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Ganz auf das Tennis fokussiert: Stefanie Vögele ordnet dem Sport (fast) alles unter.








Stefanie Vögele: «Ich will einfach Freude haben»

Tennisspielerin Stefanie Vögele (23) über ihren Aufstieg, die täglichen Entbehrungen sowie laute und leise Kolleginnen im Tenniszirkus.

Coopzeitung: Mit der früheren Weltranglisten-Ersten Caroline Wozniacki haben Sie erstmals eine Top-10-Spielerin bezwungen. Was haben Sie anders gemacht als früher?
Stefanie Vögele: Nichts. Ich habe mich ganz normal vorbereitet und ein gutes Match gespielt. Ich war schon ein paar Mal nahe an einem solchen Sieg, doch man braucht einfach eine gewisse Anzahl Begegnungen auf diesem Niveau, damit man sich keine Gedanken mehr über die Gegnerin macht und sich ganz auf das eigene Spiel konzentrieren kann.

Haben Sie einen perfekten Tag erwischt?
Nein, rundum zufrieden mit meinem Match war ich in Charleston eher nach dem Sieg gegen die Spanierin Carla Suárez Navarro. Es gibt jedoch fast immer Dinge, die nicht funktionieren oder sich nicht gut anfühlen.

Wie kommt es, dass Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova Ihnen eine Glückwunsch-SMS geschickt hat?
Wir hatten schon tolle Matches und sind ab und zu miteinander essen gegangen. Sie ist sehr sympathisch, bodenständig und – wie ich – eher introvertiert.

Sind solche Freundschaften unter Konkurrentinnen nicht eine Seltenheit?
Es ist zwar keine tiefe Freundschaft, aber es stimmt: Es ist schon etwas Besonderes, dass ich mit ihr und der Luxemburgerin Mandy Minella zwei Kolleginnen auf der Tour habe, mit denen ich mich austauschen kann, und dass wir uns auch gegenseitig die Erfolge gönnen.

Sie sind viel unterwegs, und es ist kaum möglich, eine Partnerschaft oder Freundschaften zu pflegen. Fühlen Sie sich manchmal einsam?
Ich kenne das nicht anders. Ich bin in dieses Leben als Tennisspielerin hineingewachsen. Glücklicherweise habe ich zu Hause drei ältere Schwestern, mit denen ich mich gut verstehe und in deren Freundeskreis ich mich bewegen kann. An den Turnieren hilft es mir, dass ich nicht allein bin, sondern seit 2006 ständig von meinem Trainer Ivo Werner begleitet werde, der für mich zu einem guten Freund geworden ist.

Sie haben in den ersten sieben Jahren Ihrer Profikarriere rund 700 000 Dollar Preisgeld verdient. Konnten Sie davon etwas auf die hohe Kante legen?
Nein, ich bin immer noch in der Phase, in der ich in meine Zukunft investiere. In einem Jahr geht es auf, im nächsten gerate ich ins Minus oder wieder leicht ins Plus. Vom Preisgeld werden im Durchschnitt vom Veranstalter gleich einmal 30 Prozent Steuern abgezogen. Ausser den Trainer muss ich auch hohe Reise- und Hotelspesen bezahlen.

Welchen Luxus leisten Sie sich, wenn Sie etwas zu feiern haben?
Ich kaufe mir ab und zu ein paar schöne Kleider.

Dann wissen Sie ja schon, wie Sie sich Ende Mai in Paris, der Stadt der Mode, die Zeit vertreiben können …
Da bin ich ganz auf Roland-Garros fixiert. Wenn ich um 11 Uhr ein Match habe, stehe ich um 7.30 Uhr auf, frühstücke, spiele mich ein und spreche mit Ivo die Strategie durch. Nach dem Match laufe ich aus, stretche, esse etwas und gehe vielleicht noch in die Physiotherapie. Im Hotel lese ich oder schaue fern, esse nochmals gut und gehe früh zu Bett. Während des Turniers bleibt keine Energie für Sightseeing oder Shopping. Zudem habe ich beschlossen, Kleider nur noch in den USA zu kaufen, weil sie dort billiger sind!

Was ist beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt anders als bei den drei anderen Grand-Slam-Events?
Es gibt keine Traditionen wie die Erdbeeren mit Schlagrahm in Wimbledon. Speziell ist, dass sich die Anlage mitten in der Stadt befindet und die Plätze nahe beisammen liegen. Die kurzen Wege sind auch für die Zuschauer angenehm.

«

Ich bin noch in der Phase, in der ich in meine Zukunft investiere.»

Welches waren Ihre bisher eindrücklichsten Erlebnisse an Grand-Slam-Turnieren?
2010 konnte ich in Paris auf dem Court Central gegen mein früheres Idol Serena Williams spielen und 2009 in Wimbledon in der 1. Runde auf dem Center Court gegen Titelverteidigerin Venus Williams. Obwohl ich verloren habe, war es super, bei der ersten Teilnahme am Hauptturnier auf diesem «heiligen Rasen» antreten zu dürfen – anderen Spielerinnen ist das während ihrer ganzen Karriere nie vergönnt.

Neben der gestiegenen Leistungsdichte und modischen Extravaganzen geben im Frauen-Tennis die Atemgeräusche mancher Spielerinnen zu reden. Stört Sie das?
Wenn ich konzentriert bin, nehme ich das Geschrei nicht wahr. Als ich 2010 beim Australian Open gegen Viktoria Asarenka spielte, war jedoch das Publikum so genervt, dass es sie nachzuahmen begann und sich auf meine Seite schlug. Gewonnen habe ich trotzdem nicht.

Sie könnten bald erstmals in die Top 50 der Welt vorstossen und Romina Oprandi als Schweizer Nummer 1 ablösen. Sind das Ihre Ziele?
Als ich meinen Körper nach dem U18-Europameistertitel und ersten Erfolgen auf der WTA-Tour überfordert hatte, lernte ich, weniger auf Punkte und Positionen zu schauen. Ich mache nun mehr für meine Fitness, will auf dem Platz Freude haben und so gut wie möglich spielen. Alles andere kommt von selbst.

Stefanie Vögele

Beruf: Tennisspielerin, Fernstudium Bürofachdiplom
Geburtsdatum: 10. März 1990 in Leuggern AG, lebt heute in Biel
Zivilstand, Grösse/Gewicht: ledig, 1,73 m/60 kg
Laufbahn: Vögele begann als Vierjährige beim TC Leuggern Tennis zu spielen. 2007 U18-Europameisterin, 2009 Vorstoss auf Rang 63 der Weltrangliste, bis 2011 Rückfall auf 180. Nach der Halbfinalteilnahme am Premier-Turnier in Charleston 2013 war sie mit Platz 57 besser denn je platziert.
Aktuell: Grand-Slam-Turnier in Roland-Garros (ab 27. Mai)

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Eugen Drewermann, das Lesebuch

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?

Jim Knopf (als Kind)

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Nicht jemand bestimmtes, allgemein Leute die Gutes tun

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Unknown

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Intouchable

Ihr Lieblings-Filmheld?
Früher 101 Dalmatiner

Was für Musik hören Sie gerade?
Rihanna, Xavier Naidoo, Pink

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Eine gute Mix-CD

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Xavier Naidoo

Was kochen Sie selbst?
Risotto, Pasta, Kartoffeln

Ihre Lieblingsspeise?
Riz Casimir

Ihr Lieblingsgetränk?
Sprite

Mit wem essen Sie am liebsten?
Zuhause mit meiner Familie

Und wo essen Sie am liebsten?
Am Tisch.

Mac oder PC?
iPad und iPhone

Auto oder Zug?
Auto

Wein oder Bier?
Weisswein

Pasta oder Fondue?
Fondue, Pasta esse ich so oft

Joggen oder Walken?
Joggen am besten im Wald

Berge oder Meer?
Berge im Winter, Meer im Sommer

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Vor zwei Wochen

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Mit Blödsinn

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Katze

Wovon träumen Sie?
Von schönen Dingen und Orten

Was ist für Sie das grösste Glück?
Gesund zu sein

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Peter Mosimann
Videos:
Schweizer Fernsehen
Veröffentlicht:
Montag 13.05.2013, 12:44 Uhr

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