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Adrain Stern auf dem Spielplatz Graben, wo er oft mit seiner Tochter Mina verweilt – als einziger Vater neben lauter Müttern. 



Adrian Stern: «Im echten Leben kann ich ein Pflock sein»

Der Badener Sänger Adrian Stern (38) über Liebeslieder und Liebesbriefe, seine Tochter und sich als Vater, Züri West und Patent Ochsner. 

Coopzeitung: Ihr erster Tourneestart als Ehemann und Vater steht bevor. Haben Sie Angst, dass die Mädchen in der ersten Reihe Sie nicht mehr anhimmeln werden?
Adrian Stern: Diese Zeiten sind schon lange vorbei! Mein Jahr als Teenagerschwarm hatte ich 2003 mit «Ha nur welle wüsse …». Danach wurde mein Publikum immer erwachsener. Es kommen zwar noch ab und zu Mädchen zu den Konzerten, vor allem jedoch junge Frauen, Mütter und Pärchen. Sie kommen vor allem, weil sie sich in den Erfahrungen wiedererkennen, die ich in meinen Liedern beschreibe. 

Ihre fünfte CD «1 & 1» wirkt in der Tat noch persönlicher als ihre Vorgänger.
Das hat definitiv mit der Geburt meiner Tochter zu tun. Ich habe mich früher immer gegen Songs gewehrt, die von früher handeln, aber jetzt passt es, den Weg von meiner Kindheit bis zur eigenen Vaterschaft zu erzählen. 

Haben Sie wirklich schon als Zehnjähriger mit Liebesbriefen und Blumensträussen um Mädchen geworben?
Der Blumenstrauss in «1985» ist eine Überzeichnung. Aber es ist wahr, dass ich viele Liebesbriefe geschrieben, jedoch nicht alle abgeschickt habe. Ich war sehr scheu und ein Meister darin, mich in Mädchen zu verlieben, die mich wahnsinnig sympathisch fanden, aber nicht mit mir zusammen sein wollten. Es dauerte einige Jahre, bis ich meine Traumfrau in der Realität fand.

«

Die Zeiten, als mich die Mädchen anhimmelten, sind vorbei.»

Ist es Ihnen einmal gelungen, mit einem Song das Herz einer Frau zu erobern?
Einmal hat es funktioniert. Ich war etwa zwanzig und schrieb ohne konkreten Anlass ein trauriges Liebeslied. Eine flüchtige Bekannte fühlte sich davon so angesprochen, dass sie sich total in mich verliebte und mir dies auch gestand. Ich fiel aus allen Wolken und konnte ihre Gefühle nicht erwidern. Danach kam die Phase, in der ich unglücklich war und die Lieder für die Frauen nicht immer vorteilhaft waren ...

Sind Sie der Romantiker, auf den man aus Ihren Liedern schliesst?
In meiner Musik lebe ich, wer ich sein könnte. Aber im echten Leben bin ich ein ganz normaler Mann, der manchmal sensibel und verträumt ist, aber auch ein Pflock sein kann. Da unterscheide ich mich nicht von anderen. Als Mensch bin ich sehr geerdet, und wenn man ein Kind bekommt, wird nochmals alles ganz anders: Der Tagesablauf und die Wohnbedürfnisse, du musst haushälterischer mit deiner Energie umgehen, dich besser organisieren.

Wie reagieren die Leute in Baden, wenn Adrian Stern mit dem Kinderwagen statt mit dem Gitarrenkoffer unterwegs ist?
Früher wusste ich nie, was in ihren Köpfen vorging, wenn sie mich sahen, ob sie meine Musik toll fanden oder ob ich sie nervte. Nun kann ich in ihren Gesichtern lesen: «Das ist jetzt also seine Tochter!» Und darauf folgen meist sehr positive Reaktionen, weil Mina sehr offen ist, den Leuten zuwinkt und «Hallo» sagt. 

In Baden sieht man Sie häufig auf dem Spielplatz?
Auf dem Spielplatz Graben dreht sich alles um meine Tochter. Manchmal fühle ich mich dort etwas ausge-schlossen – als Vater unter den vielen Müttern. Aber ich gehe in Baden ja nicht nur auf den Spielplatz. Im Nordportal beginne ich meine Tournee, und in der Stanzerei reden Hendrix Ackle und ich in unserer Veranstaltungsreihe «Songcircle» ab 15. Januar wieder mit Gästen über Lieblingslieder und spielen diese dann auch.

Im Titelsong «1 & 1» nehmen Sie auf Patent Ochsner und Züri West Bezug. 
Mir hat die Ästhetik von Züri West immer gefallen. Sie brauchen keinen Konzertflügel, um ihre Melodien zu spielen. Ihnen reicht ein einfaches Piano: Das Klavierthema in «Das wünsch i dir» ist eine Hommage an Züri West. Bei Patent Ochsner müsste ich etwas weiter ausholen ...

Wir sind gespannt!
Der Schlagzeuger meiner ersten Schulband, in der ich Englisch gesungen habe, brachte einmal Patent Ochsners «Schlachtplatte» zur Probe mit und meinte: «Das ist die Zukunft! Wir müssen Mundart singen!» Das kam mir überhaupt nicht in die Tüte. An der Kanti fuhren jedoch alle Frauen auf Büne Huber ab. Dann wurde ich mal an ein Konzert mitgeschleppt – doch ich war in der Red-Hot-Chili-Peppers-Phase und kapierte überhaupt nichts. Im Laufe der Jahre begeisterte ich mich aber immer mehr für Bünes Musik. Er ist ein grossartiger Sänger, hat eine sehr feine Art, mit Harmonien umzugehen, und ich bewundere, wie er Hochs und Tiefs verarbeitet hat. 

Apropos: Mich berührt Ihr wehmütiges Lied über das alte «Polaroid», das Ihre geschiedenen Eltern noch gemeinsam glücklich zeigt.
Es ist seltsam. Obwohl meine Eltern inzwischen schon lange getrennt sind, weckt dieses Foto in mir noch immer das Gefühl, dass sie eigentlich zusammengehören würden. Wenn die Eltern sich getrennt haben, vermisst man die gemeinsamen Tage wohl für den Rest seines Lebens. Ich merke, wie schön es für meine Tochter ist, wenn wir alle drei zusammen Zeit verbringen.

Adrian Stern

Beruf: Sänger, Musiker und Songschreiber 
Geburtsdatum: 22. März 1975
Zivilstand: verheiratet mit Mylen, Tochter Mina (20 Monate)
Wohnort: Baden AG
Ausbildung: Matura und Jazzschule
Laufbahn: Zwei Bands mit englischen Songs, 2003 Debütalbum «Stern» mit Mundartliedern, darunter Airplay-Hit «Ha nur welle wüsse». Durchbruch mit der 4. CD «Herz» (Swiss Music Award «Album des Jahres») und den gefühlvollen Ohrwürmern «Amerika« und «Nr. 1»
Aktuell: CD «1 & 1», Tournee ab 7. Dezember (Baden), weitere Konzerte: 

Link: www.adrianstern.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Stephen King - Das Leben und das schreiben

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Andre Kaminski der in Herzflattern von seiner Jugend in Zürich während dem 2ten Weltkrieg erzählt.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Mani Matter, Don Henley, David Gilmour, Sting, John Mayer 

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Last Vegas 

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Jackie Brown

Ihr Lieblings-Filmheld?
Marty McFly in Back to the Future

Was für Musik hören Sie gerade?
John Mayer - Continuum

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Bruce Springsteen Live 1975-85

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Ben Folds

Was kochen Sie selbst?
Pasta, Spare Ribs, allerlei kalorienhaltiges

Ihre Lieblingsspeise?
Pad Thai mit Tofu

Ihr Lieblingsgetränk?
Espresso in Italien

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meiner Frau und meiner Tochter, sofern sie denn am Tisch sitzen bleibt :-) 

Und wo essen Sie am liebsten?
In der Küche am alten Holztisch

Mac oder PC?
Mac seit 1985

Auto oder Zug?
Beides, plus Velo und Töff

Wein oder Bier?
Im Sommer Bier, im Winter Wein

Pasta oder Fondue?
Zur Zeit Fondue aus dem alten VonRoll Gusseisencaquelon

Joggen oder Walken?
Weder noch. Es muss spielerischer sein. Tennis!

Berge oder Meer?
Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Bei der TV Serie Parenthood

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Mit Wortwitz

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Bär in Alaska

Wovon träumen Sie?
Von langen Reisen ohne Plan

Was ist für Sie das grösste Glück?
gute Musik

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 02.12.2013, 21:30 Uhr

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