Akute Kalenderitis

Schreiber: Seit ich kreatives Personal habe, schaffe ich es endlich, meinem Patenkind einen selbst gebastelten Adventskalender zu schenken. Meine beinahe erwachsenen Gottimeitlis kamen leider nie in diesen Genuss. Ich bedaure es, doch das ist Vergangenheit. Die Gegenwart sieht besser aus: Denn die freiwilligen Helferinnen – meine Töchter – haben mit Begeisterung 24 Tütchen gebastelt. Sie klebten und knickten einen ganzen Abend lang buntes Papier und füllten Kinkerlitzchen ein, die ich besorgt hatte. Dabei seufzten sie und freuten sich. Zum Schluss kamen bunte Bändel dran und glitzernde Weihnachtskugeln, dann überreichten wir den Kalender feierlich meinem süssen kleinen Patenzwirbel.

«

Schade, dass er die Freude nicht mit uns teilt.»

Er strahlte, wir strahlten. Es rührt mich immer noch, wie toll mir unsere Töchter geholfen haben. Dank ihnen bin ich eine tolle Gotte. Der Kleine wird sich jeden Tag am Kalender freuen, denke ich zufrieden. Der Einzige, der keine Freude daran hat, ist Schneider. Als er unseren prachtvollen Adventskalender sah, meinte er: «So ein Überfluss! Da hat man ja an Heiligabend überhaupt keine Lust mehr, Geschenke auszupacken.» Schade, dass er die Freude nicht mit uns teilt, sondern sie nur klein hackt.

Schneider: «Kannst du eigentlich auch mal daran vorbeigehen, ohne die Nase zu rümpfen?», schnaubt Schreiber. Ich rümpfe die Nase? Muss ein Reflex sein, denn ich merke das gar nicht mehr, wenn ich an den diversen Adventskalendern meiner Töchter vorbeikomme. Mindestens sechs sind es. Töchter habe ich aber nur zwei. Ich habe mich als Kind noch über ein gezeichnetes Engelchen oder Entchen hinter einem Türchen aus Papier gefreut. Heute gibts Schokolade, Bleistiftspitzer oder Tattoobildchen, 24 Tage lang.

«

Muss das sein? Dauernd etwas auspacken?»

Schreiber ist in Fahrt: «Und sag nicht mehr, dass der süsse Kalender, den die beiden gebastelt haben, unnötig sei. Das kränkt sie nämlich.» Was ich dabei empfinde, interessiert natürlich niemanden: «Muss das sein? Dauernd etwas auspacken? Wohin führt das?» – «Mein Göttibub freut sich jeden Tag und du fragst, wohin das führen soll?» – «Ich meine das allgemein.» «Allgemein? Auch unsere Töchter stehen morgens leichter auf, weil sie sich auf ihre Kalender freuen. Und weisst du was? Wahrscheinlich würde dir das auch Spass machen, so ein Papa-Kalender mit kleinen Aufmerksamkeiten von uns.» Möglicherweise hat Schreiber recht. Aber das kann ich jetzt nach dieser Diskussion unmöglich zugeben.

 (Coopzeitung Nr. 49/2014)

Die Kolumnisten live:  Dinerlesung im Hirschen Erlinsbach, 4. Dezember. Infos: www.schreiber-schneider.ch

Packt man im Dezember zu viel aus?

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 01.12.2014, 17:26 Uhr

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