Ein gesundes, dichtes Fell ist ein Zeichen für das Wohlbefinden eines Kaninchens.

Ein haariges Problem

Ein Kaninchen hat eine kahle Stelle im Fell. Verschiedene Behandlungen bringen keinen Erfolg. Schliesslich kommt heraus, dass es sich gar nicht um eine Krankheit handelt.

Das Kaninchen wollte nicht aus seinem Kistchen. Vorsichtig packte es die Assistentin fachgerecht und hob es hinaus. Wenn Kaninchen stark zappeln, können sie sich selbst schwer verletzen. Deshalb ist immer besondere Vorsicht geboten. Als Hopsi sicher im Kaninchengriff auf dem Tisch war, untersuchte ich ihn. Der Besitzer meinte, Hopsi habe eine Wunde an seiner Seite. Nach langem Suchen im dichten Fell entdeckte ich sie. Eine kahle, haarlose Stelle, an deren Rand sich Schorf gebildet hatte. Die kahle Haut war wie glatt poliert und glänzte. Sie sah aber nicht krank aus. War es eine Wunde? Ein Pilz? Ich versuchte mehrere Therapien, doch nichts half. Die kahle Stelle von Hopsi blieb und verlagerte sich immer wieder.

Langsam vermutete ich, dass es gar keine Erkrankung war. Hatte Hopsi ein Futterproblem? Er lebte mit seinem Kaninchenkollegen in einem Käfig in einer Wohnung. Sie seien unzertrennlich, sagte der Besitzer. Auf meine Frage, was sie zu fressen erhielten, zählte er verschiedene Früchte, Gemüse und Nagerstängeli auf. Ich fragte ihn nach Heu. «Heu? Nicht mehr. Sie liessen es immer stehen und frassen es nie. Viel lieber haben sie Zuchetti!» Ich vermutete, dass die Kaninchen einen Rohfasermangel hatten. Ihnen fehlte das Heu und deswegen leckten sie sich das Fell weg. Doch Kaninchen sind halt sehr verfressen. Wenn sie etwas nicht wollen, so ist es schwierig, sie umzugewöhnen.

Ich erstellte einen Ernährungsplan. Die zwei mussten sich mit Heu und Wasser begnügen und durften nur einmal täglich ein kleines Gemüsedessert essen. Als Belohnung hatte der Besitzer seinen Balkon zum Kaninchenparadies umgebaut. Röhren, Häuschen und eine Buddelkiste sorgten dafür, dass sie nicht zu arg schmollten. Nur an warmen Sommertagen mussten sie drin bleiben. Sonst gabs täglichen Ausgang. Mit ihrem Gemüsedessert wurden sie dann jeweils wieder in ihren Käfig gelockt.

Bei der Nachkontrolle kam ein munteres, neugieriges Kaninchen freiwillig aus seinem Kistchen. Es schnupperte interessiert die Umgebung ab. Ich fand nur noch wenig kurzes Fell. Das Felllecken war leider eine Gewohnheit geworden, trotz der Umstellung. Wenn sie aber nur wenig schlecken, ist ihre Gesundheit nicht in Gefahr.

(Coopzeitung Nr. 17/2013)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Getty Images
Veröffentlicht:
Dienstag 23.04.2013, 11:59 Uhr

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