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Lara Gut: «Ich träume nie von WM-Gold»

Persönlich. Wenn Lara Gut an der Ski-WM von kommender Woche in Garmisch-Partenkirchen gewinnen sollte, will sie vor allem eines nicht: abheben.

Coopzeitung: In Ihrem Leben dreht sich alles ums Skifahren. Träumen Sie auch nachts davon?
Lara Gut: Ich weiss es nicht. Wenn ich morgens aufwache, habe ich bereits wieder vergessen, was ich träumte.

Träumen Sie tagsüber von WM-Gold?
Nein, nie. Lieber will ich versuchen, es wahr zu machen. Ob es klappt, weiss ich nicht. Es ist ja erst meine zweite Weltmeisterschaft. Und dann fahren auch noch andere mit. Ich bin erst 19 Jahre alt. Ich habe noch genügend Zeit, wenn es dieses Mal nicht klappen sollte.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Meine Familie. Und ich möchte echt bleiben. Das ist gar nicht so einfach. Manchmal wirst du dafür kritisiert, dass du in einer bestimmten Situation lachst. Wenn du jedoch zu lange darüber nachdenkst, dann läufst du Gefahr, beim nächsten Mal nicht mehr zu lachen und dann bist du nicht mehr echt. Das will ich jedoch nicht, schliesslich ist es mein Leben. Wenn ich etwas mache, nur weil es die anderen wollen, dann bin ich nicht mehr glücklich.

Aber mehrheitlich sieht man Sie immer noch lachen. Wann werden Sie wütend?
Wenn ich etwas sage und es von den Journalisten anders interpretiert wird, als ich es meinte. Plötzlich musst du dich für etwas rechtfertigen, das du so gar nie gesagt hast. Roger Federer hat mir vor zwei Jahren an den Swiss Indoors einen guten Tipp gegeben: Wenn du Erfolg hast, dann darfst du Zeitung lesen. Wenn nicht, dann mache lieber einen grossen Bogen um den Kiosk.

Worüber haben Sie sich sonst noch unterhalten?
Über dies und das. In Erinnerung bleibt mir aber vor allem, dass der Weltstar Roger Federer ein ganz normaler Mensch geblieben ist. Die Begegnung war total entspannt und ungezwungen.

Wer hat Sie sonst noch besonders beeindruckt?
Doris Leuthard. Sie war sehr gut informiert und wusste genau, was ich wann erreicht hatte. Es war eine interessante Begegnung.

Wie belohnen Sie sich, wenn Sie gewonnen haben?
Es ist cool, wenn man gewinnt, aber abheben soll man deswegen nicht. Natürlich darf man sich freuen, vielleicht maximal zwei Stunden. Danach geht es bereits wieder weiter. Wer nach einem Sieg seinen Lauf am Fernsehen tausend Mal anschaut, der hat das nächste Rennen schon verloren. Die grösste Belohnung ist für mich die positive Energie, die ich bis zum nächsten Start mitnehme.

Das klingt fast asketisch. Sie gönnen sich nach einem Sieg also nichts Besonderes, nicht mal ein schönes, heisses Entspannungsbad?
Nein. Das nehme ich eher, wenn ich einen schlechten Tag hatte.

Können Sie noch unbehelligt einkaufen gehen?
Es gibt Tage, an denen ich meine Dinge ganz normal erledigen kann. Dann wieder werde ich alle zwei Minuten angesprochen. Das stört mich jedoch nicht. Es kommen so viele Menschen am Fernsehen, aber an dich erinnern sie sich. Soll ich mich darüber beklagen? Nein, ich finde das schön.

Es gibt aber sicher auch Menschen, die so richtig aufdringlich werden und keine Grenzen kennen.
Die gibt es, sie sind jedoch die Ausnahme. Ein Mann ist mal auf der Autobahn 30 Kilometer hinter mir her gefahren, bei mir zu Hause aufgekreuzt und hat mich tausend Mal angerufen ...

... ein Stalker ...
... Sie können ihn so nennen, ja. Zum Glück hatte das dann ein Ende. Aber das ist schon eine Weile her. Seitdem habe ich so etwas nicht mehr erlebt.

Wie sieht Ihr Ski-Alltag aus?
Der ist schnell erzählt: reisen, skifahren, trainieren, lernen, vielleicht mal etwas trinken gehen. Mehr ist da nicht.

Die Matur nebst dem ganzen Programm als Skifahrerin im Fernstudium nachzuholen, ist sicher nicht einfach.
Ach, das geht ganz gut. Sie können sich heute mit den Lehrern per Skype unterhalten. Ausserdem mache ich die Matura in zwei Etappen, zuerst die Naturwissenschaften, danach die Sprachen. Es ist fast wie im Sport: Ich habe mir die Matur als Ziel gesetzt, nun muss ich auch alles dafür tun. Weil das Lernen grossen Spass macht, ist alles einfacher.

Sie sprechen fünf Sprachen: Italienisch, Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch. Welche Sprache soll noch hinzukommen?
Keine. Lieber möchte ich die Sprachen, die ich kann, noch besser beherrschen.

Sie sind ständig unterwegs. Wären Sie manchmal nicht lieber länger zu Hause?
Ich liebe dieses Leben, so wie es jetzt ist. Ich habe einen coolen Job. Mein Büro liegt in der Natur, im Schnee und an der frischen Luft. Und ich sehe viel von der Welt. Wenn ich einmal zwei Wochen am selben Ort bin, dann wird mir bereits langweilig. Ich bin froh, dass ich das so ausleben darf.

Was machen Sie, wenn Sie einmal zu Hause sind?
Ich bin wirklich nur selten zu Hause. Aber ich koche gerne. Vor allem Süssigkeiten ...

... die Sie selber essen ...
... nein, die die anderen essen.

Haben Sie bestimmte Rituale vor einem Rennen?
Nein. Ich respektiere es jedoch, wenn die anderen Athletinnen solche Rituale brauchen.

Was vertragen Sie aber vor einem Rennen gar nicht?
Mir fällt nichts ein, das mich stören würde ... ausser nasse Füsse. Ich mag es nicht, wenn ich in den Skischuhen nasse Füsse habe.

Lara Gut

Geboren: 27. April 1991 in Sorengo TI

Wohnort: bisher Comano TI, neu Arth SZ

Zivilstand: ledig, «mehr verrate ich nicht»

Werdegang: Erhielt als Einjährige von einer Tante Skis, auf denen sie einen Sommer lang im Garten Trockenübungen machte. Später zahlreiche Erfolge als Juniorin. 28. Dezember 2007: Debüt im Weltcup, zwei Monate später bei ihrer ersten Abfahrt gleich auf dem Podest - trotz Sturz vor dem Ziel. Zwei Silbermedaillen an der WM 2009 in Val d'Isère. Im selben Jahr schwere Verletzung an der Hüfte. Erfolgreiches Comeback in dieser Saison.

Aktuell: Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen, 7. - 20. Februar 2011

Zur Homepage von Lara Gut

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Walter Campitelli

Redaktor

Foto:
Fotos: Urs Bucher, zVg.
Veröffentlicht:
Mittwoch 02.02.2011, 08:00 Uhr

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