Erdbeere: Die Herzensbrecherin

Kindheit und Erd­beeren, das ist wie Sommer und Sonne. Die erste Erfahrung mit der Frucht ist eine unschuldige. Doch seit François Villon steht sie auch für die Verführung.

Sommerliches Dessert: Erdbeeren sind schon für sich allein ein Genuss. Wer das noch toppen möchte, kombiniert die Frucht mit einer Kugel Vanilleglace, etwas Schlagrahm und ein paar Pfefferminzblättern.

Sommerliches Dessert: Erdbeeren sind schon für sich allein ein Genuss. Wer das noch toppen möchte, kombiniert die Frucht mit einer Kugel Vanilleglace, etwas Schlagrahm und ein paar Pfefferminzblättern.
Sommerliches Dessert: Erdbeeren sind schon für sich allein ein Genuss. Wer das noch toppen möchte, kombiniert die Frucht mit einer Kugel Vanilleglace, etwas Schlagrahm und ein paar Pfefferminzblättern.

Keine Kindheitserinnerung ohne Erdbeeren. ­Jedes Kind liebt sie, sie sind die ersten leuchtend-roten Beeren im Jahr. Sie haben von vornherein die perfekte Grösse, keinen Kern, und man kann sie zwischen Zunge und Gaumen süss und saftig zergehen lassen. Für Kinder haben sie einen weiteren unschlagbaren Vorteil: Weil sie so knapp über dem Boden wachsen, sind Erdbeeren eine leichte Beute, jedes auch noch so kleine Kind kann sie selbst ergattern und die Grossen müssen für ein Mal auf all ihre Privilegien der Über­legenheit verzichten. Erdbeeren ­verstehen etwas von sozialer ­Gerechtigkeit, Sommer, Gaumenfreuden, Unschuld. Bildende Kunst und christliche Religion erhalten übrigens den unschuldigen Charakter der Beere, die eigentlich eine Sammelnussfrucht ist, aufrecht. So symbolisiert sie auf Gemälden oft Demut und Bescheidenheit und wird mitunter als ­Attribut von Maria eingesetzt.

Aber die Sache mit der kindlichen Unschuld lässt sich in Bezug auf die Erdbeere nicht ungebrochen aufrecht- erhalten. Man ahnt es schon, mit ihrer knallroten Farbe hat die Schöpfung der Erdbeere ein laszives Signal mit auf den Weg gegeben. Was glauben Sie, wie viele Millionen Franken die Lippenstifthersteller investiert haben, um genau dieses Erdbeerrot, wisch-, wasser- und kussecht hinzukriegen? «Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund, ich schrie mir schon die Lungen wund» – das tönt wie ein Songtext der «Fantastischen Vier» anno 2010. Dabei sind es die ersten Zeilen aus der «verliebten Ballade für ein Mädchen namens Yssabeau» von François Villon Mitte 15. Jahrhundert. Etwas weiter unten in seinem Lied führt Villon fort: «Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar, da schlief ich manches Sommerjahr bei dir und schlief doch nie zuviel».

Villons sommerliche Erdbeer-Fantasien waren alles andere als unschuldig ... Wenn Sie nun also jedes Mal erröten müssen, sobald Sie eine Erdbeere geniessen, vergessen Sie Villon am besten schnell wieder. Doch die Liebe und die Gaumenfreuden sind einfach eng miteinander verknüpft. Einige Völker benutzen für «essen» und «Liebe machen» dieselben Worte! Im Deutschen sagt man für Letzteres sogar «in die Erdbeeren gehen». Da haben wir es wieder: Erdbeeren haben offenbar einen sehr vielschichtigen «Charakter» und dieses Thema ist komplex.

Kehren wir lieber in die Küche zurück. In guten Erdbeeren lassen sich 360 geschmacksrelevante Substanzen nachweisen. So ist nicht nur ihre Farbe unnachahmlich, sondern auch ihr einzigartiges Aroma. Und das macht sich nicht nur gut in Konfitüren oder als tiefgefrorerenes Püree, als kleine Fruchtstückchen in der Glace, frisch auf einer ­feinen Sommertüte mit Rahm. Erdbeeren kann man seit einiger Zeit auch gut mit Aceto Balsamico, Rucola und Parmesanbröckchen oder auch mit Pfeffer abgestimmt servieren. Erdbeeren sind und bleiben eben, sagen wir mal, vielseitig.?

Sensibelchen: Erdbeeren sind empfindsam

Bis sich der Aufwand für den Erdbeeranbau wirtschaftlich lohnte, brauchte es lang. Dass die sensible Frucht aber auch nach vielen Jahrtausenden noch kein Pro-Specie-Rara-Produkt geworden ist und zu jeder Zeit mit Genuss verzehrt wurde, spricht unbedingt für sie. Denn immerhin haben schon die Steinzeitmenschen Erdbeeren geliebt. Erdbeeren haben kalte Winter gern, doch Nässe, Dauerhitze oder plötzliche Kälteeinbrüche setzen ihnen sofort zu. Mit einem starken Regenschauer oder gar Hagel im Frühsommer riskieren die Produzenten oft ihre ganze Ernte. Wie Pilze leidet die Frucht auf langen Transporten, und Erdbeeren werden auch nicht gerne mit viel Wasser gereinigt. Nach dem Einkauf innerhalb von zwei bis drei Tagen verzehren oder mit etwas Zucker pürieren und einfrieren.

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Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Sonntag 24.07.2011, 19:40 Uhr

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