Die Grosseltern als Babysitter

Gut betreut. Grossmutter und Grossvater betreuen ihre Enkel oft liebevoll und engagiert. Das gilt auch für Grosseltern, die selbst noch im Berufsleben stehen.

Grossmutter und Grossvater betreuen ihre Enkel oft liebevoll und engagiert. Das gilt auch für Grosseltern, die selbst noch im Berufsleben stehen. Text: Isabella Visetti foto: Sandro Mahler Gabriella und Alberto Trevisani aus Lugano sind die Grosseltern von Francesco, der im Oktober sechs Jahre alt wird, und von Lorenzo, viereinhalb Jahre. Wie viele moderne Grosseltern, arbeiten sie noch und haben sich eine gewisse Jugendlichkeit bewahrt. Alberto ist Architekt mit eigenem Büro, in dem auch seine Frau und die Tochter arbeiten. Obwohl sie noch voll im Berufsleben stehen, haben sie nicht gezögert, die Rolle der Grosseltern anzunehmen und damit das Vorurteil zu widerlegen, dass Beruf und Zeit für die Enkel schwer zu vereinbaren wären. «Ich denke, dass genau das Gegenteil stimmt: Wer immer gearbeitet hat und noch berufstätig ist, kann sich gut organisieren, seine Zeit einteilen und Prioritäten setzen – einfach, weil es für ihn ganz normal ist», sagt Gabriella Trevisani.

So habe sie immer Mittagessen gekocht, obwohl sie vormittags arbeitet, weil ihr Mann gerne zum Essen nach Hause komme. Deshalb habe sie auch kein Problem damit, für die Enkel zu kochen. In ihrer Rolle als Oma fühlt sie sich sehr wohl. «Als sie noch kleiner waren und in die Krippe gingen, habe ich die freien Stunden übernommen. Jetzt, wo der Kleinere in den Kindergarten geht, hole ich ihn nach Feierabend um 15.30 Uhr ab. Den Älteren, der dieses Jahr in die Primarschule gekommen ist, hole ich zum Mittagessen ab und dann wieder nach Unterrichtsende um 16.30 Uhr. Dann ist er bis 18.30 Uhr, wenn meine Tochter Feierabend hat, bei mir.» Sie habe das Glück, dass bei ihr alles gleich um die Ecke liege und dass sie eine sehr gute Freundin habe, die auch einmal einspringe, wenn es doch nicht klappe, sagt Gabriella Trevisani. Bei schönem Wetter geht sie mit ihren Enkeln auf den Spielplatz, und wenn es einmal richtig warm ist, gehen sie ins Schwimmbad.

Gabriella und Alberto Trevisani haben die Rolle der Grosseltern problemlos übernommen und sich schnell an die neuen Anforderungen gewöhnt. Im Sommer fahren sie mit den Enkeln für zwei Wochen ans Meer, und wenn die Eltern abends etwas vorhaben, können die Kinder gerne auch über Nacht bleiben. «Es macht Spass, mit ihnen in die Ferien zu fahren», meint Gabriella. «Wir sind gerne Grosseltern, für uns ist das kein Stress, sondern eine willkommene Abwechslung zum Alltag.» Das findet auch Alberto: «Die Zeit mit meinen Enkeln ist für mich wie eine gute Lektüre; sie gibt mir Kraft und lässt mich die Arbeit vergessen. Ich finde es schön, wenn ich die Beziehung zu meinen Enkeln stärken kann.

In einer Zeit, in der sich Bindungen immer leichter lösen, halte ich die Familie und das bewusste Miterleben des Aufwachsens der Kinder für sehr wichtig. Ausserdem möchte ich meinen Enkeln mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben.» Gabriella merkt noch an: «Natürlich sind wir auch mehr in die Erziehung involviert, als das bei Grosseltern der Fall ist, die ihre Enkel nicht so oft sehen.» So müssten sie auf die Einhaltung bestimmter Regeln achten, zum Beispiel, wie lange die Kinder fernsehen dürfen, wie sie sich bei Tisch verhalten und wann sie ins Bett gehen. Als belastend empfindet sie das nicht – im Gegenteil. Sie freue sich auch, durch die Enkel Kontakt zu jungen Müttern zu haben, mit denen sie sonst nicht ins Gespräch kommen würde.

Gabriella ist in ihrem Freundeskreis keine Ausnahme. «Das ist bei allen meinen Freundinnen ähnlich, weil heutzutage fast alle Töchter arbeiten und Unterstützung brauchen. Das prägt den gesamten Alltag, ist ein ganz neuer Lebensabschnitt. Und es ist auch eine Chance, die Verbindung zu den Enkeln zu stärken, die schnell grösser werden. Wenn sie erst einmal gross sind, wird das schwieriger!»Gabriella und Alberto Trevisani mit Francesco (vorne) und Lorenzo.

Coopzeitung: Wie hat sich die Rolle der Grosseltern im Lauf der Jahre geändert?

Willy Pasini: Es gibt Grosseltern, gerade Grossmütter, die sich noch jung fühlen und sich davor fürchten, dass sich ihr Status als Grosseltern auf ihr Liebesleben niederschlagen könnte. Die italienische Schauspielerin Ornella Muti etwa weigert sich, Oma genannt zu werden. Somit ist die Rolle der Grosseltern weniger eine Altersfrage als das Resultat einer freien Entscheidung.

Wie leben Grosseltern mit den neuen Familienmustern?
In der traditionellen Familie hatten die Grosseltern eine Rolle als Oberhaupt, er in der Arbeit und bei den moralischen Wertvorstellungen, sie in der Verwaltung der Lebensmittel. Heute lösen sich die Familien der Kinder und Enkel von den Grosseltern los, insbesondere in Nordeuropa. Viele Grosseltern vereinsamen. In südeuropäischen Ländern hingegen gibt es eine Vermengung der Genera- tionen der über 60-Jährigen und der 30- bis 40-Jährigen. Aber ich glaube nicht, dass dies die Enkelkinder gross beeinflusst; für sie ist Zuneigung wichtiger als das Alter der Eltern und Grosseltern.

Scheidungen können die Beziehung zwischen Grosseltern und Enkeln belasten.
Nach der Trennung ihrer Kinder wollen die Grosseltern weiterhin Kontakt zu ihren Enkeln pflegen. Die Beziehungen bleiben ja trotz der Trennung der Eltern bestehen.

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Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Freitag 23.09.2011, 15:01 Uhr

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