Frank Klammers Geheimrezept

Luftgetrockneter Rohessspeck ohne Schwarte ist wie Winter ohne Schnee.

Runden Fertigpizzateig mit einer Gabel einstechen, mit Creme fraîche bestreichen, salzen und pfeffern und mit Rohessspeck-Streifen belegen und bei 200 Grad im unteren Teil des Backofens backen.

Runden Fertigpizzateig mit einer Gabel einstechen, mit Creme fraîche bestreichen, salzen und pfeffern und mit Rohessspeck-Streifen belegen und bei 200 Grad im unteren Teil des Backofens backen.
Runden Fertigpizzateig mit einer Gabel einstechen, mit Creme fraîche bestreichen, salzen und pfeffern und mit Rohessspeck-Streifen belegen und bei 200 Grad im unteren Teil des Backofens backen.

Wie Gion-Gieri draufgekommen war, lässt sich im Nachhinein nicht mehr eruieren. Aber schuld waren eigentlich die Österreicher, respektive Franz Klammer. Den kennen heute ja nur noch die nicht mehr ganz Jungen, damals in den 70ern aber fuhr er den Schweizer Skifahrern nach Belieben um die Ohren - die kollektive Verzweiflung legte sich wie eine Schicht Nassschnee über die Skination Schweiz.

1977, nach Klammers drittem Lauberhorn-Sieg in Folge, kam Gion-Gieri zum Skilift. Und während wir anderen noch vor Scham am liebsten im Pulverschnee versinken wollten, lächelte er schon wieder sein Siegerlächeln. Dann druckste der Metzgerssohn eine Weile herum: «Ich kenn das Geheimnis der Österreicher, die wachsen ihre Skis nicht mit Toko-Silber wie die Unsrigen, die nehmen Speckschwarten!» Und wie zum Beweis zog er ein handflächengrosses Stück Schwarte hervor, präparierte mit dem Fettteil hingebungsvoll seine Latten - und sauste in einem Höllentempo talwärts. Wir alle glaubten ihm aufs Wort. Speckschwarte also hiess das Zauberwort.

Doch woher nehmen und nicht stehlen?! Gion-Gieri Cahenzli war Metzgerssohn, Gion-Gieri war der Herr über die Speckschwarten und Gion-Gieri war geschäftstüchtig. Für 30 Rappen - den schöneren Mädchen machte er es auch mal umsonst - präparierte er zunächst die Skis der Klassenkameraden. Dann, als selbst die aus der Sek mit ihren Latten ankamen, wuchs ihm das Ganze über den Kopf. Damals hätte er noch aufhören, damals hätte alles noch in Minne enden können. Zumal die ersten «Kunden» nicht mehr an das Speck-Wunder glaubten und wieder auf Toko-Silber umstiegen. Aber nein, Gion-Gieri kannte mal wieder keine Grenzen. Er brauchte sogar Hilfe, er brauchte mich. Zusammen schmierten wir nach der Schule Ski um Ski, unser Umsatz war enorm, der Schwartenverbrauch auch.

Das hätte bis zum Frühlingsschnee so weitergehen können, doch eines unschönen Morgens schrie Gion-Gieri junior wie ein gestochenes Schwein unter dem Dach hervor, an dessen Sparren Gion-Gieri senior die liebe- und kraftvoll mit Salz und Kräutern eingeriebenen Speckseiten zum Trocknen in den Wind gehängt hatte. Den meisten Speckseiten fehlten grosse Stücke der Schwarte! Der Senior tobte und das halbe Dorf konnte hören, dass Bündner Rohessspeck ohne Schwarte wie Winter ohne Schnee sei und dass ihn der Junior ruiniert habe. Der sah anderntags selber wie eine gut massierte Speckseite aus. Aber im drauffolgenden Winter war die Welt wieder in Ordnung: An Cahenzlis Dachsparren hingen wieder Speckseiten im Wind, Franz Klammer siegte nicht mehr, und Gion-Gieri präparierte die Skis der Kollegen für 40 Rappen: mit Mutters Bodenwichse.

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Sonntag 24.07.2011, 17:41 Uhr

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