Zum Kuckuck!

Weder er noch sie sind abergläubisch. Oder?

Sybil Schreiber: Ich bin grad dabei, mein Gemüsebeet im Garten auf Frühling zu trimmen, als ich ihn höre. Tatsächlich. Ich halte inne. Der Kuckuck. Rasch fasse ich in meine Schmuddeljackentasche: Krümel, Taschentücher, ein Gummibärchen. Aber kein Geld.

«

Bescheiden bleiben, denke ich, und stecke den Fünfräppler ein.»

Ich beschliesse, dem Volksglauben auf die Sprünge zu helfen und renne ins Haus. Fünf Rappen oder fünf Franken? Bescheiden bleiben, denke ich, und stecke den Fünfräppler ein. Zurück im Garten herrscht aber nur Ruhe. Komm schon, Kuckuck, ruf! Stattdessen höre ich ein anderes Geräusch, das sich rasch nähert. Schneider. Er pfeift vergnügt in Samstagmorgenlaune. Als er mich sieht, sagt er: «Kannst aufhören, wir stellen einen Gärtner ein.» Ich lache. Er strahlt: «Ich habe vorhin den Kuckuck gehört und hatte doch tatsächlich Geld in der Tasche.»  «Du glaubst doch etwa nicht daran, oder?», sage ich. «Natürlich nicht. War nur ein Witz. Du etwa?»
Nun, seit ich den Klodeckel immer schliesse, weil gemäss Feng Shui Geldenergie durchs Klo abfliesst, gehts uns finanziell besser. Natürlich sage ich das niemandem. Ich drücke stattdessen Schneider einen Kuss auf die Wange und flüstere: «Wie auch immer, gell, die Kohle teilen wir!»

Steven Schneider: Der Rhein fliesst breit und schnell und nur wenige Minuten von unserer Haustüre entfernt. Jetzt, da die ersten Blätter spriessen, macht der Flussspaziergang mit unserer Hündin Lilla noch mehr Spass. Ich schaue nach Bibern, die hier öfters am Ufer unterwegs sind, aber es ist etwas anderes, das meine Aufmerksamkeit gewinnt: «Gu-kuh, gu-kuh», rufts aus dem Uferwald, mit Betonung auf der ersten Silbe.

«

Wäre ein hübscher Zufall, wenn ich eine Münze dabei hätte.»

Nur so zum Spass greife ich in die Hosentasche. Nicht, dass ich abergläubisch bin, überhaupt nicht. Aber es wäre ein hübscher Zufall, wenn ich eine Münze dabei hätte. Es heisst ja: Wer beim ersten Ruf des Kuckucks Geld in der Tasche hat, lebt ein Jahr lang ohne Geldsorgen. Das wär doch was! Ich greife in die Hosentasche: Sie ist bis auf ein Robidogsäcklein leer. Schmunzelnd durchforsche ich die linke. Nichts. Meine Hand wandert in die Jacke. Ein weiteres Robidogsäcklein. Auf einmal werde ich etwas nervös. Volksglauben ist natürlich nichts Wissenschaftliches; rein psychologisch gesehen wäre es jedoch gar nicht so schlecht, eine Münze zu finden. Unentschlossen gehe ich ein paar Schritte weiter. Könnte es doch sein? Zögernd greife ich nach der letzten Chance ...

(Coopzeitung Nr. 15/2013)

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Mittwoch 10.04.2013, 14:38 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Mägert Andrea antwortet vor 2 Monaten
Die Kündigung
Hiermit Kündige ich meine Coop ... 
Miguel de Antony y Maura antwortet vor 2 Monaten
Der längste Tag
Wie schon oft irrt sich Frau S ... 
Die Kroatin antwortet vor 2 Monaten
Schweizer Hymnen
Numme e so näbebii... die kroa ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?