Das Wasser lockt: In schnellem Lauf geht es hinunter ans Ufer der Melchaa. Hinten links die Kapelle mit der Zelle von Bruder Klaus.

Ab der Welt: Ein Besuch bei Bruder Klaus

Ort der stillen Einkehr, aber auch lebenswerte Gemeinde im Herzen der Innerschweiz: Sachseln mit Flüeli-Ranft ist nicht nur für Wallfahrer attraktiv.

In die Ranftschlucht geht es tief hinab: Links Flüeli mit Hotel Paxmontana, rechts hinten das Stanserhorn.

In die Ranftschlucht geht es tief hinab: Links Flüeli mit Hotel Paxmontana, rechts hinten das Stanserhorn.
http://www.coopzeitung.ch/Ab+der+Welt_+Ein+Besuch+bei+Bruder+Klaus In die Ranftschlucht geht es tief hinab: Links Flüeli mit Hotel Paxmontana, rechts hinten das Stanserhorn.

Es ist Ende August, der Sommer gibt noch einmal alles, und die Kinder wären lieber zum Baden an den Sarnersee. Aber wir haben uns verabredet, um Flüeli-Ranft zu erkunden – auf den Spuren von Bruder Klaus. Denn dem Schweizer Nationalheiligen begegnet man hier in Obwalden allenthalben. In diesem Jahr erst recht, da der 600. Geburtstag des Niklaus von Flüe gefeiert wird.

Wir starten am Sarnersee

Wie lebt es sich an solch einem Wallfahrtsort? Das wollen wir von drei einheimischen Frauen wissen, die uns mit ihren Kindern beim Ausflug begleiten: Beata Berry, Isabelle Winterhalder-Anderhalden und Jenny Donno Bongulielmi. Sie sind befreundet, seit die Kids zusammen zur Schule gehen. Jenny führt im Auftrag der Bruder-Klausen-Stiftung Besucher durch Flüeli-Ranft, Architektin Isabelle ist in Sachseln OW aufgewachsen und stammt aus einer alten Innerschweizer Familie, Beata betreut als Stadtführerin in Luzern vor allem US-Touristen.

Es liegt wahrscheinlich nicht nur an der Hitze, dass alle drei – ebenso wie die Kinder – den Sarnersee als einen ihrer Lieblingsorte nennen. «Wir wohnen zwei Minuten entfernt und gehen mehrmals täglich schwimmen», sagt Isabelle. Wie schön der See in die Berge eingebettet ist, zeigt sich eindrücklich auf der Panoramastrasse vom Entlebuch her kommend. Eiligen Touristen auf der Brünigstrasse bleibt die Schönheit dagegen weitgehend verborgen, seitdem der Tunnel am Sarnersee und an Sachseln vorbeiführt. Im Zug wiederum reist man direkt am Ufer entlang, und vom Bahnhof Sachseln aus geht es nun in den rund 250 Meter höher gelegenen Ortsteil Flüeli-Ranft.

Panoramablick

Ein beschaulicher Ort: Auf dem Weg in die Ranftschlucht begegnet man unter der Woche nicht so vielen Pilgern.

Ein beschaulicher Ort: Auf dem Weg in die Ranftschlucht begegnet man unter der Woche nicht so vielen Pilgern.
http://www.coopzeitung.ch/Ab+der+Welt_+Ein+Besuch+bei+Bruder+Klaus Ein beschaulicher Ort: Auf dem Weg in die Ranftschlucht begegnet man unter der Woche nicht so vielen Pilgern.

Oben auf der Flue – daher der Name des Ortes und des Heiligen – thront die Borromäus-Kapelle: Von dort geht der Blick weit übers Land. Unterhalb zeigt uns Jenny das Geburtshaus des Niklaus von Flüe und wenige Schritte entfernt das Haus, in dem der wohlhabende Bauer, Ratsherr und Richter mit seiner Frau Dorothea und den zehn Kindern gelebt hatte, bevor es ihn in die Einsamkeit der gleich nebenan liegenden Ranftschlucht zog. Dort hinab führen heute zwei Wege, wir nehmen die etwas weitere und sanftere Variante, die am Hang entlang in die Schlucht führt, und geniessen dabei die Aussicht. Unter der Woche an einem Tag wie diesem sind nicht viele Pilger unterwegs. So können sich die Kinder in Ruhe die karge Zelle anschauen, in der Bruder Klaus fast 20 Jahre lebte.

Fragen an Bruder Klaus

Welche Fragen würden die Kinder dem Einsiedler stellen, wenn sie ihm gegenüberstehen könnten? «Wie machst du das mit dem Essen und Trinken?», möchte Isabelles Tochter Aileen wissen – für die Sechsjährige ist das extreme Fasten des Bruder Klaus nicht vorstellbar. Jennys Kinder Nicla (8) und Gianluca (5) wundern sich, wie er auf diesem harten Boden oder auf der Holzbank schlafen konnte, ebenso wie Beatas Tochter Dasha (7). Ihr ein Jahr älterer Bruder Archie fragt: «Ist es kalt in deinem Haus? Fühlst du dich manchmal einsam?»

Ein politischer Heiliger

Wie schon zu seinen Lebzeiten suchen heute noch viele Menschen bei Bruder Klaus Rat und Hilfe. Auch Archie und die anderen Kids zünden am Wallfahrtsort Kerzen an.

Wie schon zu seinen Lebzeiten suchen heute noch viele Menschen bei Bruder Klaus Rat und Hilfe. Auch Archie und die anderen Kids zünden am Wallfahrtsort Kerzen an.
http://www.coopzeitung.ch/Ab+der+Welt_+Ein+Besuch+bei+Bruder+Klaus Wie schon zu seinen Lebzeiten suchen heute noch viele Menschen bei Bruder Klaus Rat und Hilfe. Auch Archie und die anderen Kids zünden am Wallfahrtsort Kerzen an.

Nun, ganz so abgeschieden von der Welt war das Leben des Eremiten nicht, denn immer wieder kamen Menschen, die bei ihm um Rat nachsuchten. Einer dieser Besucher war der Stanser Pfarrer Heimo Amgrund: Die Botschaft, die ihm Bruder Klaus kurz vor Weihnachten 1481 mit auf den Weg gab, führte dazu, dass der Streit zwischen Stadt- und Landorten bei der Tagsatzung zu Stans NW geschlichtet wurde. Das so entstandene «Stanser Verkommnis» war über 300 Jahre lang die Grundlage für Bestand und Fortentwicklung der Eidgenossenschaft. Was Bruder Klaus damals geraten hat, weiss man bis heute nicht. Immer wieder rief er aber in anderen Botschaften zum Frieden auf, nachdem er selbst das Grauen im Alten Zürcherkrieg auf Seiten der Innerschweizer erlebt hatte.

SRF-Beitrag zur Nationalen Gedenkveranstaltung
Peter von Matt: «Bruder Klaus und die Selbstfindung der Schweiz» (Download)

Naturerlebnis

Wir verlassen die Einsiedelei, laufen weiter hinunter zur Melchaa, die derzeit nur als kleiner Bach durch die Schlucht plätschert. Für die Kinder ist das Spielen am Wasser eindeutig Höhepunkt des Auflugs. Aber Vorsicht: Wie alle Bergbäche kann sich auch dieser im Nu in einen reissenden Fluss verwandeln, wenn das Wetter umschlägt oder oberhalb Stauwehre geöffnet werden! Wer die schmale Brücke überquert, kann auf der anderen Seite der Ranftschlucht aufsteigen und in etwa einer halben Stunde nach St. Niklausen OW wandern, von wo man per öV wieder nach Sarnen OW kommt. Oder man geht den ganzen Weg hinunter nach Stans – das braucht allerdings Kondition: Gut viereinhalb Stunden ist man dann unterwegs. Wir gehen stattdessen wieder zurück nach Flüeli, diesmal über die «Direttissima»: eine Treppe mit 303 Stufen. Auch da kommt man ganz schön ins Schwitzen, aber unten wartet ja der Sarnersee.

Bruder-Klausen-Weg (Download)
Flüeli-Ranft-Tourismus »

600 Jahre Niklaus von Flüe

Der 600. Geburtstag des Heiligen wird dieses Jahr mit vielen Anlässen gefeiert, darunter die Gedenktage in Sachseln und Flüeli-Ranft vom 23. bis 25. September. Der Samstag ist als Familienfest vorgesehen, am Sonntag wird ein ökumenischer Festgottesdienst live in Radio und TV übertragen. Der traditionelle Bruder-Klausen-Tag am Montag schliesst mit Betruf und Alphornklängen.

Die Benutzung der Postauto-Linie Sarnen–Sachseln–Flüeli-Ranft ist an allen drei Tagen gratis.

Noch bis Ende September wird das Visionsgedenkspiel «vo innä uisä» in Sachseln aufgeführt. Es zeigt den Weg des mittelalterlichen Mystikers auf, der ihn aus seinem bäuerlichen Leben in die spirituelle Innenwelt der Einsiedelei in der Ranftschlucht geführt hatte. Dort findet alljährlich in der Nacht auf den 4. Adventssonntag das Ranfttreffen von Jungwacht und Blauring statt – in diesem Jahr zum 40. Mal und ausnahmsweise bereits am 16. Dezember.

Mehr Ranft – das Gedenkjahr im Überblick »
Ranfttreffen Jubla »
Bruder-Klausen-Stiftung »
  

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Martin Winkel

Redaktor

Foto:
Monique Wittwer
Veröffentlicht:
Montag 04.09.2017, 14:50 Uhr

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