Die ältere Dame hütete den auch schon in die Jahre gekommenen Hund gut. Und dieser fühlte sich bei seiner «Babysitterin» ausgesprochen wohl.

Wenn zwei sich guttun

Eine ältere Dame passt regelmässig auf den alten Hund einer Familie auf. Seine Gesellschaft tut ihr gut. Und wenn er krank ist, geht er zu ihr zur Erholung. Doch dann wird sie plötzlich selber krank.

Der alte Hund einer Kundin war gestorben. Sie erzählte mir, dass sie sich keinen neuen Hund mehr leisten könne. Wenn ich aber jemanden wüsste, der einen Ferienplatz suche, wäre sie froh darum.

Wenige Tage später rief mich tatsächlich eine Familie an. Sie wollte für ein paar Tage weg und wusste nicht wohin mit ihrem alten Hund. «Er ist zu alt fürs Tierheim. Irgendwie regt ihn das so auf, dass er nur noch bellt und dann tagelang heiser und verstört ist. Wir suchen etwas Privates, Ruhiges.» Ohne zu zögern gab ich der Familie die Telefonnummer der neuen Hundesitterin.

Kurze Zeit später erschien die Frau in der Praxis. An der Leine hatte sie den alten Ferienhund. Ihm fehlte nichts, sie wollte uns nur besuchen. Der Hund sah gut aus und war nicht so unruhig wie sonst im Tierheim. Er schien glücklich und wedelte uns solange an, bis er ein «Guetzli» erhielt.

Nach und nach verbrachte der alte Hund auch nach den Ferien immer mehr Zeit bei seiner Hundesitterin. Denn laute Kindergeburtstage, lange Wochenenden alleine und andere Stresstage mochte er nicht. Auch wenn er krank war, konnte er bei ihr wunderbar ausspannen. Seine Hundesitterin schätzte ihn ebenfalls, er tat ihr gut, sie fühlte sich nicht mehr so alleine. Die Mischung von Hund hüten und anschliessenden Freitagen kamen ihrer angeschlagenen Gesundheit entgegen. Auch die Familie schätzte diese Hilfe sehr.

Irgendwann starb der alte Hund. Die Hundesitterin aber ging weiterhin regelmässig bei seinen ehemaligen Besitzern ein und aus. Dann erkrankte sie plötzlich selber. «Sie hat uns geholfen, jetzt helfen wir ihr!», dachte sich die Familie.

Die Rollen wurden getauscht. Nun unterstützte die Familie die Hundesitterin und kümmerte sich um sie. Nach und nach ging es ihr besser. Und es würde auch wieder einen neuen Hund geben. Die Sitterin freute sich darauf, dass sie ihn bald hüten konnte: «So kann ich mich revanchieren!» Mit Hunden ist man in der Tat nie einsam.

(Coopzeitung Nr. 16/2013)

Tiergeschichten: Alles was Tierhalter von Hunden und Katzen wissen und erfahren sollten. Hier gehts zu den Geschichten

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Getty Images
Veröffentlicht:
Freitag 19.04.2013, 15:00 Uhr

Mehr zum Thema:

Mehr Geschichten aus der Tierarztpraxis

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Die neuesten Kommentare zu den Geschichten aus der Tierarztpraxis:

Ursula antwortet vor 2 Wochen
Eins, zwei – ganz viele
Vielen Dank, mir gefallen alle ... 
Smithc477 antwortet vor 2 Monaten
Mein Hund, dein Hund
Awesome article post.Thanks Ag ... 
Sonja Tschudin antwortet vor 2 Monaten
Noro wahrt die Haltung
Für ältere Hunde, die plötzlic ... 


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?