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Peter Knäbel: «Fussball ist Leidenschaft!»

Peter Knäbel kämpft für den Erfolg des Schweizer Fussballs. Er setzt dabei in erster Linie auf die Jugend, zu der auch sein Sohn zählt.

Coopzeitung: Zum Rückrundenstart der Super League sprechen alle von den Jungen: Wer bleibt, geht, rückt nach? Laufen die Jungen den Alten den Rang ab?
Peter Knäbel:
Nicht unbedingt. Der natürliche demografische Wechsel findet einfach mehr Beachtung.

Spricht das nicht auch für das Potenzial der jungen Spieler?
Nun, bei ein paar jungen Spielern hat die Förderung definitiv funktioniert.

Hat sich die Super League von der Gnadenbrot-Liga für ältere Stars zur attraktiven Nachwuchsliga entwickelt?
Das war vielleicht vor 20 Jahren so. Heute sind Streller, Frei und Co. in die Schweiz zurückgekehrt, um Champions League zu spielen. Klar helfen auch die Titel im Nachwuchsbereich. Die Talente sind zusätzlich im Blickfeld der Agenturen, weil viele Vermittler hier aus Steuergründen ihren Sitz haben.

Welche Rolle nimmt der Verband in diesem Spiel ein?
Wir sind stolz auf die Entwicklung. Aber wir sorgen uns auch, dass die Leute, und damit meine ich alle Beteiligten, nicht plötzlich übertreiben. So gut sind wir nun auch noch nicht! Die Spieler stehen heute schon sehr jung im Rampenlicht. Und jung bedeutet auch: noch nicht fertig. Denkt man nur ans Business, verliert man Energie, um besser zu werden.

Wie hilft der Verband bei der Karriereplanung?
Neu kümmert sich ein Mann vollamtlich darum. In erster Linie betreibt er Persönlichkeitsentwicklung. Spieler und ihr Umfeld sind oft gar nicht parat für so eine Karriere. Zudem bemühen wir uns, dass Doppelbürger für die Schweiz spielen. Unser Fundus an Spielern ist nicht so gross wie jener von Frankreich oder Deutschland. Darum ist ein Talent, das uns verloren geht, ein riesiger Verlust.

Es kursieren Geschichten von enormen Summen, mit denen Doppelbürger für ein Land geködert werden. Wie macht das der Schweizer Verband?
Wir kümmern uns früh um die Spieler, zeigen Interesse, beraten, sind für sie da, auch neben dem Platz. So erfährt man, wenn es Probleme oder Angebote von anderer Seite gibt. Der SFV bietet statt Geld kreative Lösungen. Dazu die sportlichen Reize: Je mehr wir uns mit der Nationalmannschaft für EM- und WM-Turniere qualifizieren, desto attraktiver sind wir.

Sie sind 1984 mit Deutschland U16-Europameister geworden. Was hat sich bei den heutigen Nachwuchs-Auswahlen verändert?
Die Möglichkeiten, Schule und Training zu verbinden, sind heute besser. Zudem hatten wir früher keine Profi-Trainer auf der Jugendstufe. Heute sind es in der Schweiz über 80 vollamtliche Trainer. Die Fachkompetenz ist also sicher grösser. Doch frage ich mich manchmal: Gibt es auch mehr Leideschaft? Ein Profischein ist dafür kein Gütesiegel. Aber wer das Privileg hat, mit Fussball Geld zu verdienen, der sollte leidenschaftlich sein. Umso mehr Respekt zolle ich den Leuten im Breitensport.

Hat auch Strassenfussball heute noch eine Bedeutung?
Freies Fussballspielen ist unglaublich wichtig. Das haben wir grad in einer Studie belegt. Da geht es ja um ganz Vieles: Wer hat die Idee, wer organisiert den Ball, wer sagt, wo und nach welchen Regeln gespielt wird. Das ist alles wichtig für die Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung. Aber nur mit Strassenfussball würden wir heute definitiv nichts reissen. Es braucht auch Analytik und Ordnung.

Die Ordnung spürt man bei den jungen Spielern sogar in Interviews. Da sprechen keine jungen Wilden, sondern demütig Gleichgeschaltete.
Ich schätze das nicht als unecht ein. Die Zurückhaltung ist eher eine Frage der Erziehung, Schulbildung und Kultur in der Schweiz. Die Spieler haben Respekt vor ihrer Aufgabe. Sie wissen, was sie geleistet haben, um dahin zu kommen, wo sie jetzt stehen und wie schwierig es wird, noch weiter nach oben zu kommen.

Kann man sich in der Schweiz nicht erlauben, zu sagen: «Das war die geilste Zeit meines Lebens» – wie Sie Ihre Zeit bei St. Pauli betitelt haben?
Man kann das durchaus sagen, wenn man so eine Zeit erlebt hat. Der Verband erteilt keine Maulkörbe. Nur gibt es wenige Typen wie Alex Frei, die bei Vereinen im Ausland auch neben dem Spielfeld eine starke Position eingenommen haben. Es ist nicht sehr Swiss like, wenn man es in eine starke Mannschaft geschafft hat, den Kopf noch weiter herauszustrecken. Da sind wir Deutschen schon etwas anders gepolt.

Ihr Sohn spielt in der U12 des FC Basel. Wenn Sie da am Spielfeld stehen: Brüllen Sie bei Schiri-Fehlern rein oder geben Sie den neutralen SFV-Funktionär?
Der Schiedsrichter ist in unserer Familie unantastbar. Mein Vater pfiff 40 Jahre lang. Aber ich brülle auch sonst nicht, sondern analysiere. Spielt mein Sohn, versuche ich ihn emotional zu unterstützen, Fan zu sein.

Will Ihr Sohn Fussballprofi werden?
Ja hoffentlich. Wie so viele andere ja auch.

Und da unterstützen Sie ihn vorbehaltslos?
Ich mach mir Gedanken zur Ausbildung, wie jeder andere Vater und wie auch bei meiner Tochter. Ich versuche zu unterstützen, wo es mir und meiner Frau notwendig erscheint. Den Weg wählen und gehen müssen die Kinder alleine.

Peter Knäbel

Geboren: 2. Oktober 1966

Wohnort: Riehen BS

Privat: Verheiratet, 2 Kinder

Karriere als Fussballer: 1984 U16-Europameister mit Deutschland, spielte zwischen 1984 und 1988 in der Ersten und Zweiten Bundesliga für Bochum, St. Pauli, 1860 München und Nürnberg. Danach via FC St. Gallen zum FC Winterthur.

Karriere nach Aktivzeit: Nach der Spielerkarriere wurde er beim FC Winterthur Nachwuchschef. Ab 2003 beim FC Basel als Nachwuchschef und Technischer Direktor. Seit 2009 ist Peter Knäbel Technischer Direktor des Schweizerischen Fussballverbands und verantwortlich für die Abteilungen Breitenfussball, Spitzenfussball, Trainerausbildung, Frauenfussball, Auswahlmannschaften und Schiedsrichter.

Zur Homepage des Schweizerischen Fussballverbands

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Olivier Joliat

Autor

Foto:
Fotos: Matthias Willi
Veröffentlicht:
Dienstag 25.01.2011, 08:00 Uhr

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