Die Katzenbesitzerin machte ein trauriges Gesicht. «Ich hatte schon so viele Untersuche mit meiner Katze. Nichts hilft und sie hat immer noch Durchfall.»

Heimliches Geknabber

Die Katzenbesitzerin machte ein trauriges Gesicht. «Ich hatte schon so viele Untersuche mit meiner Katze. Nichts hilft und sie hat immer noch Durchfall.»

Auf dem Tisch spazierte eine selbstbewusste Katzendame. Sie schien kräftig und munter. Doch ihre Krankengeschichte war lang.

Angefangen hatte alles damit, dass sie als ganz kleines Kätzchen bereits unter Durchfall litt. Mit viel Geduld und unzähligen Mittelchen konnte die Besitzerin ihr Katzenbaby endlich davon befreien. Mehrere Jahre ging es gut, bis Ella immer mehr zunahm. Sie wurde auf ein anderes Futter umgestellt, worauf sie wieder mit ihrer Verdauung Probleme kriegte. Ein Zurück zum alten Futter war nicht möglich, denn sonst würde Ella noch dicker.

Die Besitzerin seufzte. Sie habe schon das gesamte Futtersortiment durchprobiert. Entweder mochte die Katze das Futter nicht oder es tat ihrer Verdauung nicht gut. Alle verfügbaren Mittelchen und Zusätze vertrug sie schlecht oder aber sie frass ihr Futter dann nicht mehr. Auch gab es mit der Zweitkatze Probleme.

Selbstverständlich wollten diese zwei keine getrennten Futternäpfe. Die eine Katze frass bei der anderen, was sie nicht sollte. Ella war gesund, so, wie sie sich zeigte. Ihr Eigensinn liess eine Blutentnahme nicht zu. Alle anderen Tests waren gut.

«Oh Ella, was machen wir nur mit dir? Was dir guttäte, frisst du nicht, und was du frisst, verträgst du nicht!» Ella rieb ihren Kopf an meinen Arm. Ich behielt sie zwei Tage bei mir und versuchte, sie mit Spezialfutter zu füttern – ohne Erfolg. Lieber würde Ella sich zu Tode hungern, als etwas zu fressen, das sie nicht mochte. Auch ein selbst gekochtes Menü sagte ihr nicht zu. Danach sah ich Ella für längere Zeit nicht mehr.

Bei der nächsten Impfung sprach ich die Besitzerin auf Ellas Problem an. Sie lächelte weise und erzählte mir, dass sie ihre Wohnung umgestellt und eine alte, grosse Zimmerpflanze weggegeben habe. «Ella sass immer darunter auf der Fensterbank, um hinauszuschauen. Seit die Pflanze weg ist, geht es Ella besser!» Tatsächlich schnurrte eine schlanke Ella auf dem Praxistisch.

Offensichtlich hatte sie eine heimliche Vorliebe für diese Zimmerpflanze gehabt. Obwohl nie jemandem ein angeknabbertes Blatt aufgefallen war, musste Ella sich diesem Vergnügen gewidmet haben. «Ella, machst du sonst noch etwas im Verborgenen?», fragte ihre Besitzerin. «Ich hätte mir viel Ärger sparen können, wenn du etwas gesagt hättest.» Doch Ella schwieg und schnurrte.

(Coopzeitung Nr. 09/2013)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Prisma
Veröffentlicht:
Montag 25.02.2013, 18:00 Uhr

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