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Sina: «Hier oben fühl ich mich frei»

Der Walliser Popstar Sina, den es auch in Zürich in die Höhe zieht, liebt Duette und Süssigkeiten.

Coopzeitung: Sind Sie schwindelfrei?
Sina:
Wenn es um neue Projekte geht, bin ich ziemlich mutig – in den Bergen leider nicht. Wenigstens komme ich heute über fast jede Hängebrücke.

Fühlen Sie sich von Aussichtspunkten angezogen?
Wer weiss, wie eng die Bergketten im Lötschental stehen, wo ich aufgewachsen bin, kann sich vorstellen, dass man manchmal das Bedürfnis hat, in die Höhe zu steigen. Auch, um zu sehen, was sich auf der anderen Seite befindet. Ich bin schon früh nach Genf und dann nach Zürich gegangen. Und heute fahre ich jedes Jahr mehrmals nach Italien ans Meer, wo der Horizont noch weiter ist.

Ist das Grossmünster Ihr Lieblingsaussichtspunkt in Zürich?
Der Üetliberg gefällt mir auch, aber eigentlich ist ja nichts vergleichbar mit der Lauchernalp in unseren schönen Walliser Bergen! Der Rundblick auf 40 Viertausender ist einfach unschlagbar. Dort oben fühle ich mich enorm frei.

Welche Freiheiten haben Sie sich bei der Aufnahme der neuen CD genommen?
Zunächst wollte ich einfach, dass es auf ihr knarrt, giert und streicht, damit man hört, wie die Musiker und ich unser Handwerk betreiben. Die Songs sind lange Skizzen geblieben. Da ich ohne feste Band war, lud ich Leute ins Studio ein, die den jeweiligen Songs die nötige Stimmung gaben – Streicher, Bläser, sogar ein ganzes Sinfonieorchester. Und das Klavier sollte im Zentrum stehen. Und damit Philipp Henzi, ein unglaublicher Pianist und Arrangeur.

Weshalb haben Sie sich von Ihrer Band getrennt?
Es ist nicht so, dass ich meine Musiker rausgeworfen hätte. Jeder von ihnen hat während unserer gemeinsamen Zeit eigene Projekte und Visionen entwickelt. Als wir bei Gesprächen im Vorfeld dieses Albums herausfanden, dass alle Lust auf Veränderung hatten, beschlossen wir, getrennte Weg zu gehen. Das muss aber nicht heissen, dass wir nie mehr zusammen musizieren werden.

Bei Ihren Koautoren setzen Sie auf Kontinuität.
Seit Jahren bewährt sich die Zusammenarbeit zwischen Schriftstellerinnen und Musikern. Ich schreibe zwar auch selbst, bin aber primär Sängerin. Gleichzeitig gibt es meinen Liedern eine andere Ebene, wenn Milena Moser und Frau Berg meine Songideen in Geschichten verwandeln und ich mir diese rhythmisch und bei der Übertragung ins Walliserditsch zu eigen machen kann. «Ich schwöru» stammt von Sibylle Berg.

Wie konnte sie, die sonst als Zynikerin berüchtigt ist, einen so schönen Liebesschwur schreiben?
Sie konnte diesen Text nur schreiben, weil sie ihn auch so empfindet. Ich freue mich doppelt über ihn, weil er bezeugt, dass sie gerade eine sehr glückliche Liebe erlebt. Wir mussten die letzte Strophe also nicht streichen, weil darin die Welt untergeht! (lacht)

Ihre Interpretation mit Büne Huber sorgt für Gänsehaut. Wie kam dieses Duett mit dem Patent-Ochsner-Sänger zustande?
Wir kennen und schätzen uns schon ewig. Büne hatte mir schon vor einigen Jahren spontan ein Lied vorgeschlagen, das aber nicht passte. Als ich mit meinem Mann die Musik zum Text komponiert hatte, dachte ich sofort: Da könnte der Huber mitsingen! Ich habe ihm das Lied noch in derselben Nacht gemailt.

Wie stehen Sie zum Schwören?
Es ist schon ein grosses Wort, bei dem man sofort an den Rütlischwur oder Vereidigungen denkt. Das Lied handelt aber von der höchsten Form, einem Liebesversprechen. Und es kommt aus tiefstem Herzen. Genau. Und trotzdem ist es nur eine Momentaufnahme. Wenn ich heute sage, dass ich für immer mit jemandem zusammen sein will, ist das keine Garantie für ein ganzes Leben, auch wenn ich daran glauben will. Ausserdem schwöre ich als Katholikin ungern – es ist die Angst vor der göttlichen Strafe, die man im Nacken spürt ... (schmunzelt)

Hitverdächtig ist auch «Villicht im Mai». Weshalb können Sie die Sehnsucht der Frauen über 40 nach einem Mann so treffend beschreiben?
Ich bekomme als Freundin oder Kollegin mit, wie schwierig es ist, in diesem Alter noch gute ungebundene Männer zu finden. Viele werfen ihre Netze deshalb auch im Netz aus. Ich glaube aber nicht, dass ein schönes Foto und ein schneller Klick reichen, um den Idealpartner zu finden. Die Erfahrung eines Freundes, der glaubte, dort die ultimative Blondine an der Angel zu haben, hat mich bestätigt. Als er bei einem Kaffee ihre Piepsstimme hörte, wusste er sofort: Das geht gar nicht!

Da gäbe es für Sie vermutlich nur einen Trost: «Bonbons»!
Tatsächlich greife ich nur zu Süssigkeiten, weil ich weiss, dass die glücklich machen. Falls sie nicht ausreichen, mich aufzuheitern, hilft ein Spaziergang an der frischen Luft oder ein Bad im Hallwilersee. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ziehe ich Bonbons jedoch vor.

Sina

Beruf: Sängerin und Songschreiberin

Geburtsdatum: 28. Mai 1966, in Gampel

Zivilstand: verheiratet mit Musiker und Produzent Markus Kühne

Wohnort: Fahrwangen AG

Laufbahn: Seit dem 1994 veröffentlichten Debütalbum «Sina» ist die Oberwalliserin die grosse Konstante im Schweizer Mundartpop – in Sachen Erfolg und Qualität.

Aktuelle CD: «Ich schwöru» (ab 25. Februar im Handel)

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Fotos: Yannick Andrea
Veröffentlicht:
Dienstag 22.02.2011, 08:00 Uhr

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