Salami: «Liebe Grüsse, Mama»

Nicht alles, was im Leben zählt, lernt man an der Uni. Wichtige Vorlesungen werden anderswo gehalten.

Etwas Gluschtiges für zwischendurch: Salami, frisch aufgeschnitten, zu einer Focaccia und einem Glas Wein. Herz und Bauch, was begehrt ihr mehr?

Etwas Gluschtiges für zwischendurch: Salami, frisch aufgeschnitten, zu einer Focaccia und einem Glas Wein. Herz und Bauch, was begehrt ihr mehr?
Etwas Gluschtiges für zwischendurch: Salami, frisch aufgeschnitten, zu einer Focaccia und einem Glas Wein. Herz und Bauch, was begehrt ihr mehr?

Gäbe es einen Uni-Lehrstuhl für Salamikunde – Gion-Gieri hätte ihn erhalten. Und das kam so: Gion-Gieri, diesen Hansdampf in allen Gassen des heimatlichen Dorfes, traf das Schicksal unerwartet und knüppeldick, als er zwecks Studium in Zürich landete. Dort hockte er im Zimmer, pflegte hingebungsvoll seine Sehnsucht nach den Bergen und wartete, bis seine Mutter ihm Päckli schickte. An die Uni traute er sich anfänglich nicht – aus Scheu. (Später scheute er die Bildungsanstalt aus 1000 anderen – meist weiblichen – Gründen.)

Anfänglich also wartete Gion-Gieri auf das wöchentliche Päckli der Mama, denn da waren immer eine Salami, Puschlaver Brot und ein Nötli drin. Die ersten Wochen hat Gion-Gieri wahrscheinlich nur von Salami, Brot und Heimweh gelebt. Das Nötli setzte er jeweils umgehend in Veltliner um. Das Heimweh wurde nach und nach durch wechselnde Partnerinnen abgelöst, der Salami und all ihren Schwestern und Cousinen – vor allem der Salsiz – blieb Gion-Gieri aber treu. Ja, man kann sagen, dass er ein richtiger Dauerwurst-Kenner wurde und die Salami-Wissenschaft zur Perfektion trieb. Während unsereiner beim Wort «Finocchiona» auf eine schräge sexuelle Abartigkeit tippte, wusste Gion-Gieri selbstverständlich, dass Finocchiona eine Dauerwurst mit Fenchelsamen und in Weisswein getränktem Knoblauch ist. Wehe, jemand bezeichnete eine der Köstlichkeiten einfach als Salami. «Ein Auto ist ja auch nicht einfach ein Auto, sondern ein Mercedes oder ein Fiat», bellte er dann zurück.

Und eine Salami ist eben ein Milano, ein Felino, ein Napoletano. Wie gesagt, Gion-Gieri hatte sich dank Mutters Fürsorge zur Kapazität hochgegessen. Doch weil es an der Uni keinen Salami-Lehrstuhl gab, verlegte er die entsprechenden und in der Regel gut besuchten Salami-Seminare in seine Privaträumlichkeiten – eine WG im Langstrassen-Quartier. «Meine liebste Salami ist der Citterino», referierte er beispielsweise und gerietins Schwärmen von der 100-jährigen Tradition, aus der die Citterino entstammte. Er referierte von der «Mutter aller Salamis» schwärmte vom «feinen Schnittbild», feinstem Schweinefleisch und – hier machte Gion-Gieri eine Kunstpause «… und er wird im Pferdedarm gereift – das macht ihn einzigartig.» Keine Ahnung, ob das alles stimmt. Denn eigentlich warteten die versammelten Hungerleider nur darauf: Gion-Gieri packte eines seiner Fresspakete aus, köpfte ein paar Flaschen Veltliner und die Vorlesung ging geschwindhaft in ein Gelage der gröberen Art über. Dabei wurden jeweils auch Nicht-Studenten wie ich an- und durchgefüttert.

Die Räusche sind verflogen, die Liebeleien auch. Die Erinnerung an diese Zeit verblasst langsam, geblieben aber ist die Liebe zu ehrlichen, guten, unverfälschten Mitteln zum Leben - Citterino, Veltliner und Brot. So alles in allem muss man sagen: Es gibt schlimmere universitäre Spätfolgen.

Der Frischhalte-Tipp: So hält die Salami länger

Ganze Salami können, an einem kühlen Ort hängend, mehrere Wochen gelagert werden. Angeschnittene Salami sollte in absehbarer Zeit – innert etwa zehn Tagen – genossen werden. Bestäuben Sie die Schnittfläche mit Mehl und legen sie die Salami in den Kühlschrank. Sie läuft dann nicht an und der Geruch verbreitet sich weniger auf andere Speisen.

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Sonntag 24.07.2011, 17:48 Uhr

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