Leben mit Barrieren

Sie liebt zu konstruieren, was ihn konsterniert.

Sybil Schreiber: Unsere drei kleinen Racker auf vier Beinen werden immer temperamentvoller. Sie können jetzt bellen, was sie besonders gerne tun, wenn sie spätabends nochmal raus wollen oder morgens um sechs, wenn sie schon wieder Gassi müssen.

«

Nichts ist vor unseren drei Rackern sicher. »

Ausserdem kraxeln sie überall herum, versuchen sogar den ersten Stock unseres Hauses zu erobern. Nichts ist mehr vor ihnen sicher. Sicher ist nur: Ich muss etwas unternehmen. Denn Schneider ist diesbezüglich erstaunlich tatenfrei.
Lieber stolpert er pausenlos über unsere Welpen, als sie in die Schranken zu weisen. Dafür bin ich zuständig, die Raumplanung ist mein Revier. Ein Amt, das mich beflügelt.
Ich entwickle einen ausgeklügelten Zonenplan: Das WC im Parterre wähle ich für die Nachtruhe. Zum Herumtoben eignet sich die Veranda.
Das Wohnzimmer wird nur teilzeitlich freigegeben, das Büro ist tabu. Warum? Weil da zu viele Gefahren lauern wie Kabel und Steckdosen. Damit unser Heim hundesicher wird, bedarf es einiger handwerklicher Geniestreiche, die mir gut gelingen.
Locker zaubere ich aus unserem gemütlichen Holzhaus ein welpentaugliches Tierparadies.
Schneider wird eine Weile mit Barrieren leben müssen. Diese Freiheit nehme ich mir.

Steven Schneider: Schreiber beseitigt fürs Leben gern Probleme durch bauliche Massnahmen. Das erscheint mir für eine Frau nicht eben das typischste Merkmal, aber was ist schon typisch?

«

Die Welpen gehören jetzt in den Schopf»

Ich habe gelernt, dass Schreiber statt einfacher Lösungen lieber aufwendige Konstruktionen anstrebt. Am Meer zum Beispiel baut sie stundenlang mit Stöcken und Tüchern eifrig Schattenplätze, statt entspannt in der Sonne zu liegen.
Bevor ich morgens also von drei begeisterten Hündchen auf dem Weg zur Dusche schwanzwedelnd angefallen werde, steige ich über einen flach gelegten Stuhl am Fusse der Treppe und bezwinge eine hochkant gestellte Mini-Palette, die den Gang unterteilt.
Um den Kaffee in der Küche aufzusetzen, überwinde ich einen umgekippten Holztisch. Im WC räume ich dann am Boden liegende Kartonschachteln weg, und während ich auf der Schüssel sitze, erinnere ich mich wehmütig an mein früheres, barrierefreies Leben.
«Die Welpen gehören jetzt in den Schopf. Es ist warm genug, und dort gibt es Raum ohne Ende», sage ich, als Schreiber auftaucht.
Sie blickt mich mit grossen Augen an, endlich scheint sie zu begreifen und sagt: «Warum ziehst du dann für die nächsten Wochen nicht einfach in den Schopf?»

(Coopzeitung Nr. 19/2013)

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 07.05.2013, 08:30 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Annette Lefevre antwortet vor zwei Tagen
Sextest
Liebe Schreiber und Schneider, ... 
Oli Skyler antwortet vor zwei Tagen
Fan und forsch
Habe Ihre Kolummne heute in de ... 
Veronica antwortet vor 2 Wochen
Die Velotortour
Besser Butterschnitte statt da ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?