Raclette: Es isch so güet wie z’Horu hoch

Raclette führt uns ohne Umwege zum Gipfel des Genusses. Es sei denn, man kauft sich ein Hightech-Öfeli ...

Eine heisse Angelegenheit: Traubenbeeren mit gehackten Walnüssen und fein geschnittenen Frühlingszwiebeln mischen. Ins Pfännchen geben und mit Raclettekäse belegen, mit etwas Pfeffer und Salz abschmecken.

Eine heisse Angelegenheit: Traubenbeeren mit gehackten Walnüssen und fein geschnittenen Frühlingszwiebeln mischen. Ins Pfännchen geben und mit Raclettekäse belegen, mit etwas Pfeffer und Salz abschmecken.
Eine heisse Angelegenheit: Traubenbeeren mit gehackten Walnüssen und fein geschnittenen Frühlingszwiebeln mischen. Ins Pfännchen geben und mit Raclettekäse belegen, mit etwas Pfeffer und Salz abschmecken.

Die Musik der «Ländlerfründe» hört Gion-Gieri auf einer chinesischen Stereoanlage, sein Lieblingswein kommt aus dem Tessin und seine Frau aus dem Thurgau: Zu fremden Kulturen hatte Gion-Gieri zeitlebens ein entspanntes Verhältnis. Doch nun ist sein Weltbild auf einmal ins Wanken geraten:   «1 Heizkörper schwarz mit Kolonne grau und Elektrokabel» liest er vor und fährt weiter: «1 Rändelschraube schwarz, 1 Käsesitz vernickelt, 1 Schwenkarm beschichtet, 1 Bodenplatte grau-hammerschlag ...» Und nur, weil im Laufe dieser schier endlosen Litanei irgendwann der Halbsatz «Raclettemesser XTC nicht inbegriffen» auftaucht, wird halbwegs klar, worum es geht: Um die Anleitung für den Gebrauch eines Raclette-Ofens. Und den haben Gion-Gieri die Gäste aus Deutschland mitgebracht, die alljährlich seine Ferienwohnung buchen.

«Damals, als die Walliser das Raclette erfanden, war das doch anders gemeint: Einfach, handlich und nicht als technischer Hindernislauf », ruft er aus. Wo Gion-Gieri recht hat, hat er recht: Ein Walliser Alpsenn liess einen Käse zu nahe am Feuer, der Käse schmolz, der Senn schabte das Geschmolzene ab, schmierte es aufs Brot. Und siehe – es war gut. Doch weil Kartoffeln billiger waren, ersetzten sie bald das Brot. Seither ist ja einiges gegangen in Sachen Käse. Frei nach «Raclettieren geht über Studieren» kombinieren heutzutage Käseliebhaber Vacherin Mont d’Or mit Bündner Bergkäse, Gorgonzola mit Ananas, traditionellen Raclette-Käse mit Trüffel und in St. Moritz sollen sie dieses Neujahr gar Raclette mit Kaviar gespachtelt haben.

Während sich beim Käse also viel getan hat, ist bei der Raclette-Zubereitung alles in allem alles gleich geblieben. Gut, der grösste Teil unserer Vorfahren hat die Romantik der Alp mit den Vorzügen und Nachteilen einer Vierzimmer- Block-Wohnung vertauscht – offene Feuer sind da eher selten. Das dadurch resultierende Schmelzproblem wurde flugs mit einem Raclette Öfeli behoben. Dieses Öfeli funktioniert seit Jahrzehnten tadellos und einfach, wie es sich für ein einfaches Gericht gehört. Und darum regt sich jetzt der Gion-Gieri so gottvergessen über diese Deutschen auf, die aus einem einfach-perfekten Genuss eine hoch komplizierte Angelegenheit mit «Rändelschraube schwarz» und «Käsesitz vernickelt» machen wollen.

«Diese Teutonen sollen doch hinter dem Weisswurstäquator und bei ihren Buletten bleiben.» Aber auf einmal wird Gion-Gieri kreideweiss und totenstill. Er hat die Anweisungen bis zum Schluss gelesen und dort steht die Herstelleradresse des «Heizkörper schwarz mit Kolonne grau»: Wallis, Schweiz. 

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Sonntag 24.07.2011, 16:26 Uhr

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