Blindreinigung: Bei dieser Übung geht es um das Ertasten der Oberflächen und ein neues Gefühl beim Putzen.

In der Putzschule:
Der Lappen des Lächelns

Kann man das Putzen lieben lernen? Unsere Redaktorin Katalin Vereb macht einen Selbstversuch mit einem Kurs. Und verliebt sich in einen Lappen.

Ich mag nicht putzen. Aber ich tue es trotzdem, natürlich. Dreckig ist meine Wohnung nicht. Doch es kostet mich grosse Überwindung, damit anzufangen. Und durchzuhalten bis zur letzten Ecke. Manchmal habe ich auch Angst davor. Putzexpertin Katharina Zaugg verspricht Abhilfe. An ihrer Putzschule soll man nicht nur lernen, wie man putzt, sondern sogar, wie man gerne putzt. Ich habe mich für zwei Einheiten angemeldet. Am ersten Tag geht es um die «Wellness beim Putzen, eine Einführung in die achtsame Raumpflege». Am zweiten Tag gibt es einen Grundkurs für die richtige Technik.
Ich sitze mit einem mulmigen Gefühl am Tisch. Wie ein Fleck vor dem Schwamm, wie ein Schandfleck des Putzens. Was kommt jetzt? Muss ich gleich losputzen unter den strengen Augen der Lehrerin? Aber Katharina Zaugg hat einen freundlichen Blick und streng ist sie auch nicht, im Gegenteil. Sie beruhigt mich: «Wer vor dem Putzen keine Angst mehr hat, hat vor nichts mehr Angst!»

Nach einer kurzen Einführung schildere ich ihr mein Problem. Sie fragt mich mit einem sanften Lächeln nach der Organisation meiner Putzmittel und nach meinem Putzschrank. Ich muss die Augen schliessen und mir vorstellen, wo die Mittelchen, Schwämmchen und der Staubsauger stehen. Öhm, Organisation? Putzschrank? Ich habe weder einen Putzschrank noch eine Organisation. Meine Reinigungsutensilien sind an mehreren Orten verteilt. Ich weiss gar nicht, was ich alles habe. Das geht so weit, dass ich bestimmte Mittel auch schon doppelt und dreifach gekauft habe, weil ich vergessen hatte, dass bereits zwei Fläschchen davon im Regal stehen. Das ist der erste wichtige (und wunde) Punkt: Man sollte eine systematische Ordnung in die Werkzeuge bringen und sorgsam mit ihnen umgehen.
Wir sprechen auch über meine Erfahrungen beim Putzen, wie ich es gelernt habe – oder warum eben nicht. Es geht auch um meine Beziehung zu meiner Wohnung, und um die Ecken, die mir am meisten Mühe bereiten. Das Zimmer, das ich am wenigsten gerne putze, ist das Badezimmer. Es ist sehr klein und mit Möbeln und Waschmaschine ebenso überfüllt. Auch die Einrichtung kann ein Grund sein, der die Lust am Putzen vermiest. Katharina Zaugg empfiehlt mir, das Bad etwas zu leeren und die Möbel so anzuordnen, dass sie mir die Putzwege nicht verstellen.

Mit einer Sprühflasche, die auch kopfüber funktioniert, erreicht man schwer zugängliche Stellen.

Mit einer Sprühflasche, die auch kopfüber funktioniert, erreicht man schwer zugängliche Stellen.
http://www.coopzeitung.ch/8059112 Mit einer Sprühflasche, die auch kopfüber funktioniert, erreicht man schwer zugängliche Stellen.

Und dann muss ich putzen: Vor mir auf dem Tisch liegt ein Lappen. Ein einfacher, heller Lappen aus Baumwolle. Katharina Zaugg fordert mich auf, ihr zu zeigen, wie ich normalerweise putze. Das macht mich nervös. «Ich putze eigentlich nie mit einem Lappen», antworte ich. Meistens nehme ich Schwämme in verschiedenen Grössen. Zum Staubwischen habe ich den Staubwedel von Swiffer. Und kleinere Wischarbeiten zwischendurch erledige ich mit Haushaltspapier. Doch es gibt kein Entkommen, ich muss den Lappen in die Hand nehmen. Ich knülle ihn zusammen, als ob ich sehr wütend auf ihn wäre, beuge mich verkrampft über den Tisch und beginne diesen mit angestrengtem Blick zu polieren. Dabei stolpere ich noch über einen Stuhl, der im Weg steht. Nach viel Wellness sieht das nicht aus ...

Einen Lappen richtig auswringen: Dank der Technik von Katharina Zaugg geht es müheloser.

Einen Lappen richtig auswringen: Dank der Technik von Katharina Zaugg geht es müheloser.
http://www.coopzeitung.ch/8059112 Einen Lappen richtig auswringen: Dank der Technik von Katharina Zaugg geht es müheloser.

Dann zeigt mir die Putzexpertin, dass es auch anders geht: entspannte Bewegungen, dabei den ganzen Körper miteinbeziehen, lockerer Arm. Und vor allem: Den Lappen flach auf den Tisch legen und die Fläche dabei spüren, ertasten. Hier kommt mein grosses Aha-Erlebnis: Das ist ja fast wie Tanzen! Ich beginne, mich wohlzufühlen.
Katharina Zaugg zeigt mir ausserdem, wie ich den Lappen müheloser auswringen kann. «Lappen des Lächelns» nennt sie das. Und ich entdecke, dass mir der Lappen als Arbeitsinstrument sehr entspricht. Ich beginne, zu lächeln. Es ist ein sinnlich angenehmes Erlebnis! Das kann nicht sein, denke ich. Doch genau darum geht es: Wie macht man sich die Arbeit leichter und angenehmer? Den Stuhl zum Beispiel hätte ich aus dem Weg räumen können und müssen. Und wieso habe ich nie mit einem Lappen geputzt? Warum habe ich es bisher so und nicht anders gemacht? Keine Ahnung!

Die richtigen Hilfsmittel erleichtern die Putzarbeit: Mit dem Wattestäbchen erreicht man schmale Rillen in der Tür ohne Probleme.

Die richtigen Hilfsmittel erleichtern die Putzarbeit: Mit dem Wattestäbchen erreicht man schmale Rillen in der Tür ohne Probleme.
http://www.coopzeitung.ch/8059112 Die richtigen Hilfsmittel erleichtern die Putzarbeit: Mit dem Wattestäbchen erreicht man schmale Rillen in der Tür ohne Probleme.

Nach der ersten Kurseinheit gehe ich nachdenklich nach Hause. Bilder aus der Vergangenheit, aus der Kindheit kommen hoch. Nachts träume ich von Katharina Zaugg. Sie wohnt plötzlich in Venedig und zeigt mir eine baufällige Wohnung. Hier, erzählt sie mir, würde ich mir ein kleines Paradies einrichten. Sie beginnt, über die halb verfallenen Wände zu streichen und unter ihren Händen verwandeln sie sich, werden schön und weiss, wunderbare Möbel erscheinen aus dem Nichts, sie kann zaubern wie eine Fee. Meine gute Putzfee! Jetzt wird alles gut, denke ich fröhlich im Traum.

Mit einem Stäbchen aus Bambus kann man Ablagerungen und Schmutz aus den schmalsten Ritzen entfernen, auch im Badezimmer.

Mit einem Stäbchen aus Bambus kann man Ablagerungen und Schmutz aus den schmalsten Ritzen entfernen, auch im Badezimmer.
http://www.coopzeitung.ch/8059112 Mit einem Stäbchen aus Bambus kann man Ablagerungen und Schmutz aus den schmalsten Ritzen entfernen, auch im Badezimmer.

Am nächsten Tag fühle ich mich ausgeschlafen und deutlich entspannter. Zunächst sprechen wir im Grundkurs «Achtsame Reinigungstechniken» über Putzmittel. Es sei wichtig, ihren Geruch zu mögen. Katharina Zaugg bevorzugt das ökologische Putzen. Die Reinigung soll nicht nur zur Raumpflege dienen, sondern auch mit der Natur pfleglich umgehen. «Ich brauche reine Substanzen, wenn ich reinige», erklärt sie. Auch die Dosierung sei wichtig: weniger ist mehr. Raumpflege. Dieses Wort gefällt mir. Katharina Zaugg benutzt es oft. Es tönt so weich, so angenehm.

http://www.coopzeitung.ch/8059112 In der Putzschule: Der Lappen des Lächelns

Die erste Übung ist ein kleines Abenteuer: Ich muss blind putzen, mit einer Augenbinde. Mit dem weichen Lappen fahre ich die Konturen des Lavabos nach, wische den Wasserhahn ab, ertaste die Form des Spiegels. Ein ganz neues Erlebnis. Danach geht es weiter zur Türe. Mit dem Lappen spüre ich Unebenheiten ganz deutlich, kann den Schmutz wahrnehmen, ohne hinzusehen. Die Handhabung des Lappens macht mir richtig Spass! Die Rillen in der Türe werden mit Wattestäbchen gereinigt. Katharina Zaugg leitet mich wieder an, meinen Körper anders zu bewegen. Was ich immer so anstrengend fand, gefällt mir jetzt: Das Strecken zur Türoberseite entspannt meine Rückenmuskeln, das Arbeiten mit beiden Händen verbessert meine Koordination. Es fühlt sich wieder an wie ein Tanz.

Und darum geht es: Das Putzen soll keine verkrampfte Angelegenheit sein, sondern bequem. Dabei spielen auch die Düfte beim Reinigen eine Rolle und sorgen für eine angenehme Atmosphäre, zum Beispiel beim Abstauben mit Rosenwasser.

Und darum geht es: Das Putzen soll keine verkrampfte Angelegenheit sein, sondern bequem. Dabei spielen auch die Düfte beim Reinigen eine Rolle und sorgen für eine angenehme Atmosphäre, zum Beispiel beim Abstauben mit Rosenwasser.
http://www.coopzeitung.ch/8059112 Und darum geht es: Das Putzen soll keine verkrampfte Angelegenheit sein, sondern bequem. Dabei spielen auch die Düfte beim Reinigen eine Rolle und sorgen für eine angenehme Atmosphäre, zum Beispiel beim Abstauben mit Rosenwasser.

Und das Tanzen geht nach einem feinen, selbst gekochten Mittagessen weiter mit der nächsten Übungseinheit: der Tanz mit dem Staubsauger. Auch hier staune ich, was andere Bewegungen und eine neue Haltung alles ausmachen! Die Düse gleitet leicht über das Parkett. Nur das laute Brummen des Staubsaugers stört. Auch dafür hat Katharina Zaugg ein Rezept: Wir fangen an, laut zu summen, dazu jodelt sie. Es tönt wirklich gut! Auch für die Pflege der Maschine gibt sie Tipps (Filter regelmässig wechseln!) und erzählt, dass sie mit einem geeigneten Aufsatz sogar ein Mal pro Jahr die Wände absaugt. Noch eine gute Idee, auf die ich nicht gekommen bin. Und zum Schluss noch der Rat: «Man sollte es nicht übertreiben oder sich zu sehr über den Schmutz ärgern.» Sie selbst putze auch nicht super pingelig jeden Tag: «Des Schusters Kinder gehen barfuss …» Beim Abschied drückt sie mir als Geschenk noch einen Stapel Baumwolllappen in die Hand. Ich fühle mich, als hätte ich einen Schatz bekommen! Wer hätte das gedacht?

Umfunktioniert: Eine ausgediente Zahnbürste erleichtert zum Beispiel das Reinigen von Fugen.

Umfunktioniert: Eine ausgediente Zahnbürste erleichtert zum Beispiel das Reinigen von Fugen.
http://www.coopzeitung.ch/8059112 Umfunktioniert: Eine ausgediente Zahnbürste erleichtert zum Beispiel das Reinigen von Fugen.

Zu Hause angekommen, mache ich mir erst einmal einen Kaffee, setze mich gemütlich hin und lese in den Büchern von Katharina Zaugg, um mein Wissen zu vertiefen. Doch die Lappen üben eine seltsame Anziehungskraft auf mich aus. Lange kann ich nicht sitzen bleiben und probiere das neu Gelernte gleich mal an meiner Badezimmertüre aus – mit einem Lappen. Ich glaube es kaum, doch es macht Spass! An dem Abend putze ich noch schnell eine zweite Türe. Am nächsten Tag fange ich gleich mit dem Frühlingsputz an, räume Regale leer, reinige weitere Türen, rutsche mit dem Lappen auf den Knien herum, ertaste mein Parkett und lasse den Mopp für einmal links liegen. Ich will dem Putzerlebnis ganz nahe kommen. Danach habe ich zwar etwas Muskelkater, aber keine Verspannungen und Rückenschmerzen wie sonst. Meine Kollegen schauen ungläubig, als ich ihnen davon erzähle. «Was hat sie nur mit dir gemacht?», fragt eine Freundin höchst erstaunt. Ich weiss es auch nicht. Aber es hat gewirkt: Ich mag jetzt putzen!l

Infos zu Katharina Zaugg und den Kursen auf der Internetseite ihrer Putzschule

Die Sicherheit geht vor

http://www.coopzeitung.ch/8059112 In der Putzschule: Der Lappen des Lächelns

Seit Kurzem gibt es neue Gefahrensymbole für chemische Produkte,  die schrittweise eingeführt werden. Auch Produkte, die im Haushalt zum Einsatz kommen, sind davon betroffen.
Ein Beispiel sind Putzmittel. Wir benutzen sie ständig, sie gehören zu unserem Alltag. Doch es gilt, Vorsichtsmassnahmen zu beachten. In Haushalten mit Kindern sollte man besonders vorsichtig sein und diese Produkte sicher und für Kinder unerreichbar aufbewahren. Hier einige Tipps:

Beim Einkauf:

  • Gefahrensymbol beachten
  • Gefahrenhinweise lesen
  • Alternativen prüfen
  • Nicht mehr als nötig kaufen

Beim Gebrauch:

  • Gebrauchsanweisung beachten
  • Sicherheitshinweise befolgen
  • Angemessene Schutzausrüstung tragen
  • Nicht achtlos stehen lassen

Lagerung und Entsorgung:

  • Sicher und für Kinder unerreichbar aufbewahren
  • Nie in Lebensmittelbehälter umfüllen
  • Entsorgungshinweise beachten

Bei Vergiftungen hilft das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum weiter. Die Notfallnummer 145 ist Tag und Nacht in Betrieb.

Es gibt ausserdem gratis die praktische «cheminfo»-App zum Herunterladen. So hat man alle Informationen zu Gefahrensymbolen und eine 145-Notfallfunktion jederzeit auf dem Smartphone oder Tablet verfügbar. Das Bundesamt für Gesundheit BAG stellt kostenlos ab April einen ausführlichen Flyer und Karten mit wichtigen Hinweisen zur Verfügung (bestellen über www.cheminfo.ch). Während kurzer Zeit können dort auch gratis Schutzhandschuhe bestellt werden, die vor ätzenden chemischen Produkten schützen.

Weitere Informationen auf der Internetseite der Kampagne zum sicheren Umgang mit Chemikalien

Katharina Zaugg und ihre Bücher

http://www.coopzeitung.ch/8059112 In der Putzschule: Der Lappen des Lächelns

Katharina Zaugg wurde 1950 geboren und hat Ethnologie und Anglistik studiert. 1988 gründete sie ihre Reinigungsfirma Miteinand Putzen GmbH, dann die international tätige Putzschule. Sie lebt und arbeitet in Basel.

Dazu hat sie drei Bücher zum Thema Putzen geschrieben: «Wellness beim Putzen», «Reinkultur» und «Putzrezepte» (mit DVD). Sie sind ab Ende März über den Synergia-Vertrieb im Handel erhältlich oder für Fr. 23.–, Fr. 20.– und Fr. 37.50 (jeweils plus Fr. 5.– Versandkosten)

Bestellen Sie die Bücher von Katharina Zaugg auf der Internetseite unserer Partnerbuchhandlung

Diskutieren Sie mit in den Kommentaren:

«

Machen Sie einen Frühlingsputz?»

Kommentare (3)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Katalin Vereb

Redaktorin, Kolumnistin

Foto:
Patrick Lüthy, zVg
Veröffentlicht:
Freitag 22.03.2013, 08:30 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:




Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?