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Mit David Lnch (links) drehte Harry Dean Stanton einige Filme, darunter «Wild at Heart».

Wim Wenders erzählt, dass er Harry Dean Stanton so eindrücklich als Nebendarsteller wahrgenommen hatte, dass er sofort wusste: Dies wäre sein Mann für «Paris Texas». Es sollte die einzige Hauptrolle in der Karriere von Stanton bleiben. Hier ein Szenenausschnitt.

Ein Wunder, dass Stanton 86 Jahre alt wurde. Im Biopic raucht er wie ein Schlot.

Auch in «Straight Story» («Eine wahre Geschichte») – ebenfalls von David Lynch – hat Stanton einen Auftritt.

Neben seinem Wirken als Schauspieler macht Harry Stanton auch Musik. Im Film sagt er, dass wenige Dinge in seinem Leben bereuen würde. Eins davon sei, dass er hätte mehr aus der Musik hätte machen sollen.

Obwohl über 86 Jahre alt, tritt Stanton nach wie vor als Nebendarsteller auf. Dabei lerne er das komplette Manuskript mit sämtlichen Rollen auswendig, so sein Assistent. Harry Stanton ist Perfektionist – offenbar hält ihn das jung.

«Harry Dean Stanton: Partly Fiction» ist Sophie Hubers erster Film als Regisseurin. Sie wurde 1971 in Bern geboren, machte am Lee Strasber Theatre Institue in Los Angeles eine Schauspielausbildung. Sie wirkte in einigen Film- und Theaterproduktionen in der Schweiz und Deutschland mit. Als Mitbegründerin des Berliner Filmkollektivs «Hangover Ltd.» war in Sachen Ko-Regie, Ko-Produktion und Filmmusik-Komponistin.

Filmkritik: «Harry Dean Stanton: Partly Fiction»

Eine junge Schweizer Regisseurin zeichnet ein spannendes Bild über den meistbeschäftigsten Nebendarsteller Hollywoods.

 

Fragen Sie einen erfahrenen Kinogänger nach Harry Dean Stanton, wird sich sicherlich ein Fragezeichen auf seinem Gesicht abzeichnen. Und wenn Sie dann noch sagen, dass Harry Dean Stanton in über 250 Hollywood-Filmen mitgespielt hat, dann wird das Fragezeichen noch grösser.

Sie haben richtig gelesen: In 250 Filmen hat Harry Dean Stanton mitgewirkt – als Nebendarsteller. Darunter sind so grossen Streifen wie « Der falsche Mann» (Hitchcock, 1956), «Für eine Handvoll Dollar» (Sergio Leone, 1964), «Alien» (Ridley Scott, 1979), «Die Klapperschlange» (John Carpenter, 1981), «Paris Texas» (Wim Wenders, 1984), «Wild at Heart» (David Lynch, 1990), «The Green Mile» (Frank Darabont, 1999), «Die Wutprobe» (David Segal, 2003) oder «Marvel’s The Avengers» (Joss Whedon, 2012).

Jetzt hat die Schweizerin Sophie Huber einen Film über den meistbeschäftigsten Nebendarsteller der Filmbranche gemacht. Zwar hat die Jungregisseurin aus Bern den knochigen, einsilbigen Schauspieler nicht viele Worte entlocken können, denn die Hauptbeschäftigung des heute 86-Jährigen besteht darin, stumm und rauchend in den Raum zu schauen. Doch regelmässig stimmt er sanfte Lieder an, die er solo oder in Begleitung eines Gitarristen vorträgt. Mit seiner brüchigen, aber dennoch ungemein aussagekräftigen Stimme wird im Film eine dichte Stimmung geschaffen, die einen wahren Filmfreund kaum loslässt.

In die kurzen, wortkargen Gesprächsfetzen gewöhnt man sich langsam ein. Wie kleine Mosaiksteinchen fügen sich dadurch die Berichte über das Leben mit Jack Nicholsen unter einem Dach, den Begegnungen mit Marlon Brando, den wilden Zeiten in den 60ern und 70ern und seine Ansichten über Liebe, Freundschaft und Leben zu einem spannenden Bild zusammen.

Wichtige Ergänzungen sind die Zeitzeugenberichte von solch berühmten Persönlichkeiten wie David Lynch, Wim Wenders, Kris Kristofferson oder Deborah Harry, die eben dieses Bild des liebenswürdigen Einzelgängers nachzeichnen. Wie als Beweis schneidet Sophie Huber Szenen aus den Filmen, in denen Stanton mitgewirkt hat, dazwischen – und der Kinoliebhaber wird sich an den Kopf fassen und sagen: «Ach so, der ist das!»

Fazit: «Harry Dean Stanton: Partly Fiction» ist ein ruhige und melodiöse, aber dennoch spannende Hommage über einen Mann für einmal im Rampenlicht steht (bis auf «Paris Texas», wo er zum ersten und einzigen Mal eine Hauptrolle spielte) und von einer bewegten Zeit im Filmbusiness berichten kann. Wenn man will, kann man an seinem Lebenslauf und an seinen Filmen auch die Geschichte des amerikanischen Films

Kinostart
In den Deutschschweizer Kinos ab 16. Mai 2013

Regie
Sophie Huber

Produzenten
Christian Davi, Chiemi Karasawa, Christof Neracher, Thomas Thümena

Besetzung
Harry Dean Stanton (er selbst)

David Lynch (er selbst)

Wim Wenders (er selbst)

Sam Shepard (er selbst)

Kris Kristofferson (er selbst)

Debora Harry (sie selbst)

Länge

77 Minuten

Produktionsland
Schweiz

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Markus Kohler

Redaktor

Veröffentlicht:
Donnerstag 16.05.2013, 00:00 Uhr

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