«Wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist, lässt man es lieber bleiben»: Winzer Emilio Sileno bei der Arbeit in seinem Rebberg.

Aglianico: Der «Barolo des Südens»

Er gedeiht an den Hängen eines erloschenen Vulkans und ist der Stolz einer ganzen Region Süditaliens. Auf den Spuren des Aglianico del Vulture. 

Sie nennen ihn den «Barolo des Südens». Woher der Spitzname kommt, weiss heute niemand mehr so genau. Wohl zu lange reifen die roten Aglianico-Trauben bereits in den Weinbergen der süditalienischen Region Basilikata. Vor rund 2500 Jahren von den Griechen eingeführt, gilt Aglianico deshalb mittlerweile auch als eine autochthone, also einheimische Rebsorte. Und sie ist der ganze Stolz der Weinbauern, die sie hier in Venosa, am Fusse des erloschenen Vulkans Monte Vulture, mit Leib und Seele anbauen. «Wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist, lässt man es lieber bleiben», meint etwa Winzer Emilio Sileno. Sein jüngerer Kollege Emanuele Giannone pflichtet ihm bei: «Ich erbringe kein Opfer. Mich motivieren meine Leidenschaft für den Weinbau, die Nähe zu dieser fruchtbaren Erde und das Gefühl von Freiheit, das einem die Weite verleiht.»

Einmal reif, liefern Winzer wie Sileno und Giannone ihre Trauben in der Kellereigenossenschaft Venosa ab. «Wir bestehen aus 800 Mitgliedern», erklärt Vertriebschef Antonio Teora. «Jedes Mitglied bewirtschaftet höchstens vier Hektar Weinberg.» Gleichzeitig setze die Genossenschaft auf höchste Professionalität. Immer mit dem Ziel, die Qualität ihres Weins, des Aglianico del Vulture, zu halten. Damit das klappt, machen die Experten an der Spitze der Genossenschaft die Ansagen. Dazu gehört nebst Teora auch Kellermeister Franco Calviello, der selbst 20 Jahre als Winzer gearbeitet hat: «Wir sagen unseren Weinbauern, wann die Trauben reif zum Keltern sind, und sie vertrauen uns und unserem Fachwissen.» Auch Genossenschaftsleiter Francesco Perrillo, der übrigens in Uster ZH geboren wurde, leistet seinen Beitrag. Geht es um Fragen der Rentabilität, der effizienten Entscheidungsfindung und der schnellen Reaktion auf Veränderungen im Markt, dann ist er der Mann der Stunde: «Die Genossenschaft hat eine schlanke Struktur», so Perrillo. «Wir treffen oft Entscheidungen, ohne dass wir vorher alle unsere Mitglieder dazu befragen.» Zum Beispiel habe man letztes Jahr in Eigenregie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Genossenschaft installiert. «Damit konnten wir die Energieeffizienz steigern und sind unabhängiger geworden.»

Franco Calviello, Kellermeister der Kellereigenossenschaft Venosa.

Franco Calviello, Kellermeister der Kellereigenossenschaft Venosa.
Franco Calviello, Kellermeister der Kellereigenossenschaft Venosa.

Unterstützung beim Anbau und bei der Herstellung des Aglianico del Vulture erhält die Kellereigenossenschaft Venosa aber auch vom regionalen landwirtschaftlichen Versuchszentrum in Melfi, das nordöstlich vom Monte Vulture liegt. Seit 1992 wird dort der Weinbau in der Basilikata optimiert. Mehr noch: «Auf Wunsch warnen wir die Winzer per SMS vor Unwettern oder einem möglichen Parasitenbefall und schlagen zugleich Massnahmen vor, wie darauf reagiert werden kann», erklärt Zentrumsleiter Michele Baldantoni. Und weil Baldantoni gleichzeitig Hüter über die kontrollierten Ursprungsbezeichnungen DOC und DOCG des Aglianico del Vulture ist, fügt er an: «Natürlich gehört auch die Qualitätsüberwachung zu unseren Aufgaben.»

Als Nächstes möchte die Kellereigenossenschaft Venosa an neuralgischen Punkten in den Weinbergen Wetterstationen installieren, um so die Entwicklung der Trauben besser nachvollziehen zu können, und all ihre Winzer mit einem kleinen portablen Computer ausrüsten, damit sie immer auf dem Laufenden sind. «Damit wollen wir sicherstellen», so Vertriebschef Teora, «dass unser Aglianico del Vulture auch weiterhin den Ruhm als ‹Barolo des Südens› geniesst.»

Die Heimat von Horaz

Venosa, der Geburtsort des altrömischen Dichters Horaz, liegt in der Basilikata. Die Gemeinde mit 12’000 Einwohnern gehört zu den schönsten Dörfern Italiens.

Sehenswürdigkeiten

Die jüdischen Katakomben in unmittelbarer Nachbarschaft zu den christlichen Katakomben stammen von der jüdischen Gemeinde, die hier zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. lebte. In den in Tuffstein gegrabenen unterirdischen Gängen mit Familiengrabstätten und Grabnischen finden sich Wandmalereien und hebräische Inschriften.

Die Abtei Santissima Trinità besteht aus einer Kirche aus der frühchristlichen Zeit (5.–6. Jh. n. Chr.), die auf den Ruinen eines heidnischen Tempels erbaut wurde. Im Innenraum kann man die Freundschaftssäule mit ihrem byzantinischen Kapitell bewundern. Es heisst: Wer die von den Römern erbaute Säule Hand in Hand umrundet, dessen Freundschaft ist für immer besiegelt.

Im paläontologischen Park von Notarchirico mit den blühenden Weinbergen wird schnell deutlich, dass die Menschen schon seit der Steinzeit gerne im Gebiet um Venosa leben.

Unterkunft

Wir empfehlen das Hotel Villa del Sorriso mit familiärer Atmosphäre und traditionsreicher regionaler Küche.

Weitere Informationen zum Hotel Villa del Sorriso

Bar

Tipp für Weinliebhaber: Die Weinbar New Mojito befindet sich im Herzen der Altstadt in einem der Säulengänge.

Agrotourismus

Im Betrieb Sant’Agata in Melfi gibt es typisch lukanische Küche wie Caciocavallo, einen Hartkäse aus der Milch von Podolica-Rindern, «Peperone crusco» (getrocknete Peperoni) und Strascinati mit Zucchinistielen aus dem Garten. Auf dem angeschlossenen Lernhof erfahren Kinder viel über die Tiere auf einem Bauernhof.

Mehr zum Agrotourismus-Betrieb Sant’Agata

Risotto all’Aglianico

Zutaten

(Für 4 Personen)

  • 200 g Carnaroli-Reis
  • 240 g Rindshackfleisch
  • 250 ml Aglianico
  • 1/2 l Brühe
  • 20 g Burratina-Käse
  • Parmesan
  • 2 Schalotten
  • Extra natives Olivenöl
  • Salz

Zubereitung

Den Wein mit einer geviertelten Schalotte ungefähr auf die Hälfte einkochen. Anschliessend durch ein Sieb giessen und zur Seite stellen. Das Rindshackfleisch in etwas Olivenöl anbraten. Eine Schalotte in einem Schmortopf ebenfalls in etwas Öl anbraten, dann den Carnaroli-Reis hinzugeben und anrösten. Nach und nach die Brühe hinzugeben und den Reis darin kochen. Kurz vor Ende der Garzeit auch den Wein hinzugeben. Vom Herd nehmen und das Risotto mit kleinen Burratina-Stückchen und geriebenem Parmesan vermengen. Das Risotto zusammen mit dem Rindshackfleisch servieren.

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Coop führt drei «Aglianico del Vulture DOC»-Weine: den Gesualdo da Venosa, den Terre di Orazio und den Carato Venuso. Doch Aglianico-Trauben gedeihen nicht nur in der Basilikata. So kennt zum Beispiel auch Apulien diese Rebsorte, wie etwa der Collection Giordano Aglianico Puglia IGT beweist. Alle diese Weine sind in grösseren Coop-Supermärkten erhältlich sowie bei Coop@Home und auf der Weinplattform Mondovino.

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Text:
Carmela Maccia
Foto:
Pino Covino
Veröffentlicht:
Montag 11.08.2014, 19:35 Uhr

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