Sich austoben ist gut, aber Chantal Ritters Patient wurde danach ohnmächtig.

Mehr Power, als ihm guttut

Bozo ist ein sehr lebhafter Boxermischling. Er kann keinen Moment still stehen. Eines Tages jedoch kippt er auf der Spielwiese plötzlich um. Sein Herrchen macht sich Sorgen.

Der quirlige Hund trabte in der Praxis herum. Er sah gar nicht krank aus. Neugierig schnupperte Bozo an allem, klaubte ein heruntergefallenes Guetzli unter dem Untersuchungstisch hervor und schaute immer wieder fröhlich wedelnd zu seinem Besitzer.
Ich beobachtete Bozo und liess mir erzählen, dass er beim Spiel auf der Hundewiese plötzlich zusammengeklappt sei. Als sein Besitzer bei ihm ankam, versuchte er bereits wieder aufzustehen. Er habe wie betrunken gewirkt. Doch kaum hatte der Mann seinen Hund zum Auto getragen, war dieser wieder ganz munter und wollte weiterspielen.
Ich untersuchte ihn und hörte sein Herz ab. Gerade Hunde der Rasse Boxer haben immer wieder Herzprobleme, obwohl die Züchter sich bemühen, gesunde Tiere heranzuziehen. Bozo aber war ein Boxermischling. Vielleicht hatte er diese angeborene Herzerkrankung? Doch auch nach langem Horchen war alles in Ordnung. Kein Rauschen und keine ungewöhnlichen Pausen deuteten auf ein Herzproblem hin.

Jetzt musste Bozo mitsamt seinem Besitzer einmal ums Haus laufen. Auch danach hörte ich nichts Aussergewöhnliches an seinem Herzen. Bozo war munter und wollte spielen. «Jetzt müssen Sie einmal im Treppenhaus alle Stufen hinauf- und wieder hinunterlaufen. Bis jetzt höre ich keine Unregelmässigkeiten an seinem Herz.»
Bozos Herrchen keuchte und schien leicht zu taumeln. Bozo aber wedelte fröhlich mit dem Schwanz und wollte mehr. Sein Herz schien in Ordnung. Ich konnte keinen Grund finden, wieso Bozo zusammengeklappt war. «Wenn Sie mehr wissen wollen, müssen Sie in eine Klinik. Mit meinen Mitteln kann ich hier nichts finden», sagte ich. Sein Herrchen kam langsam wieder zu Atem: «Wenn die mich dort nur nicht wieder so herumjagen».

Erst als Bozo auf der Spielwiese wieder einmal zusammengeklappt war, entschied der Mann, ins Tierspital zu gehen. Bozos Herz war gesund. Auch Ultraschall und EKG zeigten nichts Aussergewöhnliches. Doch Bozos Temperament war offenbar stärker als sein Kreislauf. Wenn er sich zu lange aufregte, geriet sein Kreislauf in eine Krise. Mit Beruhigungsmitteln wurde er entlassen.
Eine Woche später stand ein wesentlich ruhigerer Bozo in der Praxis. Sein Herrchen jedoch war unzufrieden: «Ich mag ihn mit diesen Mitteln nicht. Er ist mir zu ruhig. So ist er nicht mehr mein Hund!»  Wir einigten uns, dass Bozo auf die Medikamente verzichten könne, doch die Spielnachmittage auf der Hundewiese wurden gestrichen. So konnte Bozo sein Temperament behalten, ohne wieder umzukippen.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 11.03.2013, 10:00 Uhr

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