Frank Baumann: «Für mich ist Golf vor allem eine wunderbare Art, mit netten Menschen und hin und wieder einem Hasen, der über den Fairway hoppelt, Zeit zu verbringen!

Frank Baumann: «Lerne zu leiden, ohne zu klagen»

Multitalent Frank Baumann (55) über sein humorvolles Golfbuch «Single in 365 Tagen» und wie er dabei seine Ehe aufs Spiel setzte.

Coopzeitung: Wissenschaftler sagen, dass sich das Gehirn von Menschen, die spät Golfspielen lernen, schon nach 40 Stunden äusserlich verändert hat.
Frank Baumann: Bei normalen Menschen gleicht das Gehirn ja einem Blumenkohl, bei mir ist es einfach rund wie ein Golfball und wenn ich den Kopf schüttle, klackert es! Aber ernsthaft: Golf ist ein Spiel, das auch das Hirn anregt und fordert.

Wie haben Sie vor 20 Jahren über diesen Sport gedacht?
Ich hielt Golf nicht für einen Sport, sondern für eine Altherrenbeschäftigung der oberen Zehntausend, und die sind eh zu arrogant, als dass man mit ihnen etwas zu tun haben will.

Weshalb haben Sie trotzdem damit begonnen?
Der Lehrer unseres Sohns, der damals 14 und sehr lebhaft war, riet uns, er möge Golfspielen lernen. Da müsse man sich konzentrieren und bei der Sache bleiben. Darauf habe ich Maximilian zu den Stunden gebracht. Anfänglich las ich während der Wartezeit die Zeitungen vorwärts und rückwärts oder ganze Bücher. Dann wollte ich selbst Golfspielen lernen und wenn schon, dann richtig.

Wie rasant hat sich Ihr Handicap entwickelt?
Ich hatte schon immer ein gutes Gespür für alles Spielerische. Eigentlich habe ich ein Talent für alles, was man im Leben nicht unbedingt braucht. Das macht den Alltag zwar nicht einfacher, aber hier hat es geholfen. Allerdings hielt ich den Schläger anfänglich völlig falsch – behauptete jedenfalls mein Golflehrer Michael Buchter. Er fragte, ob ich Linkshänder sei; solche unterrichte er sowieso nicht! Da habe ich mich umgestellt und mich richtig reingekniet.

Woher nahmen Sie die Motivation für diesen Effort?
Als ich Buchter sagte, mein Ziel sei es, auf jedem Platz spielen zu können, antwortete er, dafür müsse man Handicap 28 oder 26 haben; dies zu erreichen werde sehr lange dauern! Doch ich behauptete keck, dies bis Ende Saison zu schaffen – dies führte zur ersten von vielen Wetten zwischen uns. Er hielt sein Profigolfschlägerset gegen eine Kiste Bordeaux. Und mir gelang Handicap 18.

Wie ist das zu schaffen?
Ich bin völlig entspannt an die Sache herangegangen und habe nur gemacht, was er mir gesagt hat. So kam ich mit seiner Hilfe im zweiten Jahr auf Handicap 12 und im dritten auf Handicap 9 herunter und war somit nach ziemlich genau 365 Tagen auf dem Golfplatz ein Single-Handicapper!

Viele Golfverrückte bezahlen das mit ihrer Ehe.
Am Anfang lebte meine Frau mit Maximilian in Vals, wo er sein letztes Schuljahr absolvierte. So hatte ich in Zürich Zeit, jeden Tag zu trainieren. Frühmorgens, über Mittag oder abends. Bis die Finger wund waren. Gaby ist ausserdem sehr tolerant und hat die richtige Entscheidung gefällt, als sie fand, dass ich eine Meise hätte: Sie liess sich nicht von mir scheiden, sondern begann ebenfalls. Und jetzt ist sie mit Begeisterung und Handicap 26,9 dabei.

Menschen, die Sie von der aggressiven TV-Sendung «Ventil» in Erinnerung haben, werden sich nun fragen: Ist Frank Baumann durchs Golfspielen ruhiger geworden?
Erstens: «Ventil» ist 20 Jahre her. Ich hätte einen Mord, vielleicht sogar einen Doppelmord begehen können und wäre schon wieder frei! Zweitens: Eine Golf-Grundregel heisst: «Hit it, forget it, walk!» Du machst den Schlag, schaust ihm nach und ziehst deine Konsequenzen. Sich darüber zu ärgern schadet nur dem weiteren Verlauf der Runde.

Sind Sie demütig geworden?
Demut ist ein grosses Wort, das ich eher in einem philosophischen Kontext verwenden würde. Wenn du in Afrika auf der Strasse Kinder sterben siehst, wirst du demütig. Im Zusammenhang mit Golf würde ich sagen: Du lernst zu leiden, ohne zu klagen, lernst, dass der Fehler immer bei dir liegt oder der Ball an manchen Tagen einfach nicht ins Loch will.

«

Eigentlich habe ich ein Talent für alles, was man im Leben nicht braucht.»

Welche Rolle spielt der soziale Aspekt?
Für mich ist Golf vor allem eine wunderbare Art, mit netten Menschen und hin und wieder einem Hasen, der über den Fairway hoppelt, Zeit zu verbringen! Und wenn man sich in den viereinhalb Stunden auf dem Platz verstanden hat, folgt eine Runde im Clubhaus. Was willst du mehr?

Ihr bisher grösster Frust?
Nach einem Wahnsinnsschlag aufs Grün hab ich mal mein iPhone aufgestellt, um aufzunehmen, wie ich nun auch noch den langen Put versenke. Als mir das tatsächlich gelungen war, schickte ich das Video voller Stolz meiner Frau. Jeder meiner Golffreunde hätte geschrieben, was ich für ein «Sibesiech» sei, sie aber antwortete: «Und ich dachte, du wärst im Büro ...». Das hat wirklich wehgetan!

Was hat Sie dazu gebracht, ein Buch übers Golfspiel zu schreiben?
Ich habe schon manche spektakuläre Reportage gemacht, war in Krisengebieten und habe über meine Unterbindung geschrieben, aber nie hatte ich so viel Resonanz wie auf meine Kolumne in der Zeitschrift «Golfsuisse». So meinte meine Frau: «Schreib doch mal ein Buch über deine Leidenschaft!» Und ich habe gehorcht.

Frank Baumann

Beruf: TV-Produzent, Autor, Kommunikationsfachmann
Geboren: 28. August 1957 in Zürich
Wohnort: Gockhausen ZH
Zivilstand: verheiratet, Tochter Lina (24), Sohn Maximilian (21)
Laufbahn: Wirtschaftsgymnasium, Radio 24, satirische Zuschauerreklamationssendung «Ventil», weitere TV-Formate wie «Genial daneben» und «Ein Fisch für 2», Kabarettprogramm, Kinderbuch «König Alphons und Kurt, das Kamel».
Aktuell: Talksendung «Ein Tisch für 2» (Sonntag, Tele Südostschweiz), künstlerischer Leiter Arosa Humor-Festival
Soeben erschienen: «Single in 365 Tagen», direkt bestellen bei golf@woerterseh.ch (Fr. 36.90, inklusive Porto und Verpackung).

Weitere Informationen zum Buch auf der Internetseite des Wörtersee Verlages

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Mein eigenes. „Sngle in 365 Tagen“ Ein lustiger Leidfaden für Golfer. Obwohl ich es selber geschrieben und gehzeichnet habe, muss ich zwei, drei mal schmunzeln.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Mungo Park in T.C. Boyles Wassermusik".

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Meine Frau.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Django unchained mit dem unglaublichen Christoph Waltz.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
In The Mood“ aus dem Jahre 1987. Wir sahen ihn in damals in Boston. Eine absolut rasende Geschichte!

Ihr Lieblings-Filmheld?
Tommy Lee Jones. Er ist immer so extrem fröhlich.

Was für Musik hören Sie gerade?
Die Rumänische Rhapsodie No. 1 von George Enescu,

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Michele Petruciani, Solo, live in Paris, mit dem einzigartigen Stück„Caravan“

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Lang Lang

Was kochen Sie selbst?
Ich kann zwar nicht wirklich kochen, aber ich schrecke vor nichts zurück.

Ihre Lieblingsspeise?
Penne Carbonara, Lasagne

Ihr Lieblingsgetränk?
Wein

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit der Familie.

Und wo essen Sie am liebsten?
Zu Hause in Vals.

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Da bin ich jetzt grad ein bisschen im Zugzwang.

Wein oder Bier?
Ich hasse Bier.

Pasta oder Fondue?
Pasta im Fondue ist eines meiner ganz grossen Spezialgerichte.

Joggen oder Walken?
Golfen.

Berge oder Meer?
Berge.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Gaby

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ich will eigentlich gar kein Tier sein.

Wovon träumen Sie?
Die Träume sind frei.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Der Moment.

Weitere Informationen auf der Internetseite von Frank Baumann
Gewinnen Sie bis Montag 29. März 2013 ein Exemplar von Frank Baumanns Buch

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Willy Spiller
Veröffentlicht:
Dienstag 26.03.2013, 11:45 Uhr

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