Auf dem Land war der Hund beschwerdefrei, die Besitzer zogen die Konsequenzen.

Gesundes Landleben

Tim muss sich immer kratzen. Der arme Hund hält den Juckreiz kaum noch aus und auch die Besitzer leiden. Ein langer Weg mit verschiedenen Behandlungen beginnt

Der Labrador setzte sich und kratzte sich heftig am Bauch. Seine Haut war an dieser Stelle gerötet und mit schütterem Haar bedeckt. «Er fing plötzlich an mit dem Kratzen», erzählte sein Besitzer. «Vorher war nichts. Als ich vom Welpenfutter auf das Erwachsenenfutter wechselte, fing es an. Soll ich wieder zurück wechseln?» Nach einem langen Fragenkatalog fand ich heraus, dass der junge Hund nicht nur ein anderes Futter erhalten hatte, sondern auch mit seiner Familie umgezogen war. Sie wohnten nicht weit von einem Wald entfernt und spazierten dort auch viel.

Während Tim sich erneut kratzte, versuchte ich mir seine Haut anzusehen. Bauch und Achseln waren übersät von Kratzstriemen, Schuppen und kleinen Pickeln. «Wir haben leider viele mögliche Ursachen für diesen Juckreiz. Es kommen Milben oder Allergien infrage. Der Besitzer wurde nervös. «Ich kann nachts bei diesem Geschabe nicht schlafen. Machen Sie es einfach weg!»

Das war schneller gesagt als getan. Mit etwas Cortison hätte er Ruhe gehabt, doch der Hund wäre nicht geheilt. Herauszufinden, worauf er reagierte, konnte Wochen dauern und brauchte viel Disziplin vonseiten der Besitzer. Tim musste eine Blutentnahme über sich ergehen lassen und wurde mit einer beruhigenden Salbe, Shampoo und einer strengen Diät nach Hause geschickt. Er durfte nur noch Kartoffeln und Pferdefleisch essen und musste in zwei Wochen wiederkommen. Auch nach dem Füttern seiner Diät blieb alles beim Alten. Die Blutresultate zeigten an, dass der Arme nicht an Milben, sondern an einer Hausstauballergie litt.

Die Besitzer änderten Tims Haltung: Keine Teppiche mehr, die Hundedeckchen wurden wöchentlich gewaschen und es gab immer mal wieder eine kühlende Dusche. Tims Zustand besserte sich nur unwesentlich. In der Ferienwohnung war er hingegen problemlos, doch zu Hause in der Stadt: eine einzige Kratzerei. Als Nächstes musste Tim etliche Spritzen durchstehen, denn er wurde regelmässig desensibilisiert. Indem wir ihm immer stärkere Konzentrationen der Stoffe spritzten, auf die er allergisch war, erreichten wir eine Gewöhnung. «So gehts einigermassen gut mit Tim», erzählte sein Besitzer. «Wir sind oft mit ihm in der Ferienwohnung und dort sitzt er fast immer auf der Veranda. In diesen Zeiten fühlt er sich pudelwohl.»

Kurze Zeit später erhielt ich eine Adressänderung von der Familie. Nicht nur der Hund fühlte sich in den Bergen wohl. Auch die Besitzer hatten sich entschlossen, ein Leben auf dem Lande zu führen.

(Coopzeitung Nr. 19/2013)

Tiergeschichten: Alles was Tierhalter von Hunden und Katzen wissen und erfahren sollten. Hier gehts zu den Geschichten

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Getty Images
Veröffentlicht:
Montag 06.05.2013, 17:55 Uhr

Mehr zum Thema:

Mehr Geschichten aus der Tierarztpraxis

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Die neuesten Kommentare zu den Geschichten aus der Tierarztpraxis:

Ursula antwortet vor 2 Wochen
Eins, zwei – ganz viele
Vielen Dank, mir gefallen alle ... 
Smithc477 antwortet vor 2 Monaten
Mein Hund, dein Hund
Awesome article post.Thanks Ag ... 
Sonja Tschudin antwortet vor 2 Monaten
Noro wahrt die Haltung
Für ältere Hunde, die plötzlic ... 


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?