Sein Sauber-Team

Sie putzt ausser Haus, damit wenigstens etwas rein bleibt.

Sybil Schreiber: Mein Leben als teilzeitliche Hausfrau ist – wie bei vielen anderen – von einer Endlosschlaufe geprägt: Ich arbeite pausenlos und keiner merkt es. Ob ich staubsauge, Altglas entsorge oder Wäsche bügle, niemand würdigt es.

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Wo kann ich ungestört putzen? Im VW-Bus! »

Schneider packt zwar durchaus tatkräftig mit an. Dabei verbreitet er aber derart schnell schlechte Laune, dass ich, wenn schon, lieber allein und ungestört putze.
Doch wo kann ich allein und ungestört putzen? In unserem VW-Bus!
Und als Bonus erhalte ich dort sogar bewundernde Blicke. Nicht von Schneider, sondern von unseren Nachbarn: Klettere ich vor dem Haus in unser Auto, blicken sie aus dem Fenster und mir scheint, sie würden meinen Putzdrang am liebsten mit Applaus honorieren.
Das wohlwollende Lächeln der Passanten, wenn ich die Scheiben von innen poliere, löst bei mir regelrechte Glücksgefühle aus.
Das Beste aber ist, dass wir in einem Ort leben, in dem wir vom Bahnhof bis zur Bibliothek alles zu Fuss erreichen können. Unser Auto benützen wir also nur sehr selten.
Und genau deshalb reinige ich diesen Raum auf Rädern so gerne: Denn nur in unserem Bus bleiben meine Aufräumaktionen langfristig sichtbar.
Für mich ein ordentliches Vergnügen!

Steven Schneider: Als ich Schreiber zum ersten Mal begegnete, war sie glühende Gegnerin des automobilen Verkehrs, der ein grosses Unglück sei.

«

Warum sie das tut, weiss ich nicht.»

Als wir zum ersten Mal daran dachten, von Zürich aufs Land zu ziehen, brachte ich ihr auf Feldwegen das Autofahren bei. Unser erstes gemeinsames Auto war ein 13-jähriger Peugeot für 1700 Franken.
Seither hat Schreiber ihre Einstellung zu Autos gründlich geändert und mich zu ihrem Traumauto überredet: ein VW-Bus.
Einen solchen hatte schon ihr Vater, einen solchen besitzt ihre Schwester und einen solchen wünscht sich ihr Bruder. Dieser VW-Bus steht nun meistens auf unserem Vorplatz. Ich befürchte, dass meine Nachbarn an meiner Männlichkeit zweifeln: Denn nicht ich, sondern Schreiber pflegt unseren Wagen mit einer Inbrunst, wie sie normalerweise Männer ihren Autos entgegenbringen.
Sie nimmt also ab und zu ganz spontan den Staubsauger zur Hand, diverse Lappen und Putzmittel, steigt in den Bus und kommt nach einer Stunde gut gelaunt wieder heraus.
Warum sie das tut, weiss ich nicht. Ich will es auch nicht so genau wissen.
Ich nehme einfach gelassen zur Kenntnis, dass meine Frau glücklich ist und unser Auto erstaunlicherweise immer sauber.

(Coopzeitung Nr. 22/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 27.05.2013, 00:00 Uhr

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