Ach, wie ich den leisen 1.August liebe.

Sie liebt die Stille. Er auch, eigentlich.

Sybil Schreiber: Ich erinnere mich gut an meine erste Silvesterparty in der Schweiz vor 25 Jahren: Um Punkt zwölf Uhr wurde in kleinem Kreis mit Champagner angestossen. Das wars. Keine Kracher, keine Raketen, die Ruhe selbst. Herrlich.
Umso schlimmer war mein erster 1.August in der Schweiz: Wir feierten auf einer Dachterrasse in Zürich und schossen Raketen aus einer leeren Flasche in den Nachthimmel. Eines der Geschosse sauste nach unten auf ein Haus zu, durch ein offenes Fenster samt Gardine, hinein in eine Wohnung. Ich erschrak zu Tode!

Zehntausend Schutzengeln sei Dank, ging das Haus gegenüber nicht in Flammen auf. Ich mag Raketen und sonstiges Feuerwerk seither noch weniger. Darum ergreife ich zum 1.August die Flucht nach Deutschland, in meine alte Heimat. Da wird an diesem Tag nichts gefeiert und nicht geballert. Wir zelebrieren den Tag dennoch, essen Raclette im Garten, dekorieren mit rot-weissen Servietten den Tisch, die Kinder malen Schweizer Fähnchen und hängen Papierlaternen in die alte Eiche meines Vaters, während wir Erwachsenen voller Stil und Stille im schönen Bayern auf die schöne Schweiz anstossen.
Ach, wie ich den leisen 1.August liebe!

Steven Schneider: Ich erinnere mich gut an meine erste Silvesterparty in München: Um Mitternacht ging bei Schreibers Bruder eine Knallerei los, als wollte man die Erde in die Luft sprengen.
Die spinnen, die Deutschen, dachte ich, aber die Feuerwerkindustrie braucht ja auch in Deutschland einen Anlass, um Kasse zu machen. Also ballern sie an Neujahr Euromillionen zum Himmel - wie wir Schweizer mittlerweile auch, sogar an Geburtstagen, Dorffesten oder einfach so! Mich ärgert diese Feuerwerk-Inflation! Wer schaut da noch hin? Ich nicht.

Zugegeben, unsere Kinder tuns. Als Bub war mir das 1.-August-Feuerwerk ja auch noch heilig. Die Mädchen beklagen sich deshalb jedes Jahr bitterer, dass wir zum Nationalfeiertag nach Bayern fahren. Schreiber überredete sie diesmal mit dem Argument, unser Junghund Lilla hätte wahnsinnig empfindliche Ohren. Wobei: Sagt Schreiber nicht immer, der Hund müsse früh an die Welt und ihre Geräusche gewöhnt werden? Und sollte ich als Vater nicht zusehen, dass meine Familie glücklich ist?
Doch! Deshalb habe ich bereits einige Raketen und drei grosse Vulkane gekauft. Die kommen heimlich mit.
Und ich gross raus. Zumindest bei meinen Mädchen.


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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Donnerstag 28.07.2011, 10:32 Uhr

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