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Mona Petri: «Sie sollen sich an mir reiben»

Mona Petri spielt im Film «Verliebte Feinde» die Rolle der Frauenrechtlerin Iris von Roten. Eine Arbeit, die an ihr nicht spurlos vorübergeht und in ihrem Alltag nachhallt.

Coopzeitung: Wie begehen Sie den 8. März, den Tag der Frau?
Mona Petri: Da muss ich in die Agenda schauen. – Ah, ich habe Probe mit dem Landschaftstheater Ballenberg, wo wir im Sommer Tim Krons sagenhaft schönes Stück «Vehsturz» spielen. Ich weiss nicht, ob ich am «Tag der Frau» je etwas Ungewöhnliches unternommen habe. Ich habe einfach immer gearbeitet ...

Fühlen Sie sich als Frau privilegiert oder benachteiligt?
Ich geniesse vor allem die Situationen, in denen es keine Rolle spielt, welches Geschlecht ich habe. Glücklicherweise ist das oft der Fall. Ich mag das Weibliche und das, was man damit verbindet aber total gerne – jedoch als Möglichkeit und Spielart, nicht als Rollenklischee, das durch die Gesellschaft aufgezwungen wird. Schranken bringen niemanden weiter, sondern verhindern nur, dass jeder seine eigene Persönlichkeit, zu der feminine und maskuline Komponenten gehören, frei entfalten kann.

Wie haben Sie Ihre Selbstfindung in Erinnerung?
Die 80er-Jahre waren paradiesisch. Ich hatte 68er-Eltern und 68er-Lehrer. Deshalb wurde mir der kleine Unterschied erst richtig bewusst, als das Begehren und Begehrtwerden begannen. Als Kind habe ich zwar lieber mit Puppen gespielt als mit Autos, aber ich habe auch Karl May gelesen und bin mit den Nachbarsjungen am Zürihorn auf Bäume geklettert.

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Ich geniesse die Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt.»

Sind Sie selbst nie an Barrieren gestossen?
Doch, doch. Zuerst habe ich mich darüber aufgeregt, dass ich als Mädchen und später als Frau weniger Sachen allein unternehmen konnte: allein im Park schlafen, allein nachts ausgehen oder allein reisen. Aber das hat physische Gründe, die man nicht ändern kann. Als ich Mutter wurde, störte mich, wie argwöhnisch aufgenommen wurde, dass der Vater meiner Tochter eine Babypause einlegte und ich nach der Geburt gleich wieder arbeiten ging. Dabei ergänzten wir uns perfekt!

Woher kommt die Selbstverständlichkeit, mit der Sie die Frauenrechtlerin Iris von Roten in «Verliebte Feinde» verkörpern?
Ich hatte ihr Buch «Frauen im Laufgitter» und Wilfried Meichtrys «Verliebte Feinde» schon gelesen, bevor ich zum Casting eingeladen wurde. Die Rolle ist für mich ein absoluter Glücksfall, da ich mich in ihr teilweise wiedererkenne, sie aber auch Charakterzüge hat, die mir fremd sind. Da stimmt die Balance zwischen dem Sichverbundenfühlen und dem Reiz des Neuen.

Was haben Sie über die grosse Liebe zwischen der radikalen Frauenrechtlerin und dem katholisch-konservativen Walliser Politiker Peter von Roten herausgefunden?
Sie haben viele Hochs und Tiefs erlebt, aber für mich hatten Sie eine Beziehung, die in vieler Hinsicht nachahmenswert ist. Ihre Bereitschaft, voneinander zu lernen, sich immer wieder weiter zu pushen und trotzdem füreinander da zu sein, finde ich vorbildlich.

Dabei hat sich Peter von Roten viel stärker gewandelt als seine Frau.
Stimmt, er fand den Feminismus zuerst eine grausam unappetitliche Angelegenheit. Iris musste ihm alles, was ihn zum Vorkämpfer für das Frauenstimmrecht im Nationalrat machte, über die Jahre mühsam beibringen. Auf der anderen Seite hat Peter ihr das Leben gerettet, da er immer hinter ihr stand: Er besass die Grösse, sie mit offenen Armen zu empfangen, wenn sie erschöpft vom Kampf für die Frauenrechte und ihren erotischen Selbsterfahrungstrips zu ihm zurückkam.

Stellen Sie sich vor, Sie würden als Frau in der Schweiz der 50er-Jahre leben?
Bei diesem Gedanken fröstelt mich. Deshalb bin ich Frauen wie Iris von Roten unendlich dankbar. Wer aus heutiger Sicht ihre kompromisslose und manchmal uncharmante Art kritisiert, sollte nicht vergessen, dass auch sie in diesem langen und einsamen Kampf oft verletzt worden ist.

Iris von Roten schied mit 73 Jahren freiwillig aus dem Leben. Verstehen Sie das?
Sie hat immer gesagt: Wenn ich genug habe, bin ich weg. Und da sie ein wahnsinnig konsequenter Mensch war, hat sie diese Ankündigung wahr gemacht. Das nötigt mir Respekt ab, gerade auch, weil ich mich für den Film «Hello Goodbye» schon einmal mit dem Thema Exit beschäftigt habe und ich nicht selbst über Leben und Tod würde entscheiden wollen. Ich hatte nach der Szene, in der Iris den Strick bereit macht, einen kleinen Zusammenbruch, da mich schon der Gedanke an ihren Selbstmord mitgenommen hat.

Wie hallt eine solche Rolle im realen Leben nach?
Ich versuche, mich mit meinen Ecken und Kanten vermehrt auch meinem nächsten Umfeld zuzumuten. Konflikte mit diesen Menschen versuchte ich wegen meines Harmoniebedürfnisses bisher eher zu vermeiden. Aber nun will ich ihnen die Möglichkeit bieten, sich an mir zu reiben und das als Chance zu sehen – für sie und für mich.

Mona Petri

Beruf: Schauspielerin
Geboren: 16. Dezember 1976 in Zürich als Mona Fueter
Zivilstand: verheiratet mit Schauspieler Jannek Petri, Tochter Anouk (9)
Wohnort: Zürich
Meilensteine: Die Tochter von Flötistin Anna-Katharina Graf und Komponist Daniel Fueter sowie Enkelin von Schauspielerin Anne-Marie Blanc schloss 2001 die Hochschule für Musik und Theater Bern ab. 2003 Schweizer Filmpreis für «Füür oder Flamme» und «Shooting Star» an der Berlinale. 2007 «Hello Goodbye» mit Stefan Gubser.
Aktuell: «Verliebte Feinde» (Kinostart 21. Februar), «Die Heimholung» Theater Rigiblick Zürich (19., 21. und 27.  Juni), «Vehsturz» Landschaftstheater Ballenberg (10. Juli bis 24. August).

Trailer: Verliebte Feinde


Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
"Niezsche und Wagner" von Kerstin Becker (zwecks Rollenstudium)

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Immer noch Pipi Langstrumpf

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Das kommt ganz auf den Bereich an. Beruflich z.B. Gena Rowlands

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
"The Wagner Family" ( ebenfalls zwecks Rollenstudium)

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
"Wer die Nachtigall stört".

Ihr Lieblings-Filmheld?
Idgie in "Fried green tomatoes"

Was für Musik hören Sie gerade?
Element of crime

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Vielleicht Nina Simone ?

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Tom Waits, zum Beispiel.

Was kochen Sie selbst?
Alles. Aber am häufigsten Kaffee

Ihre Lieblingsspeise?
Gschwellti

Ihr Lieblingsgetränk?
Rotwein

Mit wem essen Sie am liebsten?
Verrate ich nicht

Und wo essen Sie am liebsten?
Jedenfalls nicht am Tisch

Mac oder PC?
Da bin ich leidenschaftslos

Auto oder Zug?
Zug

Wein oder Bier?
Schon wieder Rotwein

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Gestern

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Das ist nicht so schwer

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Adler

Wovon träumen Sie?
Vom Ende des Neoliberalismus

Was ist für Sie das grösste Glück?
Mein Kind

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Freitag 22.02.2013, 17:23 Uhr

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