Von Fall zu Fall

Der Weg zum Feierabend ist spannungsvoll.

Sybil Schreiber: ach dem Abendessen zieht Schneider aus einer Tüte eine DVD und schwenkt sie in der Luft: «Überraschung! Ich mache die Küche und du bringst die Kinder ins Bett.».

«

Ein wenig Verspätung ist ja wohl kein Unfall»

Er grinst: «Um Viertel nach acht in der Stube. Abgemacht?» Na, klar! Filmabend unter der Woche, noch dazu mit Skyfall –  diesen James Bond habe ich nämlich im Kino verpasst. «Aber bitte pünktlich!», ermahnt mich Schneider.
Ich gehe in den oberen Stock, wo die Mädchen Italienisch-Stunde spielen. «Zeit zum Zähneputzen», rufe ich, was Professoressa Alma mit einem strengen Blick quittiert.
Also gut! Ein paar Minuten gebe ich ihnen und lege Wäsche zusammen. Unten klappert Schneider dramatisch mit dem Geschirr. Ich sollte wohl Tempo machen.
Da betteln meine beiden Töchter: «Mama, bitte erzähl uns von früher, die Geschichte vom leeren Haus und dem Räuber!»
«Erst Zähne putzen!» Sie beeilen sich, und kurz danach liegen wir drei im Familienbett. Ich erzähle von der gruseligen Villa in München, werfe zwischendurch müde einen Blick auf den Wecker: Hoppla, schon halb neun! Wahrscheinlich wird aus Bonds Skyfall ein Schneiderscher Anfall. Aber was solls – ein wenig Verspätung ist ja wohl kein Unfall.»

Steven Schneider: Oben höre ich Getrippel, Getrappel, Gekicher: Schreiber und unsere Töchter bei ihrem Abendprogramm. Während ich unten die Küche in fast neuwertigen Zustand versetze, frage ich mich, wieso es uns nicht gelingt, eine feste Struktur in unsere Abende zu bringen.

«

Die Zeit verrinnt und Schreiber taucht nicht auf.»

Seit über einem Dutzend Jahren sind wir Eltern, wir konnten also etwa 4500 Mal üben. Aber abends drehen die Kinder auf, Schreiber dreht Extrarunden und ich drehe grad im roten Bereich – denn so wird das mit dem gemeinsamen Film ein Reinfall.
Die Kinder gehören einfach zu einer elterntauglichen Zeit ins Bett! Andere schaffen das doch auch! Aber Schreiber findets ja immer sooo süss mit den Kleinen und irgendwann ist sie selbst sooo müde.
Zwanzig nach acht. Die Küche ist sauber, der DVD-Spieler geladen und ich gebe Schreiber zehn Minuten Verlängerung, während der ich mir schon mal das Bonusmaterial ansehe.
Die Zeit verrinnt.
Schreiber taucht nicht auf.
Nach weiteren zehn Minuten gehe ich hoch in die Kinderzimmer. Ich flüstere so laut ich kann Schreibers Namen, da flüstert es aus unserem Schlafzimmer zurück: «Psst, nicht so laut, sonst weckst du sie.» Meine Töchter strahlen mich an.
Schreiber schläft.

(Coopzeitung Nr. 16/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Mittwoch 17.04.2013, 17:28 Uhr

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