Geschlechterstudien

Er und sie verwechseln sie und er.

Sybil Schreiber: Einige Tage nach der Geburt der drei Hundebabys wollte es Schneider genau wissen: Er drehte die Welpen um und sah nach. «Ein Junge, schau mal!», Schneider zeigte auf etwas, das Rüden haben, wenn sie Rüden sind. Ich nickte. Er ergänzte: «Habe ich mir schon gedacht, ist ja auch ein echter Turbo, unser Brummer!»  Dann wendete Schneider die beiden anderen. Bloss ein Restchen Nabelschnur. Ich schrieb in mein Geburtsbuch: drei gesunde Welpen, zwei Mädchen, ein Rüde.
Wir wiegen die Kleinen seither regelmässig, und der Rüde macht Tempo: Drängelt sich vor, schmatzt beim Trinken und braucht deutlich mehr Platz als seine Schwestern. Nach zwei Wochen bringt er anderthalb Kilo auf die Küchenwaage.

«

Drei Welpen, zwei Mädchen, ein Rüde.»

Schneider meinte stolz: «Ein Prachtskerl!»Jetzt ist unsere Hundefachfrau aus dem hiesigen Tiergeschäft da, um die Hunde zu entwurmen. Auch sie schaut kurz nach dem Rechten. «Zwei Rüden und ein Weibchen», erklärt sie. Ich widerspreche: «Nein, nein, das sind zwei Mädchen, Sie verwechseln da was, das ist die Nabelschnur!» Die Hundefachfrau lacht und schüttelt den Kopf. Und mir wird klar, dass ich – ganz offensichtlich – kein Hundeprofi, sondern nur Hundeoma bin. sagt nach einer Weile: «Gell, du weisst schon: Sie bekommt die Kleinen, nicht du.»

Steven Schneider: Schreiber empfängt mich abends an der Haustüre: «Wusstest du, dass dein sogenannter Prachtskerl ein Weibchen ist!»

«

Die zwei Weibchen sind also Jungs?»

«Balu? Der ist garantiert ein Männchen», entgegne ich, ziehe die Schuhe aus und gehe zur Wurfkiste. «Der Zipfel, den du gesehen hast, war nicht, was du dachtest», sagt Schreiber und erzählt, was die Hundefachfrau alles herausgefunden hätte. «Und sowieso: Eindeutig zuordnen lassen sich bei den Hundebabys nur die Weibchen.» Ich blicke in die Wurfkiste, in der die drei Welpen selig pennen. «Dann sind die zwei kleinen Weibchen also Jungs?»
Sie kichert.  «Tu nicht so», sage ich. «Du hast es ja auch nicht besser gewusst, hast doch immer gesagt: ‹Typisch Mann›, wenn sich Balu vorgedrängelt und breitgemacht hat.»

Sie seufzt: «Balu können wir ihn, – also sie –, jetzt auch nicht mehr nennen. Und die süsse Dschiny ist ein Junge. Immerhin geht der Name Pünktchen auch für ein Männchen.» Ich kratze mich am Kopf. Wir haben ganz munter und in völliger Überzeugung unseren Welpen weibliche und männliche Charakterzüge zugewiesen und lagen dabei komplett falsch. Es ist doch immer wieder mal heilsam, wenn man merkt, wie schnell Vorurteile reine Fehlurteile sind.

(Coopzeitung Nr. 13/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 25.03.2013, 08:22 Uhr

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