Erste Enkel

Sie sagt: für die Kinder. Er weiss es besser.

Sybil Schreiber: Schneider weckt mich um fünf Uhr morgens. Draussen scheint der Vollmond, Nacht und Tag begegnen sich mit Licht. Ein Omen vielleicht, denn der offizielle Termin ist erst in vier Tagen.

«

Ich seufze und streichle wie in Trance.»

Er sagt: «Sie hechelt schon.»
Ich werde nervös. Warum habe ich das Geburtstäschchen noch nicht vorbereitet, mit Zwirn, Notfallnummer, Haushaltpapier? Soll ich im Pyjama runter? Was, wenn die Geburt mehrere Stunden dauert?
Also anziehen. Muss ich die Kinder schon wecken?
Da jault es im unteren Stock. Im Pyjama renne ich hinunter, Schneider kniet in der Ecke, und tatsächlich: Unser Hündchen Lilla liegt im Wurfnest und krümmt sich. Sie schaut mich fragend an.
Ich werde noch nervöser, denke an meine Geburten, dieses schmerzvolle Glück zwischen dort und hier.
Ich rede mit Lilla, beruhige sie, streichle ihr den Rücken. Ob sie auch im Kreuz gehalten werden will? Ob sie durstig ist?
Ich erinnere mich daran, wie wir selber nachts im Geburtshaus Delphys eintrafen und ich mich sofort geborgen fühlte. Ist es warm genug bei uns? Ich seufze und streichle wie in Trance.
Schneider sitzt neben uns und sagt nach einer Weile: «Gell, du weisst schon: Sie bekommt die Kleinen, nicht du.»

Steven Schneider: Ich erinnere mich gut an unsere Wanderungen im Appenzellerland, auf denen mich Schreiber als lebendes Schutzschild gegen Hundeangriffe einsetzte; oder als sie auf Sardinien kreischend vor einem Chihuahua davonrannte, der ihr bis zu den Fussgelenken reichte.

«

Für die Kinder? Humbug! Es ist für die Rudel-Oma!»

Seither hat sie eine erstaunliche Metamorphose durchgemacht: Sie ist souveräne Hundemutter geworden, geht zur Hundeschule, ist bei jedem Wetter draussen mit Lilla, bildet sich weiter.
Das finde ich gut.
Aber als Schreiber meinte, dass Lilla einmal Mutter werden sollte, «weisst du, für die Kinder, das ist ein unvergessliches Erlebnis», fand ich als einzig vernünftig denkender Mensch in dieser Familie, dass das möglicherweise zu weit gehe. Was Schreiber nicht davon abhielt, mit erfahrenen Hundebesitzern zu reden, mögliche Väter zu evaluieren und die Welpenbedürfnisse in der nahen Verwandtschaft und weiteren Bekanntschaft abzuklären.
Schliesslich sagte auch ich Ja.
Und jetzt gleiten drei pechschwarze kleine Bäuche aus Lilla, alle mit weissen Schwanzspitzen und weissen Socken. Ich blicke zu Schreiber, die glückselig strahlt. Da wird mir klar: Für die Kinder? Humbug! Das hier geschieht alles für die Rudel-Oma!

(Coopzeitung Nr. 12/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 18.03.2013, 10:03 Uhr

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