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Philipp Fankhauser - Gentleman des Blues

Philipp Fankhauser in der Zürcher Cranberry-Bar. Er zieht demnächst in die Limmatstadt: «Ich bin schon lange sehr Zürich-affin.»


Fankhauser an der Limmat, die er bald gegen die Aare tauscht.

Philipp Fankhauser: «Clarksdale wäre cooler als Trub»

Philipp Fankhauser über «The Voice of Switzerland», den Blues, sein (Nicht-)Coming-out und seinen langen Traum vom Konzert in Montreux.

Coopzeitung: Sie haben durch «The Voice of Switzerland» enorm an Popularität gewonnen. Sind Sie als Coach der heimliche Sieger?
Philipp Fankhauser: Das könnte man auch über Stress sagen. Als ich ihn das erste Mal traf, dachte ich: Das ist ein richtiger Hip-Hop-Bluffer! Nach drei Wochen hatte ich ihn richtig gern.

Stress kannte das breite Publikum aber schon vorher ...
... und mich «nur» die Blues-Fans. Deshalb ist mir vorgeworfen worden, ich mache nur mit, um bekannter zu werden. Das stimmt nur teilweise. Die Angst, dass «The Voice» meinem Ruf schaden könnte, war bei mir grösser. Ich vertraute aber meinem Manager und besten Freund Roger Guntern, der die Chance sah, dass ich als Exot in einer Samstagabendshow ein ganz neues Publikum ansprechen und Sympathien gewinnen kann.

Hatte er recht?
Ja, auch wenn wir an das Durchschnittsalter des Publikums gedacht hatten, das über 50 liegt, und nicht an die 5- bis 12-Jährigen, die mit ihren Familien fernsehen. Wenn ich jetzt durch eine Bahnhofhalle gehe, rennen mir fast immer ein paar Kinder oder ganze Schulklassen hinterher und wollen Autogramme.

Ist Blues ein Lebensgefühl?
Zu sagen, ich würde den Blues leben, ist ein Klischee, aber seit meinem 13. Lebensjahr weiss ich: Diese Musik ist mein Lebensinhalt. Und die Bühne ist der einzige Ort, an dem ich nicht an mir zweifle. Wenn ich sie betrete, verschafft mir der Adrenalinschub die Überzeugung, dass hier meine Kernkompetenz liegt.

Haben Sie je damit gehadert, kein Afroamerikaner zu sein?
Natürlich, ich hasste es! Mit 15 wollte ich aussehen wie Buddy Guy und spielen wie B. B. King. Anfangs der 80er-Jahre habe ich in der Schweiz mit dem Publikum Englisch gesprochen – so peinlich! Aber ich war noch auf der Suche. Ich wollte meinen Heimatort nicht verleugnen, aber für einen Bluesmusiker wäre Clarksdale, Mississippi, schon cooler als Trub im Emmental.

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Anfangs habe ich mit dem Publikum Englisch gesprochen – so peinlich»

Aber?
Als ich mit Johnny Copeland vor 20 Jahren durch die USA tourte, war das Publikum fasziniert, dass ein Bluesmusiker aus der Schweiz kommen kann. Ich erkannte, dass ich meine Musik spielen und meine eigenen Geschichten erzählen muss. Als ich letztes Jahr mit der Legendary Rhythm’n’Blues Cruise in der Karibik unterwegs war, habe ich sogar hin und wieder einen Satz auf Bärndütsch fallen lassen – und das kam an.

Sie singen aber nach wie vor auf Englisch. Wann folgt Ihre erste Mundart-CD?
Vielleicht zu meinem 70. Geburtstag? Ich habe in den letzten zehn Jahren ganze drei Songs auf Mundart geschrieben. Es fällt mir schwer, insbesondere auch deshalb, weil es Künstler wie Büne Huber und Kuno Lauener gibt, die das viel besser können.

Die meisten Blues-Klassiker handeln von Mann-Frau-­Beziehungen. Ist es für Sie deshalb angenehmer, Ihre eigenen Songs zu singen?
Ich habe nur selten Lieder ausgewählt, in denen eine «woman» vorkam. Und wenn, dann habe ich die Texte adaptiert. Statt «she» und «he» habe ich einfach «you» gesungen. Wer genau hinhörte, fand auf jedem ­Album seit 1989 Hinweise darauf, dass ich schwul bin. Ich wollte das weder verleugnen noch jemandem aufzwingen. Es ist einfach Realität.

War das Coming-out für Sie schwierig?
Ich bin 49 Jahre alt. Schon 1977, mit 13 Jahren, wusste ich, dass ich schwul bin. Ein klassisches Coming-out gab es deshalb gar nicht. Da ich nicht tuntig daherkomme, wurde mein Schwulsein in der Öffentlichkeit auch nie besonders thematisiert.

Weshalb ziehen Sie nach der Trennung von Ihrem Partner von Bern nach Zürich?
Der Umzug hat überhaupt nichts mit unserer Trennung zu tun, das ist reiner Zufall. Ich bin schon lange sehr Zürich-affin. Der See, das Bellevue, die schönen Gassen und Winkel. Auch die Internationalität «fägt». Durch Zufall habe ich vor einem Monat von einer frei werdenden Wohnung erfahren. Ich rief die Verwaltung an und dort waren sie zum Glück Fans von «The Voice».

Letztes Jahr haben Sie das Montreux Jazz Festival ­eröffnet. Was bedeutet ­Ihnen das Konzert, mit ­dessen Aufnahme Sie nun in der Hitparade stehen?
Ganz ehrlich: Ich bin stolz wie ein Gockel! Seit ich 1981 mit einem anderen Kochlehrling illegal in einem geborgten BMW 450 Kilometer von Scuol zu meiner ersten Blues-Night an den Genfersee gefahren war, träumte ich von nichts anderem mehr. Auf einen Auftritt in Montreux musste ich jedoch warten, bis ich 2011 Claude Nobs zufällig in einer Bar begegnete. Er kam mit offenen Armen auf mich zu und sagte: «Philipp, es ist eine Schande, dass ich dich nie für ein Konzert angefragt habe!» In Montreux ist er dann spontan auf die Bühne gekommen und hat Mundharmonika gespielt – grossartig!

Philipp Fankhauser

Beruf: Musiker und Songschreiber
Geburtsdatum: 20. Februar 1964
Zivilstand: getrennt nach vier Jahren eingetragener Partnerschaft
Wohnort: Bern
Laufbahn: erste Gitarre mit elf ­Jahren, 1977 erste Schülerband, 1987 Gründung der Checkerboard Blues Band, 1989 erste CD «Blues For The Lady» mit Margie Evans, 1994 US-Tour mit Bluesgitarrist Johnny Copeland. Mit den Soloalben «Love Man Riding» (2008) und «Try My Love» (2010) ­erreichte er die Top-10 der Hitparade und Platin-Status. 2013 Coach der SRF1-Castingshow «The Voice of Switzerland».
Aktuell: «Philipp Fankhauser Plays Montreux Jazz Festival», Live: 26. April Langnau, 3.–5. Mai Rubigen, 18. Mai Baden, 19.–26. Mai Rock- & Bluescruise MSC Lirica (Mittelmeer)

Zur Homepage von Philipp Fankhauser

Philippe Fankhauser 2012 auf der Bühne im Rahmen des Montreux Jazz Festivals:

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Keines, sind noch alle in der Zügelkiste.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Wyatt Earp oder Doc Holliday, bzw. beide!

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Margie Evans und Johnny Copeland - und all die hunderten, vergangenen Bluesheroen.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Intouchables, das zigte Mal.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Scent of A Woman

Ihr Lieblings-Filmheld?
Frozone von The Incredibles:-)

Was für Musik hören Sie gerade?
Beim Zügelkistenpacken Barry White, Lucio Dalla, Ray Charles, Muddy und Carlos Antonio Jobim.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Muddy Waters "Folk Singer"

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Prince! Coopzeitung, bitte mach's möglich!!

Was kochen Sie selbst?
Ich liebe coq au vin, allerdings nicht nach Rezeptur, sondern à la façon du chanteur!

Ihre Lieblingsspeise?
Feine, frische Sandwiches von den unzähligen Autobahnraststätten an den ich halte. Oder ein dickes Rindsfilet bleu bleu bleu!

Ihr Lieblingsgetränk?
Absolut Xellent Vodka, Eis bis über den oberen Glasrand, Bitter Lemon - gerührt bitte!

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meinem besten Freund und Manager Roger Guntern.

Und wo essen Sie am liebsten?
Echt jetzt? Ich darf Werbung machen? Jack's Brasserie im Schweizerhof Bern!

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Beides

Wein oder Bier?
Wein

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Keines von beiden - sei gesundheitsgefährdend.

Berge oder Meer?
Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Immer wieder Mal und meist mit viel Drama.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Menschen, die über sich selbst lachen. Und Chris Rock. Und Emil!

Welches Tier wären Sie am liebsten?
E gmütleche brune Bärner Mutz.

Wovon träumen Sie?
Nachts? Nicht viel Gescheites; tagsüber von weiteren 35 Jahren Blues singen.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Das das ich habe: von meinen Lieben akzeptiert, respektiert und geliebt zu sein.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Donnerstag 25.04.2013, 16:13 Uhr

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