Mief-Razzia

Ihre Devise: immer der Nase nach. Ihm stinkts.

Sybil Schreiber: Endlich! Es mischen sich erste zarte Frühlingsdüfte in die noch kalte Märzluft. Ich öffne die Haustüre, hole die Post aus dem Briefkasten und schnuppere in die Morgenfrische hinein. Als ich ins Haus zurückkomme und die Türe hinter mir schliesse, passiert etwas Unangenehmes: Meine vom Lenz beflügelte und gereinigte Nase nimmt einen fauligen Gestank wahr.

«

Ich finde nichts. Da muss am Abend die Famile ran!»

Unterschwellig, aber eindeutig.
Ich durchforste mein Geruchsarchiv. Die Suche endet schnell und erfolgreich: eindeutig verschimmelte Mandarine! Ist das möglich? Es ist Wochen her, seit es die letzte Mandarine zu uns geschafft hat.
Ich gehe ein paar Schritte meiner Nase nach und schnuppere entlang der Garderobe. Dort war ich schon im vergangenen Sommer fündig geworden, als ich am Ende der Ferien eine mumifizierte Birne fand. Obwohl ich am letzten Schultag gesagt hatte: «Die Theks werden leer geräumt!»
Da jetzt beide in der Schule sind, kann dies nicht der Ort des Übels sein. Ich wühle die Mützenschachteln durch, öffne die Schuhschubladen, kippe den gesamten Inhalt der Turntaschen auf den Boden. Nichts.
Ich schnüffle noch einmal ins Leere – und beschliesse, abends die ganze Familie auf Mief-Fahndung zu schicken.

Steven Schneider: Schreiber macht ernst: Wie in einem Polizeifilm leitet sie einen Einsatz, der zur schnellen Ortung einer tickenden Stinkbombe führen soll.

«

Wie in einem Polizeifilm: Sie leitet den Einsatz.»

«Du übernimmst alle Fächer in Bodennähe», sagt sie zu unserer Kleinen. Die Grosse muss sämtliche Handtaschen ausräumen und ich soll alle Schachteln voller Mützen, Handschuhe und Schals durchwühlen, obschon sie, wie sie erklärt, dies schon getan hätte.
Ich arbeite mich also durch Strickwaren, während Schreiber im Gang hin und her tigert und unentwegt murmelt: «Ich riechs, ich riechs!»
Nach einer Viertelstunde geben wir auf: Die Kinder verziehen sich erleichtert in ihre Zimmer, ich lege mich aufs Sofa und lese.
Schreiber bleibt im Gang und rätselt.
Auf einmal poltert sie durchs Haus auf die Veranda hinaus und ruft: «Wusste ichs doch!»
Obwohl es mir ein wenig stinkt, stehe ich auf und gehe zu ihr. Sie hält die Skijacke unser Jüngsten in die Luft und fischt triumphierend ein grünes Teil aus der Jackentasche, das wohl mal eine Mandarine war.
Die Razzia war also erfolgreich und ich freu mich auf meinen Krimi, doch Spürnase Schreiber will belohnt werden: «Hier, mein Lieber, die Jacke braucht einen Waschgang.»

(Coopzeitung Nr. 11/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 11.03.2013, 10:03 Uhr

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