Lange war der Igel krank …

… jetzt rennt er wieder, Gott sei Dank! Die Behandlung in der Tierarztpraxis rettet einem kleinen Igel das Leben. Doch mit dem Katzenfutter mag er sich nicht anfreunden.

Der Igel rollte sich zusammen und zeigte seine spitzen Stacheln, dazu liess er ein Fauchen vernehmen. Er wollte sich nicht berühren lassen. Doch seine Atmung hörte man von Weitem. Er «charchelte» und seine mageren Flanken hoben und senkten sich krampfhaft. Der Igel litt an Lungenwürmern. Diese Parasiten leben im Zwischenwirt, der Schnecke. Isst der Igel die Schnecke, entwickelt sich der Wurm in der Igellunge und beeinträchtigt seine Atmung. Der Igel hatte keine Kraft mehr. Er schnoberte matt in seinem neuen Gehege herum und legte sich anschliessend erschöpft auf die Seite.

Igel fühlen sich nicht wohl in Gefangenschaft. Sie suchen als Wildtiere einen Ausgang aus dem Gehege und werfen dabei all ihre Futtergeschirre durcheinander. Tagsüber liegen sie etwas versteckt in einer Ecke und warten gestresst und ängstlich, bis sie am nächsten Abend wieder ihren Rundgang machen.

Dieser Igel aber war zu kraftlos. Er lag nur herum. Einzig beim Verabreichen der Medikamente wehrte er sich, um sich dann keuchend wieder auf die Seite zu legen. Normalerweise hätte ich zuerst seine Lungenentzündung kurieren müssen und erst dann ein Lungenwurmmittel verabreichen dürfen. Dieser Igel aber reagierte nicht auf die Antibotika. Also verabreichte ich ihm die Wurmmedikamente. Es war ein letzter Versuch, sein Leben zu retten.

Am nächsten Morgen schlich ich neugierig zum Igelkäfig. Man hörte kein «Charcheln» mehr. Das konnte zweierlei bedeuten: Entweder war er tot – oder die Medikamente hatten gewirkt. Zum Glück war es Letzteres: Kleine, glänzende Knopfaugen und ein Schnüffeln begrüssten mich. Der Igel konnte viel freier atmen. Auch hatte er sein Gehege ganz «igelmässig» zersaust. Umgeworfene Futter- und Wasserschüsseln und ein Versteck aus Stroh und Papier zeugten davon, dass er wieder zu Kräften kam.

Kaum hatte er mich entdeckt, versteckte er sich in seinem Nest. Ich versicherte ihm mit freundlicher Stimme, dass er nach wenigen Tagen wieder in die Freiheit konnte. «Vorher musst du aber noch etwas zunehmen und brav dein Katzenfutter aufessen!» Ein Seufzen, ganz ohne Nebengeräusche, kam als Antwort.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 03.10.2011, 13:20 Uhr

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