«Sie drängt sich dauernd und in den unpassendsten Momenten vor»: Sandra Studer über ihre Rolle als «Lady of the Lake».

Sandra Studer: «Ich bin die Fee aus dem See»

Sängerin Sandra Studer (44) über ihre Rückkehr zum Musical in «Monty Python‘s Spamalot» und ihre gar nicht dämlichen anderen Seiten.

Coopzeitung: Was hat Sie nach sieben Jahren Pause gereizt, wieder auf einer Bühne zu singen?
Sandra Studer: Ich wusste ja,  dass meine Sendung «Stars» Ende 2012 ausläuft. Da konnte ich «Spamalot» annehmen – anders als frühere Angebote. Ich hatte auch grosse Lust, wieder einmal mit Dominik Flaschka zusammenzuarbeiten; unter seiner Regie hatte ich schon in «Drei Bräute für ein Halleluja» gespielt.

Welche Beziehung haben Sie zu Monty Python?
Ich liebe diese schräge englische Komikertruppe! Als ich «Spamalot», das auf ihren Filmen und Liedern basiert, vor drei Jahren zufälligerweise mit meinen beiden Schwestern und meiner Cousine in Madrid sah, war ich sofort begeistert – lustig und schräg von A bis Z.

Wie unterscheidet sich Ihre Fassung von der spanischen?
Es sind nicht nur deutsche statt spanische Texte. In Madrid handelte es sich um eine viel aufwendigere Produktion in einem riesigen Musicaltheater. Die starke Redimensionierung, die fürs Theater am Hechtplatz nötig war, schadet jedoch überhaupt nicht. Monty Python spielen damit, Dinge zu behaupten, die gar nicht da sind, und das tun wir halt ein bisschen verstärkt. Das gibt dem Ganzen noch etwas mehr Trash als in der Vorlage.

Sie spielen die «Fee aus dem See». Wer ist das?
Im Film «Die Ritter der Kokosnuss», auf dem das Musical basiert, gibt es die Fee nicht. Die Autoren fanden wohl, dass sie für die Bühne eine Frauenrolle kreieren müssen, weil das Stück sonst extrem testosteronlastig wäre. Nach der Sage hat die «Lady of the Lake» König Artus das magische Schwert Excalibur gegeben; im Musical ist die Fee vor allem die Person, die sich dauernd und in den unpassendsten Momenten vordrängt!

Wo liegen die grössten Herausforderungen Ihrer Rolle?
Meine Parts bringen mich ganz schön ins Schwitzen. Teilweise muss ich in Höhen singen, in die ich mich seit meinen Sopran-Chor-Tagen nicht mehr gewagt habe. Dafür bin ich noch in Übung, wenn es darum geht, schwere Roben zu tragen!

Treten Sie erstmals im Theater am Hechtplatz auf?
Ich habe noch nie dort gesungen. Nachdem wir nun sechs Wochen in der Roten Fabrik geprobt haben, bin ich schon sehr gespannt, wie es uns gelingen wird, «Spamalot» in diesem winzigen Theater aufzuführen. Wer seine Eingeweide kennt, fragt sich nur schon, wo unsere 120 Kostüme Platz finden sollen. Ich glaube, ich werde mich nebenan im «Starbucks» umziehen müssen ... Aber ich kenne das Theater seit meiner Kindheit: Meine Mutter – eine Spanierin! – schleppte mich immer in die Vorstellungen der Zürcher Märchenbühne und amüsierte sich ob Jörg Schneider, Ines Torelli und Paul Bühlmann köstlich.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrer Alternativbesetzung Marlen Oberholzer?
Wir verstehen uns super und haben die Rolle wie Zwillingsschwestern gemeinsam geprobt. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie die Fee in 16 Vorstellungen spielt, weil mir alle 40 mit meinen Mama-Pflichten zu viel gewesen wären.

Worauf muss Ihre Familie momentan verzichten?
Auf gar nichts. Wenn ich tagsüber probe, bin ich abends zu Hause. Ich habe zwar weniger Zeit zum Kochen, aber das kann mein Mann eh besser. Ausserdem habe ich eine 19-jährige Nichte, die ich als Babysitter engagiere, und meine 12-jährige Tochter hütet ihre beiden kleinen Schwestern ab und zu auch ganz gerne.

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Ich habe weniger Zeit zum Kochen, aber das kann mein Mann eh besser.»

Sie haben in «Stars» die unbekannten Seiten Ihrer Gäste gezeigt. Was weiss man von Ihnen noch nicht?
Ich gestehe: Ich bin überhaupt keine elegante Dame! Dieses Image ist allein aufgrund der Moderation von TV-Galas entstanden, bei denen elegante Kleider mein Arbeitsgewand sind. Ich finde die zwar wunderschön, aber ich mag es privat lieber bequem mit Sweatshirt und Jeans. Aber ich habe keine geheimnisvolle, dunkle Seite. So gesehen bin ich eine Langweilerin.

Werden Sie in Ihrem Ferienhaus im Münstertal mutig?
Es ist einfach ein Rückzugsort. Ich habe ihn durch meinen Mann schätzen gelernt, der ein Naturfreak, Bergsteiger und Velofahrer ist. Ich dagegen bin ein sehr urbaner Mensch. Deshalb verstehe ich, dass meine Kinder zusammenzucken, wenn wir sie anweisen, ihre Wanderschuhe zu schnüren.

Zucken Sie auch zusammen, wenn ich Sie auf die Erfolgsaussichten der Schweiz am Eurovision Song Contest in Malmö anspreche?
Ich finde es schade, dass sie nicht in ihren Heilsarmeeuniformen auftreten dürfen. Die hätten dieses Gaga-Potenzial, das am ESC hilfreich ist. Nun müssen sie als gewöhnliche Popband an den Start. Das wird schwierig, aber ich drücke wie immer die Daumen!

Sandra Studer

Beruf: Sängerin, TV-Moderatorin
Geburtsdatum: 10. Februar 1969 in Zürich
Wohnort: Zürich
Zivilstand: verheiratet mit dem Juristen Luka Müller, vier Kinder (14, 12, 6, 5)  
Laufbahn: 1991 Platz 5 mit «Canzone Per Te» am Eurovision Song Contest unter dem Nachnamen ihrer Mutter (Simó). Sängerin im Musical «Keep Cool» und in der Revue «Drei Bräute für ein Halleluja», TV-Moderatorin von Shows wie «Takito» und «Traumziel», SRF-Spezialsendungen, der Gesprächssendung «Stars» und der «Swiss Award»-Gala (2002 bis 2012).  
Aktuell: 11. April bis 8. Juni «Spamalot – Die Ritter der Kokosnuss» (24 der 40 Vorstellungen), Theater am Hechtplatz, Zürich. 20. Mai Moderation SRF-Spezial aus dem Zürcher Opernhaus.

Spamalot zu Gast bei "Wetten, dass..?" am 21.03.2009

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
„Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ von Thomas Meyer.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Toni Buddenbrook, ihr schulde ich noch etwas. Ich habe ihr meine Lizarbeit gewidmet, die nie fertig geworden ist...

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Ich sehe sie nicht als Vorbilder, sondern als Inspiration. Zum Beispiel Alice Schwarzer oder Lea Wyler, die die Hilfsorganisation ROKPA gegründet hat.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
„More than honey“ von Markus Imhoof.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Einen meiner Lieblinge „Il Postino“ von Michael Radford.

Ihr Lieblings-Filmheld?
Den hatte ich nur als Kind: Superman. Und nur, weil ich in Christopher Reeve verliebt war.

Was für Musik hören Sie gerade?
Im Moment höre ich Jamie Cullum rauf und runter.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Eine Best-of von Sting.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Lieber eins singen. Mit Sting.

Was kochen Sie selbst?
Am liebsten Currys in verschidensten Variationen.

Ihre Lieblingsspeise?
Eine aufwändig gemachte Paella.

Ihr Lieblingsgetränk?
Schwerer Rotwein.

Mit wem essen Sie am liebsten?
An einem grossen Tisch mit Familie und Freunden.

Und wo essen Sie am liebsten?
Zu hause, wenn alle gemeinsam kochen.

Mac oder PC?
Mac.

Auto oder Zug?
Meistens Auto.

Wein oder Bier?
Definitiv Wein.

Pasta oder Fondue?
Pasta forever.

Joggen oder Walken?
Joggen. Einmal die Woche.

Berge oder Meer?
Unbedingt beides.

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Als ich mit meiner ältesten Tochter den Film „Betty und ihre Schwestern“ gesehen habe.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Indem man Selbstironie an den Tag legt und unschweizerisch bösen Humor zeigt.

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Eines ohne Fell, weil ich allergisch bin. Vielleicht eine Schildkröte?

Wovon träumen Sie?
Von Tagen, an denen ich morgens aufstehe und frei wählen kann, was ich heute denn so machen möchte.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Mit meiner Familie zusammen zu sein und meine Kinder gesund heranwachsen zu sehen.

Homepage von Theater am Hechtplatz

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Mittwoch 03.04.2013, 17:24 Uhr

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