei Dank!
Ich liege da, bis eine nette Physiotherapeutin kommt und mir erklärt, wie ich mit den Schmerzen umgehen soll und welche Übungen mir helfen.
Danach darf ich in ein anderes Krankenzimmer mit Aussicht aufs Meer, kriege eine leckere Karottensuppe, zwei Käsebrote und eine Extraportion Valium, weil das Morphium langsam nachlässt. Mit dem zurückkehrenden Realitätssinn beginne ich mich zu fragen, wer das alles bezahlt. Als der Arzt mir Medikamente bringt, frage ich ihn deshalb, wie wir das finanziell regeln können. Er lächelt, schüttelt den Kopf und sagt: «Kostet nichts.»
«Und die Tabletten?»
«Nichts.»
Na, da geht es einem doch gleich besser! Ich spende zehn Pfund – und kriege als Dank dafür vom ganzen Personal ein herzliches Lächeln und drei Handtücher mit dem Aufdruck: «Freund vom Portree-Hospital». Bin ich doch noch irgendwie auf Drogen?

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 23.09.2011, 14:23 Uhr

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