Agentenlohn

http://www.coopzeitung.ch/Agentenlohn Agentenlohn

Schreiber: Familienalltag ist logistisch immer wieder mal herausfordernd. Bei uns ist das dann so: Ich sage, was zu tun ist, weil ich ja sehe, was zu tun wäre. Ziel: nicht im Chaos zu versinken. Vor allem, wenn wir in den Bergen waren und in die Niederungen des Alltagslebens abtauchen, volle Taschen mit schneefeuchten Klamotten und halb leer gefutterte Picknickrucksäcke den Eingang blockieren und im Auto noch die Ski, Skischuhe und dicke Daunenjacken liegen.

«

Wie hat er das bloss geschafft?»

Dann bin ich stets die Buhfrau, die Aufträge verteilt und sich unbeliebt macht. «Mensch Mama, stress nicht so!», mault es mir entgegen. Mir stinkt das und darum sage ich zu Schneider: «Erledige du das mit unseren Töchtern.»
Er nickt. Kurz danach sehe ich meine zwei Halbwüchsigen ins Auto huschen, bewaffnet mit Tüten und Staubsauger. Sie flüstern, blicken sich immer wieder um und wenig später ist das Auto ausgeräumt, die Taschen im Gang sind versorgt und deren textiler Inhalt nicht wie sonst einfach in den Waschkorb geknüddelt, sondern zum Trocknen aufgehängt. Ich bin beeindruckt. Nix Muff, nix Trotz, nix Vorwurf. «Wie hast du das geschafft?», frage ich Schneider. Der grinst nur und hält eine DVD-Schachtel hoch.

http://www.coopzeitung.ch/Agentenlohn Agentenlohn

Schneider: Belohnung motiviert. Und nun, da meine beiden Töchter schon gross sind – zumindest aus Sicht der Reisebranche, wo 12-Jährige als Erwachsene gelten –, kann ich sie und mich mit ähnlichen Prämien für getane Arbeit honorieren. Konkret: Ich ziehe eine TV-Agentenserie auf DVD aus dem Ärmel, die ich für den richtigen Zeitpunkt gehortet habe.

Der richtige Zeitpunkt ist jetzt. Ich halte Rat mit meinen Töchtern, verlange höchste Loyalität, volles Engagement und rasches, schnelles Handeln. Dann stelle ich Peggy Carter vor. Peggy Carter, die Hauptfigur der besagten TV-Serie, ist eine Agentin, die ihren Job höchst loyal, voll engagiert und ... Eben.

«

Sie nennt es Erpressung, ich nenne es Belohnung.»

«Wenn wir erledigt haben, was Mama wünscht, schauen wir uns gleich gemeinsam die erste Folge an. In Ordnung?» Meine Mädels, begeistert vom Agentenwesen, seit ich sie mit den diversen Filmen der Comic-Fabrik Marvel bekannt gemacht habe, jubeln und machen sich fröhlich an die Arbeit. Welcher Elan! Schreiber staunt. Sie beäugt die DVD-Schachtel. «Aha. Ein Agentenfilm. Das nenne ich Erpressung, mein Lieber.» Stimmt. Aber da ich bei diesem Erziehungskniff ja auch an mich gedacht habe, sage ich: «Nennen wir es lieber ‹Belohnung›.»

Die Kolumnisten live mit ihrem neuen Programm «Mein Leben als Paar»: 2. März in Bronschhofen; 10. März in Biglen. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 06.03.2017, 15:00 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Dipl.-Ing. Norbert Derksen antwortet vor zwei Tagen
Tanz auf dem Grat
«Sie waren mit 14 Stundenkilom ... 
Isabel serrao antwortet vor 2 Wochen
Licht im Dunkeln
Die schlestesten kolumnen die ... 
Dipl.-Ing. Norbert Derksen antwortet vor 2 Wochen
Schaumschläger
«Ich war bis eben noch ganz ve ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?