Das Pfötchen, und dieser Blick: Dafür gibts ein «Guteli».

Hoch das Pfötchen

Aris mag Chantal Ritter gerne. Kein Wunder, sie gibt ihm brav bei jedem Besuch ein «Guteli», er gibt dafür Pfötchen. Bis sie dem Hund eines Tages eine Kralle wegzupfen muss.

Aris und ich hatten ein Ritual: Jedes Mal, wenn der Hund in die Praxis kam, setzte er sich hin und gab Pfötchen. Dann kriegte er ein «Guteli». Erst danach durfte die Besitzerin ihre Wünsche anbringen. Und wehe, wir vergassen Aris' Wünsche! Dann bellte er pausenlos, die Pfote in der Luft. Er hatte mich gut im Griff. Zum Wägen kam er oft, auf sein kurzes Bellen gehorchte ich sofort: Pfötchen geben und er kriegte von mir ein «Guteli».

Doch Aris hatte ein gefährliches Hobby: Er sprang im Fluss herum und zerrte grosse Holzstücke aus dem Wasser. Dies tat er mithilfe der Pfoten und der Zähne. Eines Tages kam er hinkend aus dem Fluss. Ein Baumstamm war zu schwer für ihn gewesen. Seine Pfote blutete. Da die Blutung nicht aufhörte, sass er bald darauf in der Praxis. Ich liess mir das Pfötchen geben und untersuchte es: «Er hat sich die Daumenkralle angerissen. Sie hält kaum noch. Den Rest muss ich wegzupfen, damit es nicht bei jeder Bewegung schmerzt und aufs Neue blutet!» Ich träufelte ein Lokalanästhetikum auf die Wunde und wartete eine Weile. Dann, bevor Hund oder Herrchen reagieren konnten, zupfte ich die lose Kralle ab. «Braver Hund, kriegst auch ein ‹Guteli!›», lobte ich Aris, der mich nun etwas weniger zu mögen schien.

Wenige Tage später kam Aris wieder in die Praxis. Diesmal blutete die andere Pfote. «Wieder ein Baumstamm?», fragte ich. «Nein, diesmal wollte Aris einen grossen Stein herausholen. Seit ich ihm die übergrossen Stämme verbiete, sucht er sich noch unmöglichere Alternativen. Meine Spielzeuge hat er im tiefen Wasser ersäuft, die schwimmenden Spielsachen sind im Fluss davongeschwommen. Was soll ich nur machen?» Wieder musste mir Aris Pfötchen geben, noch einmal gabs ein paar Tropfen Anästhetikum drauf und die Kralle war weggezupft.

Das nächste Mal erschien Aris zum Wägen in der Praxis. Gut erzogen, wie ich war, stellte ich mich mit einem «Guteli» auf. Doch Aris bellte nicht. Auch hielt er seine Pfoten unten. Misstrauisch beäugte er mein «Guteli» und verzog sich hinter seinen Besitzer. Dieser lachte. «So schnell kann man Aris umerziehen: Er wird, glaube ich, hier nie mehr Pfötchen geben wollen!»

(Coopzeitung Nr. 22/2013)

Tiergeschichten: Alles was Tierhalter von Hunden und Katzen wissen und erfahren sollten. Hier gehts zu den Geschichten

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Gettyimages
Veröffentlicht:
Freitag 31.05.2013, 17:50 Uhr

Mehr zum Thema:

Mehr Geschichten aus der Tierarztpraxis

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Die neuesten Kommentare zu den Geschichten aus der Tierarztpraxis:

Ursula antwortet vor 2 Monaten
Eins, zwei – ganz viele
Vielen Dank, mir gefallen alle ... 
Smithc477 antwortet vor 2 Monaten
Mein Hund, dein Hund
Awesome article post.Thanks Ag ... 
Sonja Tschudin antwortet vor 2 Monaten
Noro wahrt die Haltung
Für ältere Hunde, die plötzlic ... 


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?