Die Spargeln des Edouard Manet

Edouard Manet bekam 200 Franc mehr als ausgemacht für sein Stillleben mit einem Bund Spargeln. Als Dank malte er eine weitere Stange – diese habe im ersten Bund noch gefehlt, so der Kommentar des Künstlers.

Spargelsalat mit Lachs: grüner und weisser Spargel, gemischt mit Lachsstreifen an einer Vinaigrette, mit etwas Dill und Frühlingszwiebeln und rosa Pfefferkörnern.

Spargelsalat mit Lachs: grüner und weisser Spargel, gemischt mit Lachsstreifen an einer Vinaigrette, mit etwas Dill und Frühlingszwiebeln und rosa Pfefferkörnern.
Spargelsalat mit Lachs: grüner und weisser Spargel, gemischt mit Lachsstreifen an einer Vinaigrette, mit etwas Dill und Frühlingszwiebeln und rosa Pfefferkörnern.

Das Bild, das Sie hier sehen,ist eigentlich noch gar nicht vollständig. Aber das wusste der Künstler bei seiner Fertigstellung selbst noch nicht. Zu dem Original «Ein Bund Spargel» (1800), ein Stillleben von Edouard Manet, gibt es nämlich eine sehr hübsche Anekdote: Manet erhielt 1000 Francs Honorar für sein Gemälde. Diese Summe war eine grosse Überraschung für den Künstler, denn eigentlich waren mit seinem fürstlichen Auftraggeber nur 800 Francs ausgemacht. Doch der Auftraggeber insistierte. Manet war so angetan von der Grosszügigkeit seines Gönners, dass er anschliessend ein kleines Bild mit einer einzigen Stange Spargel malte und es mit den Worten «In Ihrem Bund fehlte noch eine Stange» übersandte (siehe Bild unten).

Doch Manet war nicht der erste Maler, der die Gemüsestangen künstlerisch verarbeitete. Die älteste bekannte Abbildung eine Bündels Spargel findet man auf einem Wandgemälde aus Pompeji, schon 10 Jahre vor Christi Geburt. Bei einem Streifzug durch die Spuren, die das Frühlingsgemüse in der Geschichte hinterlassen hat, geht es auch immer wieder um die Grösse der Stangen und ihre angeblich erotische Wirkung. Theophrast, ein Aristoteles-Schüler, erwähnt Spargeln als Medizin und Aphrodisiakum. Junge Paare sollten - mit dem Spargelkraut geschmückt - für die Freuden und Leiden der Ehe gewappnet sein. Kurz nach Christi Geburt sollen in Ravenna so grosse Spargeln geerntet worden sein, dass drei Stück auf ein Pfund kamen. Von Heinrich III. von Frankreich wird berichtet, er habe Spargel so gross wie Schwanenfedern genossen ... Ob wir das wirklich glauben wollen? Sicher ist, dass auch in diesem Jahr diese strammen Stangen der Venus als Sprossen aus einem über Herbst und Winter im Boden verbliebenen Wurzelstock wachsen. Während die Spargelnmodelle des Herrn Manet schon vor ihrer Ernte Sonnenlicht gesehen haben, das beweisen ihre leicht eingefärbten Spitzen, wächst Grünspargel über der Erde, ist also bei der Ernte nicht mit Boden bedeckt. Daher geniesst er das Sonnenlicht und wird schliesslich grün. In Bezug auf seine Inhaltsstoffe übertrifft der grüne den weissen Spargel. Durch das grüne Chlorophyll enthält dieser mehr Vitamin C und Karotin. Grünspargeln sind im Geschmack etwas herzhafter und müssen nur wenig über der Schnittstelle geschält werden. Zudem ist die Kochzeit beim grünen Spargel deutlich kürzer.

Über den korrekten Verzehr von Spargeln lässt sich bestimmt streiten. So kann der Restaurantgast selbstverständlich die einzelnen Spargeln mit dem Messer schneiden, aber wäre es nicht viel anregender, ihn genüsslich von Hand zum Mund zu führen, wo er dann «halb geschlürft und halb gelutscht» stangenweise verschwindet? So haben es wenigstens über Jahrhunderte Geniesser, Schlemmer und Gourmets vorgemacht.

Spargel und die Kunst:

Eine Liebesgeschichte

Goethe (1749-1832) liess sich von Charlotte von Stein mit Spargel verwöhnen, zu dem ihr Koch eine Zitronensauce kreierte. Komponist Giuseppe Verdi(1813-1901) erfreute seine Gäste mit selbst angebautem Gemüse. Zu grünem Spargel gab er zerlassene Butter und geriebenen oder gehobelten Parmesan über die Spargeln.Gioacchino Rossini (1792-1868) entsagte dem Komponieren, um sich ganz der Kochkunst zu widmen. Er schuf zwei weltbekannte Spargelrezepte, eines mit Parmesan und eines mit Rinderfilet.

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Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Sonntag 24.07.2011, 19:10 Uhr

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