Grenzerfahrungen

Ihre Hälfte ist nicht seine Mitte.

Steven Schneider: In Unterhosen stehe ich vor dem Kleiderschrank. Der ist gross und geräumig. Ist schon einige Jahre her, dass wir ihn gekauft haben, und damals bestimmte Schreiber ziemlich spontan und überzeugt die Mitte.
Schnell stellte ich fest, dass meine Hälfte im rechten Teil des Schrankes ein schmaler Streifen von etwa
80 Zentimetern Breite war. Dazu gabs einige Dezimeter an der Garderobenstange.
«Ich brauche eben mehr Platz», war ihre Antwort auf die Frage, ob sie diese Raumplanung gerecht fände.
Stimmt. Sie hat mehr Kleider als ich, auch wenn das nicht ersichtlich ist: Alle ihre Kleider sehen in meinen
Augen nämlich gleich aus. Die Schuhe übrigens auch: Die sind schwarz, bau-gleich und lagern in hoher Zahl im Schuhregal. Irgendwann standen dann meine Schuhe auf dem Boden, weil sie das Regal voll und ganz beanspruchte.
Diese Grenzverletzung konnte ich erfolgreich beheben, und an der Friedensverhandlung hielt ich fest, dass auch mir Platz zusteht. Ich greife nach der obersten Hose in meinem Jeans-Fach und schlüpfe hinein,
ziehe und zerre und frage mich, warum sie nicht über meine Oberschenkel passt. Ich ahne: Schreiber hat die Grenze erneut überschritten.

Sybil Schreiber: Dass Schneider so fuchsig wird, bloss weil meine Jeans aus Versehen in seinem Fach gelandet sind, finde ich reichlich übertrieben: «Nimm es als Kompliment: Ich dachte, diese schmalen Hosen würden dir passen. Schliesslich bist du am Abnehmen.»
Doch er bleibt muffig, was mich zum Nachdenken anregt: Vielleicht teilen wir mit Arbeit, Familie und Alltag einfach zu viele Dinge. «Ich glaube, wir brauchen mehr Platz!», sage ich spontan.
«Willst du anbauen?»
«Nein, wir trennen mehr. Seit wir zwei Arbeitspulte haben, geht es uns doch auch besser. Vielleicht sollten wir uns zwei Schränke leisten.»
Schneider nickt: «Noch besser wären zwei Zimmer.»
Hoppla, das hat er noch nie gesagt.  Er argumentiert: «Dann könnte ich im Dunkeln schlafen und du mit viel Licht.» Hat was!
«Ich könnte mich friedlich wälzen und du dir deine Füsse eincremen.» Stimmt.
«Wir würden uns am Morgen ausgeschlafen im Gang begrüssen und ich hätte die richtigen Jeans an.» Klingt gut – bloss ist bei uns kein Zimmer übrig.
Da habe ich die zündende Idee: «Wir kaufen uns fürs Arbeitszimmer ein Schrankbett – dann hast du kompakt alles, was du brauchst.»
Und ich habe einen ganzen Schrank für mich allein.

(Coopzeitung Nr. 09/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 01.03.2013, 18:27 Uhr

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