Betrachtungen über ein Sandwich

Als das Brot noch nicht in Portionen gebrochen werden konnte, war das Sandwichmachen ein Abenteuer.

Mit allem Drum und Dran: Ein Sandwich zum herzhaft Reinbeissen und richtig satt werden. Mani Matter wusste schon, was ein gutes «Sändwitsch» ausmacht (Liedtext siehe unten).

Mit allem Drum und Dran: Ein Sandwich zum herzhaft Reinbeissen und richtig satt werden. Mani Matter wusste schon, was ein gutes «Sändwitsch» ausmacht (Liedtext siehe unten).
Mit allem Drum und Dran: Ein Sandwich zum herzhaft Reinbeissen und richtig satt werden. Mani Matter wusste schon, was ein gutes «Sändwitsch» ausmacht (Liedtext siehe unten).

Der Grossvater meines Schulfreundes Yves – Sie erinnern sich: der Dr. chem. mit dem grossen Wissen über Bärlauch, nicht aber über Pilze –, also dieser Grossvater, den ich Ätti nennen durfte, schleppte auf unseren langen Spaziergängen stets einen vollgestopften Rucksack mit. Ein gigantisches Ding. Heute, mit 40 Jahren Distanz und einem ziemlich fundierten Wissen über Outdoor-Equipment, schätze ich: mindestens 50 Liter Inhalt. Der Inhalt wechselte, drei Dinge aber waren immer dabei: ein Kilobrot, ein Messer und Fleisch. Hatten wir es uns unter einer Eiche bequem gemacht – und das war stets exakt um 16 Uhr 00 –, holte er all das aus seinem Rucksack, legte sich das Brot an die Brust und begann mit dem Messer, einem währschaften Brotmesser mit bedrohlich wackelndem Holzgriff, daran herumzusäbeln. Genau Richtung Herz. Mir schien das ein bisschen gefährlich, und ich überlegte, ob ich ein Portionenbrot erfinden sollte, bei dem man die einzelnen Teile einfach abbrechen könnte. Ich liess es.

Der Grossvater schnitt für jeden ein Stück Brot, belud es mit einem geschätzten halben Pfund Fleischkäse und klatschte, ehe wir kraftvoll reinbeissen konnten, eine zweite Scheibe Brot drauf. Wie dick das Ganze war, weiss ich nicht. Jedenfalls zu dick, als dass wir es einigermassen gepflegt hätten essen können – da konnten wir unsere Kindermäuler noch so aufreissen. Irgendwie bekamen wir unsere Schnäbel dann doch voll, worauf für ein paar Minuten nichts war mit Reden. Heute vermute ich, dass es genau das war, was Yves’ Grossvater mit seiner grosszügigen Fütterung erreichen wollte: ein paar Minuten Ruhe. Uns war das auch recht, denn auch der alte Mann musste seine Vorträge über Gott und die Welt, Tiere und Pflanzen, sich und überhaupt für ein paar Minuten unterbrechen. Yves’ Grossvater bezeichnete unser Menü als «Eingeklemmtes». Aber es muss das sein, was Mani Matter bei seinen «Betrachtige über nes Sändwitsch» vor Augen gehabt hat.

Was isch es Sändwitsch ohne Fleisch? – s’isch nüt als Brot.
Was isch es Sändwitsch ohne Brot? – s’isch nüt als Fleisch.
Ersch wenn’d mit Fleisch dys Brot beleisch,
Ersch wenn’d mit Brot umgisch dys Fleisch,
Berchunnsch es Sändwitsch: Brot und Fleisch.

Lue, dass du däm geng Rächnig treisch.
Und zwar isch’s wichtig, dass du folgendes o weisch:
S’gnüegt nid, dass du ds Brot eifach underleisch im Fleisch. S’bruucht eis Brot undefür, versteisch.
Und eis wo d’obe drüber leisch.
Nume wenn d’so drahäre geisch,
Berchunnsch es Sändwitsch – eis mit Fleisch.

Sandwich: Auf die Schnelle

Benannt wurde das Sandwich nach John Montagu, dem vierten Earl of Sandwich. Der soll, so die Legende, mit so viel Leidenschaft dem Cribbage-Spiel gehuldigt haben, dass für eine richtige Mahlzeit keine Zeit blieb: Er liess sich die Zutaten zwischen zwei Brotscheiben klemmen – das Sandwich war erfunden. Ob diese (inoffizielle) oder die offizielle, von Sandwichs Biograf veröffentlichte Version zutrifft, wonach Sandwich das Sandwich erfunden hat, um seine Arbeit nicht unterbrechen zu müssen – der heutigen Beliebtheit des Minimenüs tut dies keinen Abbruch.

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Sonntag 24.07.2011, 19:24 Uhr

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