Alles wird gut

Er gibt sich Mühe – sie auch

Sybil Schreiber: Zürich, Kloten, ich warte auf Schneider. Nervös und bang, denn wie fühlt sich mein Rückenpatient nach dem Flug zurück aus Schottland? Ich weiss, er hat starke Medikamente verschrieben bekommen. In welchem Zustand er jetzt wohl ist? Jedenfalls werde ich nun die Pflege in die Hand nehmen und ihn wieder aufpäppeln. Zu Hause ist das Lazarett vorbereitet: schmerzstillende Cremes und ein Podest im Bett, damit er die Beine hochlagern kann, dazu mehrere Stützkissen.
Immer wieder öffnet sich die Schiebetüre: Gebräunte Touristen in Shorts; coole Krawattenmänner, die sofort das Handy zücken; Familien, die sich weinend in die Arme fallen. Ich merke, wie ich heftig emotionalisiert werde. Allein beim Anblick der Szenen bekomme ich feuchte Augen. Ich krame nach einem Taschentuch.
Hätte ich doch beim Flughafen stärker darauf pochen sollen, einen Rollstuhl zu bekommen? Denn der Weg ins Parkhaus ist weit. Als Notfallszenario plane ich, Schneider im Gepäckwagen zum Auto zu schieben – er kann bestimmt noch nicht so weit gehen.
Da öffnet sich die Türe erneut – Schneider! Endlich! Strahlend winkend. In aufrechter Haltung. Hat er mal wieder übertrieben?

Steven Schneider: Kurz bevor sich die Türe öffnet, stütze ich mich auf den Griff des Gepäckwägelchens, strecke mich und blicke optimistisch in die Welt. Schreiber soll sehen, dass ich kein Wrack mehr bin!
Ich entdecke sie sofort. Ihre Nase ist leicht gerötet, grad so, als hätte sie geweint. Dann winke ich und schon drängelt sie sich durch die Menge zu mir, legt ihre Hand zart auf meinen Rücken und wedelt mit der anderen Hand forsch die Leute zur Seite. Kaum sind wir aus dem Getümmel raus, fragt sie, ob ich mich aufs Wägelchen setzen will. Ich halte das für einen Witz. Doch sie meint es ernst: «Du musst dich schonen!»
Klingt wie ein Befehl. Immerhin darf ich selber bis zum Auto gehen. Als ich den Koffer heben will, pfeift sich mich zusammen. Nicht mal die Autotür darf ich öffnen und anschnallen tut sie mich auch. Während der Fahrt nach Hause gibt sie die nächsten Programmpunkte durch: Hausarzt. Physio. Ruhe.
Klingt anstrengend. Ich seufze. Sie fragt alarmiert: «Schmerzen?»
«Nein, mir geht es eigentlich wieder gut», sage ich.
Worauf sie den Kopf schüttelt und meint: «Ich weiss, dass du so cool tust, um mich zu schonen. Aber keine Sorge: Ich werde dich kurieren!»
Klingt wie eine Drohung!

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Sonntag 02.10.2011, 00:00 Uhr

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