200 Folgen innert zehn Monaten: Beim Dreh von «Rote Rosen» wird Hauptdarstellerin Sandra Speichert höchste Konzentration abverlangt.

Sandra Speichert: «Ich bin ein extremer Mensch»

Schauspielerin Sandra Speichert (42) über die Telenovela «Rote Rosen», ihren Schweizer Bezug und ihren «knallzarten» Charakter.

Coopzeitung: Wann haben Sie zuletzt rote Rosen geschenkt bekommen?
Sandra Speichert: Im Oktober zu Drehbeginn! (lacht) Es waren Freunde, die sie mir bringen liessen, um mir Glück zu wünschen.

Was bedeuten Ihnen Blumen?
Sehr viel! Ich habe zu Hause in Südfrankreich einen grossen Garten, obwohl ich keinen grünen Daumen besitze. Meine Lieblingsblumen sind Rosen, Lilien, Hortensien und Orchideen – und immer in Weiss!

Dann kann ein Mann Ihr Herz mit den üblichen roten Rosen wohl kaum erobern?
Es ist zwar lieb gemeint, wenn Männer meinen, wir Frauen wären für solche Geschenke zu emanzipiert, aber das stimmt nicht. Frauen freuen sich über das unscheinbarste Blümchen, auch gerne aus dem Garten!

Der Titel dürfte dennoch nicht der Grund gewesen sein, weshalb Sie sich auf die Telenovela «Rote Rosen» eingelassen haben ...
Nein, die Hauptrolle in einer Fernsehserie spielen zu dürfen, betrachte ich als veritables Geschenk. Seit Jahren ist die Situation für uns Schauspieler sehr schwierig, weil immer weniger produziert wird. So habe ich die Herausforderung, 200 Folgen à 45 Minuten innert zehn Monaten zu drehen, gerne angenommen und gebe mein Bestes.

Wie würden Sie die Figur Vera Christiansen charakterisieren?
Ich verwende gerne den Ausdruck «knallzart», denn sie ist eine erfahrene Geschäftsfrau und alleinerziehende Mutter, aber auch sehr leidenschaftlich und sensibel. Und sie verliebt sich in ihren grössten Konkurrenten.

Habe ich nicht gelesen, dass Sie selbst als «knallzart» apostrophiert worden sind?
Stimmt, so hat man mich tatsächlich bezeichnet. Deshalb passt die Rolle auch so gut zu mir. Vera und ich haben viel gemeinsam.

Welche Erfahrungen haben Sie in den ersten Monaten mit diesem Riesenpensum gesammelt?
Ich musste ganz viel und ganz schnell lernen. Zuvor hatte ich nur Gastauftritte in Serien, aber noch nie eine durchgehende Hauptrolle. Bei «Rote Rosen», wo wir in der Regel eine Folge pro Tag drehen, musst du ganz schnell auf den Punkt kommen. Wir drehen simultan mit drei Kameras. Das ermöglicht ein höheres Tempo. Das schaffen wir aber nur, weil in unserem Team eine tolle Energie herrscht und jeder dem anderen hilft, an seine Grenzen zu gehen.

«

Mit 18 Jahren hatte ich Lust, mich komplett zu verändern»

Wie sieht ein typischer Drehtag aus?
Ich werde um 6.30 Uhr vom Haus, das ich ausserhalb von Lüneburg gemietet habe, abgeholt und ins Studio oder zum Aussendreh gefahren. Dort muss ich zuerst in die Maske, dann arbeiten wir meistens bis 19 Uhr.

Aber dann haben Sie wohl noch nicht Feierabend ...
Nein, Zeit für Erholung bleibt werktags nicht viel. Wenn es das Wetter erlaubt, setze ich mich eine halbe Stunde in meinen kleinen Garten, atme tief durch und tue sonst gar nichts. Danach muss ich schon wieder für den nächsten Drehtag Text lernen. Den Charme von Lüneburg mit der Ilmenau, den alten Häusern und schönen Gassen, kann ich nur am Wochenende geniessen.

All das findet man auch in Ihrer Geburtsstadt. Weshalb sind Sie eigentlich in Basel auf die Welt gekommen?
Meine Eltern lebten längere Zeit dort, weil mein Vater in der Pharmaindustrie tätig war. Einige Monate nach meiner Geburt zogen wir aus beruflichen Gründen weiter nach Holland, Belgien und Frankreich. In Paris habe ich den grössten Teil meiner Jugend verbracht. Die Schweiz kenne ich trotzdem gut und besuche gerne meine Tante in Basel und Freunde in Lausanne.

Weshalb leben Sie seit sechs Jahren in Nizza, obwohl Sie hauptsächlich in Deutschland drehen?
Ich fühle mich als halbe Französin und träumte schon immer davon, ans Mittelmeer zu ziehen. Bevor meine Kinder schulpflichtig wurden, habe ich sie spontan ins Auto gepackt und bin mit ihnen Richtung Süden gefahren, um uns ein Haus zu suchen. Ich liebe die mediterrane Lebensart. Die Sonne macht die Menschen fröhlicher und offener. Ich finde es ausserdem toll, dass meine Kinder so naturnah zwischen Bergen und Meer aufwachsen können.

Wie organisieren Sie sich, wenn Sie in Lüneburg drehen?
Ich kann nur solange weg sein, weil sich während meiner Abwesenheit in Nizza meine Eltern und gute Freunde um meine Zwillinge kümmern. Die Schulferien verbringen Siena und Lino bei mir in Lüneburg.

Heute tragen Sie Ihre Haare lang. Als Sie Ihren Durchbruch schafften, waren sie noch kurz. Pariser Chic?
Ich bin einfach ein extremer Mensch. Mit 18 Jahren hatte ich Lust, mich komplett zu verändern und liess mir die Haare kurz schneiden. Als ich die Rolle einer Krebskranken in «Versprich mir, dass es den Himmel gibt» bekam, schlug ich dem Regisseur vor, mir den Kopf zu rasieren. Das war für mich nur logisch und konsequent. Danach haben mich die kurzen Haare noch zehn Jahre begleitet – bis zu meiner Schwangerschaft, während der mein Partner und ich uns getrennt haben.

Sandra Speichert

Geburtsdatum: 22. Januar 1971 in Basel
Zivilstand: ledig, zweieiige Zwillinge (12)
Wohnort: Nizza
Laufbahn: Ballett- und Schauspielunterricht, Theater, 1994 Kinodebüt mit «Profil Bas» («Romy Schneider Preis» für die beste französische Nachwuchsschauspielerin), «Still Movin’», «Der Campus». TV-Filme wie «Die Halbstarken», «Der Zauber des Regenbogens», «Das Traumhotel» usw.
Aktuell: Hauptrolle in der Telenovela «Rote Rosen» (ARD, werktags, 14.05 Uhr)

Homepage von Sandra Speichert

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Thomas Lüders
Veröffentlicht:
Montag 18.03.2013, 14:49 Uhr

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